Review

"Everything Ripped Apart in a New York Minute."

Ein Zitat das wohl jedem, der das Computerspiel "Max Payne" gespielt hat, bekannt sein dürfte. Ein Zitat das erschütternder und passender nicht sein könnte... und auf das man im gleichnamigen Film leider vergeblich wartet.

Seit 3 Jahren ist Detective Max Payne (Mark Wahlberg) auf der Suche nach dem dritten Mörder seiner Frau Michelle und ihres Babys. Durch Kontakte im Drogenmilieu lernt er Natasha Sax (Olga Kurylenko) kennen die ein flügelförmiges Tattoo trägt was Max bekannt vor kommt. Er bittet sie in sein Appartment, wo es aber nicht zu einer Befragung kommt. Stattdessen wird Natasha am nächsten morgen tot auf der Straße aufgefunden. Max's ehemaliger Partner Alex Balder (Donal Logue) entdeckt einen Zusammenhang zwischen dem Mord an Natasha und Michelle, wird aber ebenfalls kurze Zeit später von Max tot aufgefunden. Da er in beiden Fällen die letzte Bezugsperson war, gilt er nun als Hauptverdächtiger und gerät immer mehr unter Druck. Nach weiteren Nachforschungen überascht ihn nicht nur Mona Sax (Mila Kunis) die den Tod ihrer Schwester rächen will sondern auch eine Droge namens Valkyr, die ihn auf die Spur des Drogenbosses Jack Lupino (Amaury Nolasco) bringt und eine Verschwörung der pharmazeutischen Firma Aesir und seinen eigenen Reihen aufwirbelt.

Die Handlung orientiert sich am ersten Teil der Vorlage und wird besonders bei Kennern jede Menge Aha-Momente hervor rufen. So sind es nicht nur bereits erwähnte Namen oder Benennungen die sofort die Erinnerungen der Spieler wecken, auch die Umsetzung diverser Orte ähneln der Vorlage sehr. So ist ein Hafen auch auf der Leinwand mit Containern besetzt, das Ragnarok mit einem neonfarbenem Namensschild beleuchtet, der Eingangsbereich des Aesir Plaza mit hohen Decken und Wachpersonal ausgestattet und eine U-Bahn Station so umgesetzt, wie man es von dem Einführungslevel kennt.
Atmosphärisch wurde ganze Arbeit geleistet. Der ständig düstere Look des Neo-Noir Spiels wurde 1:1 auf die Leinwand übernommen. In den Außenbereichen ist es ständig am schneien oder regnen, innerhalb der Gebäude finden sich verschmierte Wände, Müll, veraltete Einrichtungen oder ganze Bruchbuden. Alles wirkt schmutzig, so wie es auch schon in der Vorlage der Fall ist, Tageslicht gibt es nur in den Rückblenden und am Ende des Films.
Ausnahmen sind hier natürlich die gut eingerichteten Büros des Aesir Gebäudes, in denen aber sehr schnell Unordnung herrscht. Denn schon wie im Spiel wird nicht mit den damals richtungsweisenden Partikeleffekten gegeizt. Während Max also aus dem Aesir Gebäude flieht oder in dieses einbricht fliegen Einzelteile des Möbiliars, Glassplitter, Staub und ganze Büroeinrichtungen in spektakulärer Form durch die Gegend.

Der Anteil an Actionszenen ist leider recht gering ausgefallen, in den ersten 45 Minuten wartet man gar ungeduldig, dass endlich mal ordentlich die Fetzen fliegen. Denn statt schroffen Geballere bietet die erste Hälfte eine sehr ruhig ausgefallene Dokumentation der Nachforschungen und Spurensuche, was so garnicht zu "Max Payne" passen mag.
Ist diese Hälfte überstanden gehts langsam aber bedächtig temporeicher zur Sache. Die allseits beliebte Bullet-Time, während der die Kugeln in Zeitlupe fliegen oder eine Szene mal vollständig angehalten wird, bietet hierbei einen wahren visuellen Genuss. Wirklich Neues wird aber nicht geboten und hat man dann schließlich den Abspann vor Augen verlangt der Magen nach mehr.

So gesehen könnte man "Max Payne" also als überdurchschnittlich gute Spieleverfilmung sehen. Denn auch an der Ausstattung und dem teils treibenden Soundtrack mangelt es nicht an Details.
Wie bei vielen Verfilmungen nach einer Vorlage wurden allerdings auch bei dieser völlig neue Aspekte hinzu gefügt, die es im Spiel nicht gab. Die geflügelten Wesen, die die Angst und den Wahnsinn der Droge Valkyre visualisieren sind somit völlig neu und wirken besonders gegen Ende völlig fehl am Platz, drosseln gar das Tempo des Finales.
Schwächen finden sich auch im Charakterdesign. Im Grunde schlängelt sich die Handlung zwar nur um den Antihelden Payne, der auch hervorragend angepasst wurde. Im Gegensatz zu diesem bleiben sämtliche Nebenfiguren allerdings blass und werden nur dann ins rechte Licht gerückt, wenn es für die Handlung notwendig ist.
Die Dialoge sind sehr platt ausgefallen und lassen insbesondere den Zynismus missen. Für Kenner des Spiels ist der Spannungsbogen gar sehr niedrig. Für Nichtkenner wiederum fällt die Handlung nicht gerade sonderlich einsteigerfreundlich aus.

Trotz anfänglicher Skepsis passt Mark Wahlberg ("Shooter", "The Happening") gut zu seiner Rolle als betrübten Rächer. Obwohl sein Gesicht die Härte missen lässt bügelt er dies mit seinen Sorgenfalten und dem Stirnrunzeln wieder zurecht. Unpassend wirken Mila Kunis sowie Olga Kurylenko, obwohl mir letztere hier besser gefallen hat als in "Ein Quantum Trost". Amaury Nolasco ("Street Kings", "Transformers") spielt den bekannten Gegenspieler Jack Lupino etwas übermotiviert. Ansonsten fallen die meisten Rollen nur minimal aus, so endet also auch Donal Logue ("Ghost Rider") leider viel zu früh als Kanonenfutter.

"Max Payne" bemüht sich seine Fans ordentlich zu bedienen, überfällt diese aber mit einer sehr langwierigen ersten Hälfte. Danach erfreuen sich diese an den vielen bekannten Schauplätzen, Figuren sowie der kurzweiligen Action. Anhänger des Film Noir finden sich sicher noch zurecht, alle anderen ziehen zwei Punkte ab. Hoffentlich wird die nachgeschobene Unrated DVD noch etwas mehr für die Spieler bieten.

6 / 10

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