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1968, Cu Chi Region. Die heftigen Bombardements der Amerikaner haben den Vietcong unter die Erde getrieben. Aus einem verzweigten kilometerlangen Netz aus Tunneln und Bunkern heraus erfolgen kontrollierte Attacken. Boll zeigt beide Seiten, fokussiert jedoch auf eine Einheit unerfahrener US-Soldaten, die sich in die engen, mit tödlichen Fallen gespickten Gänge vorwagt. Befehligt werden sie vom despotischen Lieutenant Hollowborn, der, einem Credo der Gnadenlosigkeit folgend, einen feindlichen Heckenschützen vor den Augen der Untergebenen aufknüpfen lässt.

Nanu, was macht der Boll denn jetzt in Vietnam? Gibt doch gar kein Videospiel zum Film. Aber genug gelästert, denn der Beitrag von Dr. Uwe ist durchaus interessant ausgefallen. Das den Film kein Amerikaner gedreht hat bietet zumindest den großen Vorteil, das der Zuschauer von übertriebenem Patriotismus verschont bleibt und zudem das Thema des unterirdischen Tunnelkampfes filmisch bisher noch eher unbelastet ist.
Die Tunnel stehen dann auch im Zentrum des Kriegsdramas. Wir begleiten eine kleine Spezialeinheit, die mit vielen unerfahrenen Rekruten Maulwurf spielen muß, um die gefährlichen tiefergelegten Labyrinthe zu entschärfen. Boll gelingt es dabei recht gut die enge und bedrohliche Atmosphäre unter der Erde einzufangen, wo den GI´s nicht nur Gefahr vom Vietcong droht, sondern nebenbei noch diverse Todes- und Sprengfallen in der Dunkelheit lauern. Unterstütz wird das ganze noch durch einen gelungenen Score, dem es gelingt teilweise sogar richtiges Feeling eines Horrorfilms aufzubauen.
Neben den klaustrophobischen Gekrabbel geht es aber auch oberirdisch zur Sache. Charlie stürmt das Lager und metzelt die US-Boys genüßlich nieder. Hier geht es ziemlich hart zur Sache, Freunde blutiger Einschüsse kommen auf ihre kosten. Oben und unten gibt es dabei keine Helden (und am Ende auch nur ein absolutes Minimum an Überlebenden auf beiden Seiten), ist glaube ich auch das erste Mal, das in einem Kriegsfilm doch tatsächlich mehr Amis als Vietnamesen in den Dschungel beißen müssen. Wie gesagt, es macht einfach mehr Spaß, so einen Film aus einer neutralen Position der Macher zu sehen, wo nicht alle fünf Minuten Stars and Stripes eingeblendet wird und auch die Amerikaner mit ihren Kriegsgefangenen nicht besser umgehen, als die Gegenseite.
Irgendwie kann er es doch, der Boll, wenn er denn nur will oder eine gescheite Idee hat. Tunnel Rats ist ja auch vom Drehbuch und der Produktion auf seinem Mist gewachsen. Die Leistungen sind nur einfach sehr stark schwankend. Die Geschichte und das gut eingefangene Flair um die weitgehend gesichtslosen Soldaten ist jedenfalls gut geworden und im Grunde einer der besten deutschen Beiträge zu Kriegen, die wir nicht selber angezettelt haben.
7/10

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