"Die Mehrheit der Bevölkerung wird wahrscheinlich mit einem Blutersatzstoff zufrieden sein. Aber es wird auch immer diejenigen geben, die für den wahren Genuss etwas mehr anlegen."
Im Jahre 2019 ist ein Großteil der Erde mit Vampiren bevölkert. Um den Fortbestand ihrer Art zu sichern werden Menschen gejagt und in Blutfarmen gefangen gehalten. Doch es gibt immer weniger Menschen und das Blut neigt sich dem Ende zu. Mangels der nötigen Blutzufuhr wandeln sich immer mehr Vampire in unkontrollierbare Bestien, die für Chaos in der wohlständigen Gesellschaft sorgen.
Der Forscher und Vampir Edward Dalton (Ethan Hawke) verweigert sich dem menschlichen Blut und ist seinerseits auf der Suche nach einem Ersatzstoff. Überaschende Hilfe erhält er von den menschlichen Überlebenden Elvis Cormac (Willem Dafoe) und Audrey Bennett (Claudia Karvan). Diese bieten ihm zwar keinen Ersatzstoff, jedoch die Möglichkeit zur Umwandlung eines Vampirs in einen Menschen. Die Prozedur dafür, in der ein Vampir kontrolliert dem Sonnenlicht ausgesetzt wird, ist jedoch noch im Forschungsstadium. Und da sich Edward mit Menschen eingelassen hat, wird er ebenso wie diese gejagt.
Von Richard Matheson's Roman Ich bin Legende einmal abgesehen waren Vampire bislang in sämtlichen Erzählungen über diese und im Vergleich zum Menschen in der Unterzahl. In "Daybreakers" stellen Vampire die Mehrheit dar, die Menschen sind unscheinbar und leben im Verborgenen. Da sich die Bevölkerungszahl des Menschen ihrem Genozid nähert, sehen sich im Endeffekt beide Zivilisationsgruppen mit ihrer Auslöschung konfrontiert. Denn die Vorherrschende ist von der Unterdrückten abhängig. Nahrungsengpass ist nur eines der kontrovers diskutierten Themen im komplexen Szenario der Action-Horror-Drama Mischung.
"Daybreakers" zeigt einen modernen Vampir, der im Prinzip den modernen Mensch eins zu eins ersetzt hat. Er lebt in unseren einstmaligen Metropolen und Städten, trägt keinen schwarzen Umhang und auch kein Leichenhemd, sondern Anzug und Krawatte. Für seine ruhige Einbindung in die Gesellschaft benötigt er Blut, so wie es der Mythos verlangt. Erhält er dies über längere Zeit nicht, verfällt er seinen aggressiven Trieben.
Hier setzt "Daybreakers" für seine kritischen Elemente einer Gesellschaft aus Vampiren an, die auf den Menschen übertragbar sind. Was passiert, wenn lebenswichtige Ressourcen ausgelaugt sind? Der Film will solche und ähnliche Fragen nicht beantworten, benutzt sie aber für sein futuristisch, endzeitliches Szenario.
Die Vampirgesellschaft in "Daybreakers" ist somit ein Spiegelbild der unseren und der Film selbst funktioniert nicht nur als modernisierte, originelle Variante des Vampirmythos, sondern auch als gesellschaftskritische Allegorie auf globale Bedrohungen.
Anhänger des puristischen Horrorfilms könnten nun vielleicht skeptisch werden und eine zu hohe Konzentration Sozialkritik in "Daybreakers" wittern. Der Film enthält aber neben der intelligenten Handlung auch Action- und Horrorszenen die insbesondere gegen Ende recht hohe Gewaltspitzen erreichen. So gibt es neben massig Blut auch wuchtige Szenen mit abgetrennten oder gar platzenden Köpfen zu sehen.
Für die Darstellung dieser drastischen Szenen sowie der überwiegend in kalten Farben gehaltenen Umgebung wurden häufig digitale Effekte eingefügt, die optisch und technisch auf hohem Niveau liegen. Eine angenehme Steigerung der Atmosphäre erreicht der dazu laufende ruhige Soundtrack, mit seinen düsteren Klängen.
Obwohl "Daybreakers" sich sichtbar Mühe gibt seinen Figuren ein wenig Tiefe zu verleihen, gelingt dies nicht immer ohne plötzlich aufkeimende Klischees. Auch die Erzählweise offenbart zu sehr den Verlass auf altbewährte Elemente, die schließlich einen Einbruch des innovativem Materials in der Mitte des Films verursacht. Ein wenig enttäuschend ist ebenso der unausgereifte und offene Schluss, der Fragen im Raum stehen lässt.
Durch einige bekannte Namen überascht "Daybreakers" mit einer gelungenen Starbesetzung. Willem Dafoe ("Platoon", "Spider-Man"-Reihe), Sam Neill ("Jurassic Park", "Event Horizon") sowie Ethan Hawke ("Lord of War") präsentieren eine angenehm professionelle Darstellung ihrer Figuren. In Erinnerung bleibt jedoch einzig letzterer, der durch seine wechselhafte Rolle die meiste Zeit zugesprochen bekommt. Claudia Karvan dagegen verblasst mangels Szenen zur Nebensächlichkeit.
In kaum 90 Minuten gelingt "Daybreakers" die Erschaffung eines komplexen Szenarios, das visuell beeindruckend umgesetzt wurde, aber nur überschaubaren Raum zur charakterlichen Entfaltung bietet. Die namhafte Besetzung macht ihre Sache ordentlich, wird in der Übervorteilung kontrastreicher Bilder allerdings nicht übermäßig gefordert. Kritik muss sich der Film am ehesten durch seine altbackene Erzählweise und den unzufriedenstellenden Schluss gefallen lassen, obwohl der Vampir-Mythos mit diesem Werk eine sehenswerte Variante erhält.
7 / 10