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Irgendwann, so denkt man, muß jeder Regisseur erwachsen werden, selbst die, die sich in ihrer selbstgeschaffenen Nische so gemütlich eingerichtet haben, daß es eigentlich keinen Grund gibt, neues Terrain zu erkunden.
Kevin Smith ist einer von ihnen, der König von New Nerd Jersey, der sein Askewverse mit seinen comic- und filmtraumbefeuerten Figuren bis zum Bersten gefüllt hat und immer neue Geschichten über Freundschaften, Lebensgestaltung und Motivationen dazu erfand. Mit Hilfe der Weinsteins arbeitete er genügsam voran – immer geschmacklich bedenklich und herzerfrischen direkt sein Nischenpublikum bedienend.
Doch dann kam „Jersey Girl“ und erstmals gab es kein „Jay und Silent Bob“ und man war gespannt, was der Star-Wars-Fan wohl als neue Pfründe abgrasen würde.
„Zack und Mire make a Porno“ scheint der nächste Schritt zu sein, doch schon der Titel höhnt: weit gefehlt.
Noch älter das Drehbuch bzw. der Entwurf macht sich Smith mit diesem Film selbst ein Geschenk, nämlich sich in eine noch extremere und erzählerisch infantilere Phase zurückzuwerfen.

Das Ergebnis: zwei langjährige Freunde in Geldnot beschließen einen Porno zu drehen, um an Geld zu kommen und stellen fest, daß sie sich eigentlich lieben.
Eine simple Geschichte, vorhersagbar und nur aus dem Grund auffällig, weil ungefähr jedes fünfte Wort darin „fuck“ ist.
Für deutsche Zuschauer ein mehr als befremdlicher Kreativentschluß, denn ein Film, in dem es sich ununterbrochen ums Ficken dreht, wirkt (als Nicht-Porno) vor allem pubertär, unreif und beinahe schon wieder verklemmt gewollt.
Doch was hier albern wirkt, ist in den sexuell hochnotpeinlichen Vereinigten Staaten ein veritabler Tabubruch und man kann fast das grimmige Grinsen in Smiths Hinterkopf sehen, wie er Seth Rogen und Elizabeth Banks ständig übers Vögeln sprechen läßt.

Der darunter begrabene Plot ist weiß Gott kein Musterbeispiel für Einfallsreichtum und so vorhersagbar, daß es schon quietscht, doch was den Film qualitativ von den üblichen Samenschleudern von Teeniefilmen unterscheidet ist, daß der Witz sich nicht über brachiale Bilder definieren will, sondern gerade darum besteht, daß man über ein heikles Thema redet, als ginge es einen eigentlich nichts an, obwohl das alles nur eine Maskerade für Pfeifen im finsteren Wald ist. Hier redet man sich um Kopf und Kragen und während das Publikum vermutlich selbst mit guter Erziehung und hinter vorgehaltener Hand schmunzelt, hält Smith den Hauptdarstellern samt Zuschauern den Spiegel vor, denn niemand hier scheint ein Problem mit der Vögelei auf Film zu haben, außer eben dem Liebespaar, das keines sein will.
Wir alle machen uns da was vor – und über 200mal „ficken“ braucht doch wirklich niemand – so betont schmutzig – und schon geht man dem Regisseur auf den Leim.
Das Schöne am Sex wird keineswegs vergessen, spätestens wenn es schließlich zum eigentlichen Akt kommt, der, wie man eigentlich erwartet, gar nicht stattfinden wird – doch schließlich reicht es zu einem gefühlsintensiven und erhebenden Akt.

Darum gruppiert sich die übliche Smithsche zärtliche Groteske, wieder hat er ein harmonisierendes Ensemble versammelt, das, oh Wunder, miteinander spielt, nicht gegeneinander und im Home-Porno die Freundschaftsbande entdeckt. Dabei entwickelt Ex-Jay Jason Mewes einen beachtlichen Exhibitionismus, spielt Pornostarlet Katie Morgan mit Humor und Esprit und sogar die angejahrte Ex-Sexqueen Tracy Lords bewahrt sich die Würde, während die Teenieschwärme Justin Long und Brandon Routh ausgerechnet ein schwules Porno-Pärchen geben.
Smith schafft es, bis auf eine, leider komplett überflüssige Grossoutszene, seine Figuren nie bloßzustellen, so daß das Publikum in ihnen nicht nur funktionelle Deppen in einem Austauschplot rund einen Fick, Drogen und Alkohol sieht und zaubert trotz aller konventioneller Storylines durchaus einen Witz, der einen permanent giggeln läßt, ohne daß man sich zum Fremdschämen zwingen müßte.
Natürlich hätten ein paar Überraschungen mehr dem Film gut getan und Rogens ständige Sabbelei verfängt leider nicht so wie sonst, aber dafür strahlt Elizabeth Banks genau die Askew-Frische aus, die man in „Mallrats“ oder „Chasing Amy“ so liebgewonnen hat.

Natürlich: alles ist eine gigantische Venusfliegenfalle rund um das Wörtchen Porno, um anschließend die Aufregung zugunsten einer Liebesgeschichte fahren zu lassen, aber hie und da werden doch explizite Töne angeschlagen und doch der Leitsatz verfolgt, daß man Sex auch mit Humor nehmen kann.
Natürlich: „Clerks“, „Chasing Amy“ (Smiths unsterbliches Beziehungsmeisterwerk) und „Clerks 2“ bleiben unerreicht (von dem abstrus-genialen „Dogma“ ganz zu schweigen), aber Smith bremst auch hier den Trend zum Hoserunterlassen so geschickt aus, daß hinter dem Offensiven das Herz bei der Sache zum Vorschein kommt.
Belanglos eigentlich, aber beständig heiter.

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