Das Regiedebüt des Schauspielers Wang Yemin, der zusammen mit Yamada Akane auch das Drehbuch verfasst hat, funktioniert in weiten Teilen wie als Theateraufführung aus der quasi lebensweltlichen Situation heraus. Die Handlung ist strikt als Metapher und dort zusätzlich vereinfacht als Paarung von Gegensätzen gewichtet, im stetig währenden Dualismus nicht nur von der Askese in der Inszenierung zu der vielbeschworenen Sinnlichkeit im Genuss. Sondern ganz universell auch im episodisch-seriellen Kontrast zwischen Vater und Tochter, Mann und Frau, Lehrer und Schüler, Japan und Taiwan, Tradition und Moderne, Unschuld und Macht- und Geldgier. Liebe und Lüge. Der konkrete Reflexionscharakter wird dabei auf die Kunst des Teemachens und seiner dauerhaften Ordnung und so in einer belehrenden, erziehenden, aufdeckenden Übertragung bezogen.
Die Geschichte startet weit in der Vergangenheit, zusammengefasst in einer animierten Legende, die von Lu Yu, dem "Master of Tea" [ Eric Tsang ] mit dem Ton einer epischen Dichtung vorgetragen wird. Lu Yu, der auch sonst in verschiedenen Rollen, aber stetig gleicher Begleiter- und Führerposition durch die Erzählung begleitet, berichtet von ewig zurückliegenden Zeiten, als vor 5000 Jahren durch den mythischen Yan-Kaiser Shénnóng der Tee entdeckt und den Menschen als Stimulanz von Körper und Geist zuteil wurde. Zwei Stämme stritten um den Titel des besten Getränks, der "Male Black Tea Tribe" in aggressiv-aufschwellendem Affekt und der "Female Black Tea Tribe" in sanfter Rührung. Während eines gewalttätigen Zwistes soll eine Pflanze zerstört und die andere wegen ihrer gefährlichen Wirkung geächtet worden sein.
Eine Sage mit weit reichenden Auswirkungen, die sich bis Heute in die Komplexität, die Kontingenz und die Konflikte des Lebens eingeprägt haben:
Nach dem Tod seiner Frau hat sich der ehemalige Teespezialist Kei Yagi [ Teruyuki Kagawa ] vollständig aus dem Geschäft zurückgezogen, lehnt jeden Kontakt dazu unwiederbringlich ab und schlägt sich mit seinen 43 Jahren mit entsprechender Ausdauer und Aussicht in Aushilfsjobs herum. Seine Tochter Mihiko [ Erika Toda ] arbeitet in einer Konditorei, plant allerdings auch, mehr oder weniger heimlich das Vermächtnis ihren Vaters fortzuführen und nimmt dazu über das Internet Kontakt zu einem vermeintlichen Freund in Taiwan auf, der ihr bei ihren Bemühungen helfen will. Dahinter steckt der Schwarzmarkthändler Yang [ Vic Chou ], welcher unbedingt in den Besitz der letzten Blätter des Female Black Tea kommen möchte, und die unwissende, dafür aber leicht verliebte Mihiko zu sich lockt. Gefolgt von Kei und Mihikos Verehrer Murano [ Yoshihiko Hosoda ] und argwöhnisch beobachtet von der ebenso an dem edlen Gut interessierten Qing Ruhua [ Chang Chun-Ning ] und ihrem und Yangs ehemaligen Lehrmeister [ Chin Shih-chieh ].
