Shia LaBeouf spielt einen jungen Uni-Abbrecher, der nach dem Tod seines Bruders, der für die CIA tätig war, einen Anruf von einer Frauenstimmer erhält, die ihm Anweisungen erteilt. Da Unbekannte mehrere Waffen an seine Adresse geschickt haben und eine hohe Geldsumme auf sein Konto gezahlt wurde, sitzt ihm direkt ein Polizist, gespielt von Billy Bob Thornton, im Nacken, weswegen LaBeouf nichts anderes übrig bleibt, als den Anweisungen Folge zu leisten. Dann muss er jedoch feststellen, dass auch eine allein erziehende Mutter, gespielt von Michelle Monaghan, einen Anruf erhalten hat und, dass sich die Person hinter der Stimme in alle möglichen Computersysteme gehackt hat und diese kontrollieren kann.
Bereits mit "Disturbia" gelang Shia LaBeouf, Regisseur Daniel John Caruso und Produzent Stephen Spielberg ein grundsolider und spannender Thriller nach Alfred Hitchcock, der in den Kinos durchaus größere Erfolge feiern konnte. Diesmal packte man heiße Eisen wie Kampf gegen den Terrorismus, oder die Datenüberwachung an, drehte mit einem Budget von über 100 Millionen Dollar und holte sich mit Michelle Monaghan, Billy Bob Thornton und Rosario Dawson drei weitere namenhafte Darsteller mit ins Boot und der Film hält definitiv, was die Trailer versprechen, so wird er sogar der hohen Erwartungshaltung nach "Disturbia" gerecht.
Dafür, dass es sich bei "Eagle Eye" im Grunde um eine konventionelle Mainstream-Produktion handelt, fällt die Kritik gegen Datenüberwachung und das Verhalten der USA bei der Hexenjagd auf Terroristen in aller Welt relativ scharf aus. Die Handlung als solche ist ebenfalls sehr gut, auch wenn manche Abschnitte zu glatt verlaufen und andere ganz klar überkonstruiert sind. Der Plot macht dutzende 180°-Wendungen und überrascht damit mehrfach, auch wenn einige Ideen offensichtlich bei Stanley Kubricks "Odyssee im Weltraum" übernommen wurden. Der Film ist also nicht ganz so visionär, wie er im ersten Moment scheint, wobei die Story für einen Mainstream-Action-Thriller durchaus beachtlich ist. Die Charakterkonstruktion entspricht dem Klischee, vom sympathischen Versager, der sich schließlich als Held mausert, über die taffe, allein erziehende Mutter, bis hin zum kernigen, ehrgeizigen, aber durchaus sympathischen Polizisten, wobei die Charakterzüge wenigstens teilweise über den Blockbuster-Standart hinauskommen.
Im Wesentlichen lebt "Eagle Eye" dennoch nicht von seiner gelungenen Story, sondern von dem, was Caruso daraus macht, denn dieser zeigt nach seinen soliden Werken "Salton Sea", "Taking Lives" und "Das schnelle Geld", dass er bei seiner ersten Regie-Arbeit unter Produktion von Spielberg "Disturbia" einiges dazu gelernt hat und präsentiert eine hervorragende Inszenierung. Caruso legt ein unglaubliches Tempo an den Tag und kann dieses konsequent halten und, typisch für einen Spielberg-Film, immer weiter steigern, selbst wenn man als Zuschauer schon den Eindruck hatte, dass es nicht mehr schneller geht, lässt den Film aber dennoch nicht gehetzt wirken. Dabei wird er von der schnellen Spannungsmusik unterstützt, die eine gespannte Atmosphäre erzeugt und das Tempo noch weiter ankurbelt, genauso, wie die schnellen Kamerafahrten, die Handkamera-Sequenzen und der schnelle Schnitt. Die Action-Szenen sind ebenfalls sehr schnell in Szene gesetzt, wobei die guten Spezialeffekte in den hektischen und wackeligen Handkamera-Szenen nicht so gut zur Geltung kommen und neben einem hohen Adrenalin-Kick keinen sonderlich hohen Schauwert erreichen. Vielleicht wäre es hier besser gewesen, wenn Spielberg Michael Bay, der ja ebenfalls in seinen Diensten steht, hinzugezogen hätte, wobei man natürlich dazu bemerken muss, dass sich Caruso hier das erste mal an aufwendige Action-Sequenzen wagt. Neben einem hohen Spannungsbogen kann Caruso zudem einen Ansatz von Dramatik aufbauen und liefert damit nach "Disturbia" erneut hervorragendes Unterhaltungskino ab. Die Kulisse ist enorm düster und erzeugt permanent ein Gefühl der Bedrohung und aufgrund des modernen Designs wird zudem über weite Strecken ein hoher Schauwert erreicht.
Wenn man sich heute noch einmal "Constantine" oder "I, Robot" zu Gemüte führt, in dem ein junger, unerfahrener Darsteller zu sehen ist, der sich kaum von anderen unterscheidet und sich dann mal die Leistungen von Shia LaBeouf in "Disturbia" und "Transformers" ansieht, erkennt man einen deutlichen Fortschritt. Und wenn man dann noch sieht, wie gut sich LaBeouf hier, in "Eagle Eye" macht, dann erkennt man schnell, warum ihn Spielberg persönlich unter seine Fittiche genommen hat und ihm hervorragende Zukunftsaussichten prophezeit. LaBeouf brilliert einmal mehr in seiner Lieblingsrolle, der eines Versagers, der sich schließlich als Held mausert, leistet sich überhaupt keine Fehler und ist darüber hinaus sehr sympathisch. Michelle Monaghan liefert ebenfalls eine ordentliche Leistung ab und dürfte nach "Gone Baby Gone" und "Mission: Impossible 3" damit erneut einen Karriereschub bekommen. Darüber hinaus können auch Rosario Dawson, in ihrer Lieblingsrolle, einer taffen Frau und Oscar-Preisträger Billy Bob Thornton, der sowieso immer eine sichere Bank ist, als ehrgeiziger Polizist voll und ganz überzeugen, genauso wie der übrige Cast, der komplett gut besetzt ist.
Fazit:
Wegen der gelungenen Story, die den Zuschauer gleich mehrfach überraschen kann und des hervorragenden Casts, in dem wirklich alle Darsteller überzeugen können, übertreffen Caruso, Spielberg und LaBeouf ihren Erfolg "Disturbia". Mit einem enorm schnellen Erzähltempo, einer durchgehend gespannten und düsteren Atmosphäre und ein paar rasanten Action-Szenen kann "Eagle Eye" zudem hervorragend unterhalten, auch wenn Caruso bei den Action-Szenen teilweise den Überblick verliert und die Story stellenweise zu weit hergeholt ist, bzw. zu glatt verläuft.
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