Und noch eine Filmvariante zum Thema Vampire, diesmal: die Weiterentwicklung einer Idee aus der "Blade"-Reihe.
Was wäre denn, wenn die Vampire nicht etabliert unter uns wohnen würden, vorsichtig die Gesellschaft kontrollierend und mit ihren eigenen Zerwürfnissen hadernd, sondern längst in ihrem Blutdurst die Menschenwelt leergesoffen hätten.
Jetzt sind die letzten Menschen in der Minderzahl, das Blut wird knapp und als verdünnte Leckerei an Imbißbuden feilgeboten bzw. rationiert. Da müssen also Alternativen her - am besten natürlich künstliches Blut, damit läßt sich der ärgste Hunger vielleicht stillen. Ggf. explodiert einem davon aber auch der Kopf.
Das Schönste an "Daybreakers" ist sicherlich diese Prämisse, diese Ausgangsposition, dazu vielleicht noch die recht gute Besetzung, dann hörts aber auch schon auf mit der Innovationswut. Stattdessen darf man einem trübsinnig-demotivierten Ethan Hawke beim erfolglosen Forschen und dann beim dauerhaften Wegrennen zusehen; Sam Neill übt derweil bemüht am eiskalten Konzernboss und Willem Dafoe spielt den knochenharten Ex-Sauger, dem ein Sonnenlichtunfall den Blutdurst ausgebrannt hat. Das Trio genügt schon, um den weiteren Kurs vorzugeben.
"Daybreakers" hätte, und das kann man ruhig mal sagen, auf einer viel größeren Skala spielen können, Vampirismus und die Folgen als globales Problem, die Verteidigung der Restmenschheit, die Suche nach einer Therapie, die Annäherung der Rassen, das alles ist substanziell wertvoll, wird hier aber in einem Film kurzfristig verheizt, als hätte man eine eigentlich wesentlich bessere TV-Mini-Serie auf ein abendfüllendes Kurzformat eingedampft.
Viel Budget war nicht da, also müssen die gleichen Schauplätze immer wieder herhalten, darf ein staatstreuer Militär (zufällig Hawkes Bruder) die Zuschauer mit vorhersehbarem Verrat nerven, darf eine weibliche Nebenfigur wirkungslos Hormone anheizen und dann wird in einem alten Weinbottich doch tatsächlich der Keim des Vampirismus ausgetrieben.
Nein, dieser Film der Spierig-Brüder laboriert nicht an akuter Billigkeit, er ist auch keine computergenerierte nahe Zukunftswelt total und genau deshalb wirkt das alles so unausgegoren und schnelllebig. Der Plot tritt wegen Offensichtlichkeit mehrfach auf der Stelle und nur manche Passagen, etwa wenn der Konzernchef seine eigene Tochter der Politik und dem "Keim" opfert, kommt ein Hauch Beklemmung auf. Hawke hat außer Müdigkeit wenig beizusteuern, Dafoe macht auf viril und Neill auf unterkühlt, aber Funken lassen sich daraus nicht schlagen, höchstens aus ein paar netten Methoden, der Sonne und ihrer tödlichen Wirkung zu entgehen.
Am Ende greift man zum viralen Kniff und splattert sich noch einen großen Haufen Matsch zusammen, vermeidet aber den Selbstzweck, nur überzeugen kann man damit zu dem Zeitpunkt niemanden mehr. In den Staaten lief der Film recht erfolgreich im Kino, hierzulande rätselte der Verleih so lange herum, wo denn da die Zielgruppe wäre, außer vor den Regalen der Videothek, bis man sich die Mühe der großen Säle gar nicht mehr machte. Und es stimmt, "Daybreakers" ist ein netter, recht passabler Film geworden, doch Aufsehen kann man mit dieser Story nicht mehr erregen, dafür fehlen ikonenhafte Figuren wie von Wesley Snipes dargestellt. Und anstatt die Geschichte wirklich in die Breite zu ziehen, um wenigstens Charaktere zu präsentieren, wird hier alles schnell und kompakt serviert.
Ein Burgerhappen, nicht von der Aushilfe belegt, sondern von einem gelernten Systemgastronomen. Nährwert bleibt gleich. (5/10)