Horrorfreunde wissen: Bei manchen Familien hängt der Haussegen grundlegend schief, da hilft auch keine Heilbehandlung mehr, - die Familienmitglieder therapieren ihre potentiellen Opfer mit unorthodoxen Methoden, um Werte einer eigensinnigen Hausgemeinschaft zu vermitteln, wie es das legendäre Kettenmassaker von Tobe Hooper anno 1974 eingeführt hat.
Der Brite Steven Sheil übt sich mit seinem Debüt derweil an einer Satire aufs Familienidyll mit klassischer Rollenverteilung, scheitert aber größtenteils an den notwendigen Zutaten zum Mitfiebern.
Flughafen Heathrow, London: Die junge Polin Lena (Olga Fedori) wird von der Quasselstrippe Birdie (Ainsley Howard) beim Putzen angesprochen, unter einem Vorwand nach Hause gelockt, wo die Falle schnell in Form von einem Schlag auf den Hinterkopf zuschnappt: Lena soll der neue Familienzuwachs von Mom und Dad werden und da wird Ungehorsam bisweilen mit mehr als Hausarrest in Ketten quittiert…
Es hätte in der Tat eine Mischung aus Schlachtfest und bitterböser Parodie werden können, wenn der garstige Familienvorstand quasi mit dem Wichsen ins frisch entnommene Nackenfleisch in die Handlung aufgenommen wird, während Mom mit Lena augenscheinlich ihren „Engel“ gefunden hat, was sie mit dem Ritzen von Engelsflügeln im Rücken des Opfers zu visualisieren versucht.
Doch leider bleibt es meistens bei der Andeutung von Tabubrüchen, Klischees der klassischen Rollenverteilung werden zu selten auf die Spitze getrieben und bei alledem mangelt es an Abwechslung, denn die karg ausgestatteten Kammern des Hauses bringen nur selten eine morbide Atmosphäre mit sich.
Infolgedessen ermüdet der Stoff recht schnell. Zwischendurch legen sich Birdie und Lena im Spiel um die Gunst der Mutter gegenseitig herein, es folgen die üblichen Befreiungsversuche, die vor allem zu Beginn im Keim erstickt und leicht sanktioniert werden und da Lena die meiste Zeit über gar nicht spricht, bleiben auch psychologische Maßnahmen aus, um beispielsweise den stummen Bruder, der augenscheinlich ebenfalls ein einstiges Folteropfer der Familie darstellt, auf die eigene Seite zu bringen.
Psycho-Terror auf Sparflamme.
Dabei sind sämtliche Rollen hervorragend besetzt, besonders Perry Benson vermittelt als Familienoberhaupt einen durchweg abstoßenden Eindruck, aber auch Olga Fedori holt eine Menge aus ihrer schwach gezeichneten Figur des Opfers Lena heraus und überzeugt vor allem im letzten Drittel.
In jenem nimmt die Handlung letztlich auch ein wenig groteskere Züge (Weihnachtsfest) an, die man sich weit im Vorfeld gewünscht hätte, denn die vorherrschende Bewegungsarmut und der mangelnde Zynismus täuschen kaum darüber hinweg, es mit einer Terror-Geschichte mit minimalem Aufwand zu tun zu haben.
Dabei stören der Einsatz von Handkamera und kaum wahrnehmbaren Hüllkurven-Score weniger als die Tatsache, dass man am Ende weder eine Botschaft, noch sonderlich originelle Einfälle aus der Geschichte mitnehmen kann.
Der Vater als Patriarch mit leichten Kontrollverlusten, die Mutter als gefühlsduseliges Zweitorgan mit überfürsorglicher und ebenso unberechenbarer Ader, - das sind Ansätze, die das Geschehen nicht gänzlich langweilig erscheinen lassen, doch im Gesamtbild fehlt dem Debütanten Steven Sheil eine gewisse Inbrunst. Eben jener mutige Schritt, mit Schauwerten nicht zurückzuhalten und neben Pornofilmen beim kollektiven Frühstück auch mal wirklich die Axt zu schwingen…
4,5 von 10