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Es schadet ja nun wirklich nichts, wenn man ein bißchen improvisativ aus dem Bauch heraus arbeiten möchte, vor allem wenn man ein recht ordentlich beschäftigter TV-Regisseur wie Hans-Christoph Blumenberg ist, der für die Sendeanstalten so viele Tatorte runtergedreht hat, daß man das Korsett, in dem er steckt, förmlich riechen kann.

„Warten auf Angelina“ ist dann auch eine lockere, zwanglose Angelegenheit geworden, teilweise allerdings hart an der Grenze zur Überflüssigkeit – aber aus solche Rahmendrehbüchern, die mittels flotter Improvisationen aufgewertet wurden, sind schon meisterhafte Filme entstanden (z.B. Kenneth Branaghs „Ein Winternachtstraum“).
Hier treffen in einer zeitweise verlassenen Viertwohnung über den Dächern von Berlin Mitte ein Paparazzo und ein glühender Fan von Angelina Jolie aufeinander, die beide nur eins im Sinn haben: den Einzug des „Brangelina“-Paares in ihrem Hauptstadtdomizil auf Film zu bannen. Während Knipser Maik jedoch finanzielle Gründe hat, will der junge Momme von der Insel Pellworm seine gerade gescheiterte Jugendbeziehung wieder kitten. Beide haben da nichts zu suchen, und während sie sich wie zwei Raubkatzen umschleichen, müssen sie feststellen, daß es trotz Abwesenheit des Besitzers jede Menge Besucher gibt.

Zwei gegensätzliche Typen in einer (soften) Extremsituation in einen „closed room“-Bereich gezwängt – das führt filmisch fast zwangsläufig zum Seelenstriptease – da fragt man sich natürlich nur, wie interessant selbiger wird, damit man auch bei der Stange bleibt. Blumenberg hat damit so seine gewissen Probleme, vor allem am Anfang, wenn sich die Figuren erst einmal etablieren müssen. Überhaupt sind die knapp 90 Minuten sehr lang, wenn man dramaturgisch so sehr im Zugzwang ist und die Grundkonstellation lediglich Stoff für einen Halbstünder hergibt.
Also pfropft man alles in die Handlung, was irgendwie mit dem Eindringen in die Wohnung begründet werden kann – die Mutti vom Besitzer, die Geliebte, die Uschi von der GEZ, eine Pizzalieferantin und das Mädchen, das die Blumen gießt, die auch noch die kleine Schwester von Maiks Verflossener ist, die natürlich später im Verlauf der fünf Tage ebenfalls vorbeischaut. Jede kriegt ihren Auftritt, jede bringt die Kugel ein wenig mehr ins Rollen, bis die Konkurrenten schlußendlich so was wie Kumpels sind.

Für diese Nebenrollen hat Blumenberg recht namhafte Gesichter verpflichtet: Gudrun Landgrebe schaut ebenso rein wie Barbara Auer, Jana Pallaske darf mit ihrem Schmollmund Großstadtgör-Flair verbreiten und Leslie Malton chargiert sich (leider die blödeste Episode) als Gebührenelse durch gestelzten Improdialog.
Das ist alles nicht wahnsinnig sättigend, aber immerhin bisweilen amüsant bis kurzfristig beißend witzig, auch wenn der Plot immer wieder leer läuft und die Pointe auch nicht eben rockt.

Es ist halt nicht genug Substanz da, um einen Handkamerafilm für ein breites Publikum wirklich aufregend zu machen, allerhöchstens Hauptstädter könnten daran leichte Freude haben, aber dazu muß man wirklich seine alternativen Filmseiten aktivieren, denn so nett und lustig es manchmal in der Wohnung zugeht, so schnell hat man es auch wieder vergessen.

Wirklich Freude macht Blumenbergs Spiel mit Filmzitaten, die Momme immer wieder einwirft, Maik aber nicht versteht; während Maik ständig von Filmpromis per Spitznamen faselt, daß aber nie konkretisieren will, als würde er Münchhausenstories produzieren. Dazwischen gibt’s auch inszenatorisch ein paar Hommagen, hier lugt ein Western, da erkennt der Fachmann Kamerapositionen wieder und der Wohnungsbesitzer heißt auch noch Katelbach (und am Ende kommt er...), das ist aber nur was für Freaks und Insider.

Ergo muß man über so einen Film schon zufällig stolpern und dann offen sein für so ein Rebellenprojekt, alle anderen bitte in die Gräben, schnell! (6/10)

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