Der "Kampf" im Titel von Tea Fight ist dabei als ein Ausdruck wichtiger widerstreitender Beschaffenheit durchaus wörtlich zu nehmen und stellt in seinem dem "Tee" als Symbol für Ruhe, Frieden, Balsam, Heilung etc. vollkommen entgegengesetzten Charakter auch mit das entscheidende Elixier dar. Gekämpft wird hier nicht nur tatsächlich, sondern auch gerade explizit mit zirkulierenden Hinweisen auf die Subkultur des Martial Arts Genres, seiner strukturbildenden Logik, den Spielformen und dem Spektakel daran. Die Beständigkeit des Drangs nach Ehre und Pflicht und die Intrigen nach Sieg und Perfektion sind ebenso vorhanden wie die Auseinandersetzung zweier verschiedener Ausbildungszentren - dort die Kampfsportschulen und ihre jeweilige Technik, hier Herkunft, Anbau, Herstellung und Aufguss des Tees - und sogar die jeweiligen Konstruktionen des Plots, die im Eastern alle minutenlang eine Entscheidungsszenerie bereithalten und hier kein Schritt ohne die Erwähnung der speziellen Flüssigkeit, ihre Präparierung oder eine Verkostung vergehen lassen. Doch auch wenn besonders der illegale Untergrundhandel von Yang, seine Machenschaften und die Lokalität genau danach aussehen und sich auch der Motivationslogik nach so anfühlen, als ob gleich die Fäuste geschwungen werden, und am [fast] Ende allen Geschehens theoretisch auch eine Entführung und eine Erpressung stehen, begibt man sich nicht in den physischen Clinch; die einzige schnellere Szene ist per Vorlauf absichtlich auf aberwitzig rasant getrimmt und repräsentativ genug auch noch die weitab am Schlechtesten Funktionierende in der ganzen Begebenheit.[Was auch an den beiden hampelnden Handlangern von Yang liegt, die als übertriebenes comic relief sowieso mehrmals eigenhändig die Einheit des Rhythmus leiden lassen und die Stimmung in Richtung lauer Klamauk schieben.]
Abgesehen dessen beruft sich Wangs auf den ersten Blick überraschend stichhaltige Regie auf die eher gegenwärtige Einbildungskraft und eine etwas umständliche Gefasstheit, die den Möglichkeiten des Austestens und Ausreizens von Ästhetik, Geschichtsphilosophie, Kulturkritik und Psychologie zwar anheim fallen, sich dann aber doch nicht den ganzen Weg dahin trauen und zwischendurch halbherzig mit leeren Händen Schluss machen. Optisch sticht das Einrahmen der Wendungen und Bewegungen innerhalb einer einzigen anhaltenden Kameraeinstellung mit folgerichtig viel Staffage im Bild hervor. So gelingt es ihm auch Mehrere Male dabei, das emotional Wesentliche der Vorstellungen in Bezugnahme auf den einzelnen bestimmten Augenblick und gleichzeitig visuell die Verfertigung eines nahezu poetischen Gemäldes auszudrücken. Allgemein bei den Darstellungen der Örtlichkeiten, ob nun in das begrünte Naturell eingefasste Holzbauten, die von kühler und gleichfalls klarer Luft und beginnenden Vogelgezwitscher umgeben sind, oder aus groben Stein gehauene Verliese, deren lärmende Gesellschaft sich an Gittern vor dem Verhau und gespenstischen Nebelschwaden erfreuen darf. Speziell bei einer Erinnerung von Kei an bessere Zeiten, die nicht bloß als Rückblende vor seinem geistigen Auge, sondern schon als geöffnetes Metadrama auch vor dem des Zuschauers abläuft.
Die entscheidende Zeremonie der Teezubereitung und die Harmonie bei seinem Gaumenkitzeln wird getreu seiner hier schon allegorischen Verkörperung entsprechend und als dieselbe Empfindung in verschiedenen Modifikationen gewürdigt, aber so zum Showdown hin auch etwas zum Text einer Predigt, in der verschiedenen Geisteshaltungen versinnbildlicht werden und damit schon illusionären Schauspiel ausgeweitet. Analog zum Film: Gerade für Menschen, die ansonsten nur das kochende Wasser auf den Beutel tun und 10min ziehen lassen, sieht der hier betriebene style nostalgia Aufwand ein wenig arg pompös und sicherlich für eine einzige Tasse als Ergebnis auch reichlich übertrieben und anstrengend zugleich aus.