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Harvey Milk war der erste bekennende Schwule in einem öffentlichen Amt. Und er wurde kurz nach seinem größten Erfolg erschossen. Beides erfahren wir gleich zu Beginn des Films. Und das ist auch gut so.

Das Thema sind anfangs die Rechte von Homosexuellen, aber im Laufe des Films immer mehr auch Menschenrechte und Menschlichkeit. Und so bekommt der Werdegang von Harvey Milk eine überhöhte Bedeutung. Er weckt Interesse, gibt Hoffnung für alle, die denken, sie seien "anders". Der kreative Regisseur Gus Van Sant (Finding Forrester) steht für rebellische Helden und die einfühlsame Beschreibung von Randgruppen. Dazu kommt einer der renomiertesten Hollywood-Stars, Sean Penn, hiermit zweifacher Oscar-Gewinner, der aber hinter seinem Charakter zurücktritt, ja, in ihm aufgeht.

Völlig unverständlich aus heutiger Sicht, wie Homosexualität so verpönt sein konnte, bis in die 70er Jahre auch in Europa und Nordamerika strafbar war. Dazu sollte man gleich mal erwähnen, das es das nach Ansicht der katholischen Kirche und vieler islamischer Anführer immer noch ist, in vielen Ländern mit Gefängnis bestraft wird. Und auch bei uns werden Schwule ausgegrenzt, diskriminiert, oder belächelt. Kann der Film eine Brücke schlagen?

Eine der unangenehmeren Erfahrungen für Heteros ist es, zwei Männern beim Küssen zuzusehen. Hier schafft es der Film gleich zu Beginn, Verständnis zu wecken und den Anblick als das zu akzeptieren, was es ist. Nämlich etwas, das Menschen eben machen, wenn sie sich mögen, ohne dass man sich selbst in eine der Personen hineinversetzen müsste. Allzu romantische Szenen zwischen Männern muss jedenfalls keiner fürchten, die Darstellung bleibt locker und nachvollziehbar für jeden, der das Herz am richtigen Fleck hat.

Der Wechsel zwischen Story und historischen Aufnahmen ist bestechend! Man kann sich auf die Gefühle, Ängste und Ambitionen der Charaktere einlassen, und gleichzeitig die tatsächlichen Ereignisse glaubhaft nachvollziehen. Die Darstellung der 70er Jahre gelingt authentisch und ohne große Gesten. Schnauzer und krause Haare sind sichtbar, aber wirken nicht fremd.

Der Pace ist schnell, eine paar flotte Sprüche hier, ein paar nackte Popos da, und schon ist man 2 Jahre weiter. Erst erscheint es, als ob Harvey Milk der politische Erfolg nur so zufliegt, jedoch schafft er es lange Zeit nicht, eine Mehrheit hinter sich zu bringen. Es sind mehr die Zeiten um ihn herum, die sich ändern, bis er endlich erfolgreich ist. Und dann versteht man langsam, dass es ihm nie um Macht oder Ruhm ging, sondern um die Freiheit von Randgruppen, um das Ende von Diskriminierung.

Keine Frage, ein bedeutsamer Film. Aber auch eine nahegehende Geschichte. Authentisch erzählt, geeignet für Gays und Straights, politisch ein äußerst erhellender Film, und am Ende ergreifend und packend.

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