Die nach dem 11. September in Kraft getretenen rauen Verhörmethoden der US-Legislative, insbesondere durch die CIA, wurden lange Zeit vertuscht. Erst Anfang 2009 wurde durch Präsident Obama ein Erlass unterzeichnet, welcher die Genfer Konvention nicht länger umgehen konnte, womit völkerrechtswidrige Folter an mutmaßlichen Terroristen (eigentlich) der Vergangenheit angehören sollte.
Regiedebütant Graham Green widmet sich mit der Mischung aus Psycho-Thriller und Polit-Drama jenem brisanten Thema des „autorisierten“ Folterns.
Anhand des Schicksals des Soldaten Rick (Andrew W. Walker) wird aufgezeigt, wie aus dem Verhörenden ein traumatisierter Mensch mit tiefen Schuldgefühlen werden kann.
Als er die Irakerin Ayesha (Mahsa Msoudi) über Tage einem Martyrium aussetzt, um den Aufenthaltsort einer Bombe zu erfahren, gesteht er im anschließenden Gespräch mit der Psychologin (Nichelle Nichols) Schwächen seiner Vorgehensweisen ein, die Rick immer näher an den Rand eines Zusammenbruchs führen…
Lapidar betrachtet benötigt Green so gut wie gar kein Interieur und baut auf die Wirkung seines zweigeteilten Kammerspiels, nämlich den Rückblenden zur Befragung der vermeintlichen Terroristin und dem aktuellen Austausch zwischen Rick und Doc.
Dabei legt er weniger Wert auf explizite Darstellungen körperlicher Gewalt, sondern fokussiert den Soldaten Rick, der anfänglich als kontrolliert erscheinender Gefühlsloser auftritt, doch zusehends seine unterdrückten Emotionen offenbart: Die Doktrin vom eiskalt und planmäßig vorgehenden Soldaten hinterlässt tiefe Spuren, doch die Psychologin, die darauf aus ist, seine Taten nahezu zu legitimieren, veranschaulicht nur ein weiteres Rad in dem seinerzeit im Untergrund handelnden Justizapparat: Annähernd alles ist erlaubt, das Unrechtsbewusstsein wird verdrängt und anschließend wird alles unter den Teppich der globalen Terrorismusbekämpfung gekehrt.
Infolgedessen ist dem Streifen sein durchaus bedeutsames politisches Statement anzuerkennen, doch dramaturgisch sind leider einige Durchhänger zu verzeichnen.
Da die Erzählweise zwischen zwei Ebenen wechselt und die Gesprächstherapie nicht immer unmittelbar eine zuvor visualisierte Verhörtaktik aufgreift, mangelt es zwischenzeitlich an Kontinuität, was sich besonders im letzten Drittel abzeichnet.
Zu welchem Zeitpunkt setzt Ricks Kontrollverlust ein und ab wann kommt das Stockholm-Syndrom ins Spiel? Inwieweit sich etwaige Vorgänge wiederholen und der Wärmeentzug und das Waterboarding auf das Opfer Ayesha auswirken, lässt sich nur erahnen, denn so mitreißend die Thematik im Kern auch ist, so unspektakulär inszeniert sie Green und lässt damit innerhalb der rund 83 Minuten zu wenig Spannung aufkommen, weil er manche Situationen nur streift, anstatt sie intensiver zu durchleuchten.
So wird man gegen Ende zwar mit zwei Wendungen überrascht, doch ein Schlüsselmoment fehlt zu beiden, woraufhin die letzten Einstellungen ein wenig aus der Luft gegriffen erscheinen.
Darstellerisch ist dem Ganzen nichts anzukreiden, da alle drei Mimen glaubhaft agieren und das eher ruhig angesetzte Handwerk, einschließlich des wabernden Scores eine adäquate Stimmung verbreitet, doch wirklich fesselt gestaltet sich die Chose tatsächlich nur auf politischer Ebene.
Demnach wird ein eindeutiges Statement zu Bushs radikalen Verhörmethoden abgegeben und dubiose Vorgehensweisen werden durchaus kritisch hinterfragt, - doch wenn der Zweck sämtliche Mittel heiligt, muss man sich schon fragen, warum nicht sämtliche Mittel in Bild und Ton dargestellt werden, um etwas mehr Nervenkitzel in den Mittelpunkt zu rücken.
Wichtig ist der Film mit seinem provokativem Sujet allemal, doch im Endeffekt verliert Green in der zweiten Hälfte ein wenig die Stringenz und dümpelt als Thriller nur mäßig unterhaltsam vor sich hin, während drei Figuren, deren Handeln es zwischenzeitlich an nachvollziehbaren Motiven mangelt, nur zu Schachfiguren verkommen, die in letzter Instanz zu wenig Hintergrund erhalten.
Auf ethischer Ebene bedeutsam, als Psychothriller mit deutlichen Schwächen behaftet, vermag „The Torturer“ vor allem mit seinem Vorlauf zu fesseln, während ihm in der hinteren Hälfte ein wenig die mitreißenden Mittel ausgehen und man letztlich „nur noch“ von einem bewegenden Polit-Drama sprechen kann, dem es phasenweise deutlich an Suspense mangelt.
6,5 von 10