Review
von Leimbacher-Mario
Tütensuppe im Indieland
In „Baghead“ machen sich zwei langjährige Kumpels, die es bisher nicht ansatzweise im Filmgeschäft geschafft haben, mit ihren weiblichen Begleitungen auf in eine abgelegene Waldhütte - um dort einen (Horror-)Film zu schreiben. Über einen Killer mit Papptüte au'm Kopp, was ihnen spontan eingefallen ist. Blöd nur, dass da plötzlich wirklich ein fremder Tütenkopf auftaucht und für noch mehr Verunsicherung sorgt, als eh schon zwischen den betrunkenen und verwirrten, losen Pärchen herrscht...
Ist das wirklich Greta Gerwig?! Jup, das ist die mittlerweile als Super-Regisseurin durchgestartete Madame. Doch das ist beileibe nicht das einzig Auffällige an „Baghead“, einem oft höchst unterhaltsamen Indie-Genre-Hybriden, der zwar selten bis nie genau weiß, wohin er will, was ihn jedoch nur noch unberechenbarer und witziger macht. „Mumblecore“ hat 2008 wohl nur den wenigsten Eingeweihten etwas gesagt, aber in diese redselige Richtung geht „Baghead“ ohne Zweifel. Viel Authentizität, viel Dialog, viel Improvisation gefühlt/vielleicht sogar. Außerdem sehr meta, bevor auch das zum geflügelten und inflationär benutzten Wort wurde. „Baghead“ ist wie ein Wochenendausflug mit Freunden - samt all ihrer nervigen Ecken und Kanten. Jason trifft den Kreis der gescheiterten Slacker und unsicheren Existenzen. „Baghead“ ist ein klarer Vorläufer der beiden „Creep“-Teile - und wem die gefallen, der sollte ihn unbedingt nachholen. Unberechenbar, hip(ster), augenzwinkernd. Genug Sympathie gibt’s für diesen speziellen Weg von meiner Seite aus. Selbst wenn das Ganze leider keinen Punkt, keinen Sinn, kaum Pointe herausschält.
Fazit: wuselig-geschwätzige Mumblecore-Mixtur aus Metafilm, Horrorslasher und Beziehungschaos. Ein skurriler Indie über das Filmemachen und Menschsein. Mit all den Hindernissen und Fehlern und Stolpersteinen. Nicht wirklich creepy, nicht wirklich romantisch, nicht wirklich lustig - und dennoch von all dem genug gleichzeitig und in einer cleveren Kombi, wie es sie selten gibt. Ein gelungener Geheimtipp. Für viele aber sicher weder Fleisch noch Fisch noch Gemüse. Für mich ein elegant-ungeschliffener Eintopf.