Erneut versuchen ruhelose Geister ihren Frieden zu finden und schon schleicht sich der Eindruck ein, dass asiatische Vorbilder deutlich Pate standen. Der philippinische Regisseur Yam Laranas kopiert sich tatsächlich ein wenig selbst, indem er sein eigenes Remake mithilfe amerikanischer Drehbuchautoren auf den Markt schmeißt, - ob das nach dem überwiegend unbeachteten Original überhaupt Sinn macht, steht auf einem anderen Blatt.
Bobby wird gerade aus dem Knast entlassen und erhält strenge Bewährungsauflagen. Vorübergehend zieht er ins Apartment seiner kürzlich verstorbenen Mutter, beginnt einen Job als Automechaniker und versucht mit seiner Ex Alyssa neu anzubändeln. Doch in der Wohnung nimmt Bobby vermehrt unerklärliche Geräusche aus den Wänden wahr, während im Zimmer nebenan ein Typ seine Familie zu misshandeln scheint. Als Bobby Untersuchungen anstellt, gerät er rasch in den Sog übersinnlicher Phänomene…
Das philippinische Original von 2004 heißt „Sigaw“ und ist so unbekannt wie kaum ein anderer Gruselstreifen aus Asien. Allerdings benötigte auch das Remake beinahe vier Jahre, um einen deutschen Verleih zu finden, - auf die Qualität des Streifens lässt dies allerdings nicht schließen, denn auch wenn dem Genrefreund einiges bekannt vorkommt, sind die Schockmomente doch recht solide in Szene gesetzt.
Laranas setzt zu Beginn vor allem auf die unerklärlichen Geräusche in der Wohnung und klammert dabei den Score bewusst aus, so dass die Konzentration auf den Schleifgeräuschen, Flüsterstimmen und den Streitgesprächen aus der Nachbarwohnung liegt, was durchaus effektvoll ist.
Sehr gut ist auch die Ausstattung der maroden Wohnung, in der man sich eigentlich nicht länger als notwendig aufhalten möchte, was im Übrigen auf das komplette Gebäude im East Village von New York zutrifft.
Als Bobby gerade einzieht und dabei auf sehr merkwürdige Gestalten in den Fluren trifft, ist dem Genrefreund schon klar, wohin der Hase läuft. Ein alter Kerl sitzt in der Ecke und spielt Schach, eine betagte Dame reagiert erst gar nicht beim Betreten des Fahrstuhls und ein Mädchen klimpert auf einem Minipiano und lässt sich offenbar durch nichts ablenken.
Auch in der Wohnung der verstorbenen Mutter (beim Prolog hört man ihre letzten Worte, sieht aber nicht, was mit ihr geschieht) häufen sich unangenehme Funde wie abgerissene Fingernägel, ein Loch in der Wand und Blut auf den Klaviertasten.
Die Schauereffekte sind durchaus creepy inszeniert, doch allzu innovativ ist das nicht, wenn dämonische Fratzen wie aus dem Nichts in einer dunklen Ecke auftauchen oder sich morbide Erlebnisse als Alptraum herausstellen. Immerhin betreffen die übersinnlichen Erscheinungen nicht nur Bobby, sondern auch Alyssa und ein korpulenter Nachbar werden von den Dämonen heimgesucht, was natürlich für Abwechslung sorgt, wenn sich der Spuk nicht nur auf einen minimalen Schauplatz begrenzt.
Zum Showdown überschlagen sich allerdings die Ereignisse und die Geschichte endet ein wenig zu abrupt, wobei einige Fragen nicht gänzlich beantwortet werden.
Für Genrefreunde bietet „Echo“ jedoch ganz ordentliche Kost, denn die Inszenierung ist im Gesamtbild grundsolide, die darstellerischen Leistungen gehen voll in Ordnung und auch wenn der Geschichte Innovationen völlig abgehen, so vermag die eine oder andere unheimliche Erscheinung bei Laune halten.
6 von 10