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Zack, gespielt von Seth Rogan, und Miri, gespielt von Elizabeth Banks, sind seit Jahren beste Freunde und leben gemeinsam in einer Wohnung, die sie nicht so recht bezahlen können. Nachdem ihnen Strom und Wasser abgestellt wurden, beschließen die beiden einen Porno zu drehen und stellen binnen kürzester Zeit eine kleine Filmcrew mit einem Produzenten, einem Kameramann und einer handvoll Darsteller auf die Beine. Während des Drehs ändert sich die platonische Freundschaftsbeziehung der beiden jedoch nach und nach zu echter Liebe.

Kevin Smith ist noch nicht einmal 40 Jahre alt und ist schon einer der routiniertesten Regisseure im Comedy-Genre, so avancierte seine Low-Budget-Komödie "Clerks - Die Ladenhüter" zum Kult und auch seine Tragi-Komödie "Chasing Amy", seine Religions-Satire "Dogma" und weitere Genre-Beiträge wie "Jay und Silent Bob schlagen zurück" ließen ihn zu einem der bekanntesten Genre-Regisseure aufsteigen. Mit "Zack und Miri Make a Porno" liefert der sonst eigentlich sehr innovative Smith zwar keine gänzlich neuen Ideen ab, bietet aber erneut gelungene Unterhaltung.

Getragen wird der Film dabei über weite Strecken durch seine amüsanten Dialoge. Teilweise geht es zwar etwas zu vulgär zu, man möchte sich kaum ausmalen, wie oft der Begriff "Fuck" im amerikanischen Original gefallen ist, aber die lockeren Antworten auf ernste Fragen, die zahlreichen Wortwitze, die an den besten Stellen fast an Woody Allens Tragi-Komödien erinnern, und die zahlreichen, sehr direkten Ausrutscher in vermeintlichen Smalltalks halten einen als Zuschauer ständig bei Laune, auch wenn der eine oder andere Dialog vielleicht ein wenig zu lang gerät und vor allem zum Ende hin, wenn der Witz allmählich verloren geht, auch eine gewisse Dialoglastigkeit aufkommt. Darüber hinaus bedient sich der Film typischer Porno-Klischees, die zahlreich und vollkommen überzogen Verwendung finden und als Parodie der Porno-Filme durchaus zu überzeugen und zu amüsieren wissen. Ähnlich verhält es sich bei weiteren Gags, so ist auch Situationskomik durchaus vorhanden und auch die Suche der Beteiligten nach einem Titel für ihr kleines Machwerk ("Star Whores" - einfach genial) gerät überaus vergnüglich. Natürlich ist dabei nicht jeder Gag ein Treffer, plumper Fäkalhumor ist ebenfalls vertreten und auf Dauer werden manche Lacher überstrapaziert, aber unterm Strich ist es doch sehr amüsant, was hier geboten wird.

Leider kann der anfangs enorm hohe Unterhaltungswert nicht bis zum Ende gehalten werden, wofür im Wesentlichen die Entwicklung der Liebesbeziehung verantwortlich ist. Zwar gibt diese dem Geschehen einen menschlich/sympathischen Grundeindruck, aber die ewigen Debatten darüber, ob die Freundschaft den gemeinsamen Porno-Dreh überstehen kann und das nervige Hin und Her am Ende, bevor die beiden endlich zusammenkommen, nehmen dem letzten Drittel des Films leider so stark die Fahrt, dass "Zack and Miri Make a Porn" doch einen recht faden Nachgeschmack hinterlässt, zumal vor allem hier eindeutig Anleihen von Rob Reiners Kult-Komödie "Harry und Sally" zu finden sind.

Während der Film anfangs also vor allem aufgrund seiner hohen Gagdichte zu unterhalten weiß, sind es zum Ende hin zunehmend die Darsteller, die den Film zu tragen haben und das gelingt ihnen auch so gut wie möglich. So zeigt sich Seth Rogen, der nach "Ananas Express" und "Beim ersten Mal" einmal mehr in der Rolle des sympathischen Losers zu sehen ist, gewohnt stark und serviert die Gags sehr humorvoll und keinesfalls unglaubwürdig überzogen. Daneben überzeugt auch Elizabeth Banks in allen Belangen, harmoniert bestens mit ihrem Partner und bringt ihre Rolle mit einem umwerfenden Lächeln und sichtlicher Spielfreude derart liebenswert auf die Leinwand, dass die Liebesgeschichte zumindest in Ansätzen zündet. Daneben wissen auch die Nebendarsteller durchaus zu überzeugen und selbst die tatsächliche Porno-Darstellerin Katie Morgan macht auch außerhalb ihres gewohnten Metiers im doppelten Sinne eine gute Figur.

Während sein Drehbuch also solide ausfällt, ist auch die Inszenierung von Kevin Smith durchaus als versiert zu bezeichnen. Musikalisch ist "Zack and Miri Make a Porno" zu jedem Zeitpunkt treffend unterlegt und auch beim Timing der Gags lässt Smith alle Erfahrung spielen. Die Nackt- und Sex-Szenen sind dabei relativ freizügig, aber zu keinem Zeitpunkt überdosiert und angesichts der Thematik angemessen inszeniert und recht provokant serviert. Einzig und allein auf narrativer Ebene unterläuft Smith ein fundamentaler Fehler, so drosselt er das Erzähltempo zum Ende hin, wenn das Geschehen immer klischeehafter und kalkulierbarer wird, die Liebesgeschichte ohne den kleinsten Anflug einer Überraschung in altbekannten Handlungsbahnen des Genres verweilt, immer weiter, sodass der Film auch durch die Darsteller nicht mehr so recht getragen werden kann und kaum noch unterhält. Und auch der vollkommen überflüssige Zeitsprung von drei Monaten nimmt Smiths Werk dabei leider eindeutig die Fahrt. Zehn Minuten weniger wären hier am Ende wohl doch mehr gewesen.

Fazit:
Mit amüsanten Dialogen, spielfreudigen, sympathischen und harmonierenden Hauptdarstellern sowie einer relativ hohen Dichte an zündenden, mitunter auch recht fäkalhaltigen Gags, unterhält "Zack and Miri Make a Porno" vor allem anfangs hervorragend, bevor die klischeehafte Liebesgeschichte, die zudem sehr langatmig erzählt wird, dem Film schließlich doch noch ein wenig die Fahrt nimmt und am Ende einen allzu faden Beigeschmack hinterlässt, als dass Kevin Smiths neuestem Werk der Sprung über das Mittelmaß gelingen könnte. Wer sich nicht gerade zu den Gralshütern von Sitte, Anstand und Moral zählt, macht mit der Komödie aber auch nicht allzu viel falsch, denn unterhaltsam ist sie unterm Strich durchaus.

61%

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