Rache wird am besten schwarz serviert
„Tales From The Hood“ erzählt vier(einhalb) Gruselgeschichten aus der schwarzen Gesellschaft der USA - und arbeitet sich dabei konsequent und nachhaltig an Themen wie Polizeigewalt, häuslicher Gewalt und Gangkriminalität ab. Und dabei gibt es nicht nur im verstörenden letzten Kapitel Bilder, die man nicht leicht vergessen wird. Und trotz dieser großartigen, alles unterwandernden Ernsthaftigkeit kommen dennoch Spaß und Spukfeeling durch absurde Kniffe und Übersteigerungen nicht zu kurz. „Tales From The Hood“ rockt, ist auch 2020 noch der perfekte Halloweenwatch und wir mussten viel zu lange auf (dann auch noch wenig würdige!) Fortsetzungen und seine eigene, endgültige Würdigung warten!
WELCOME TO MY MORTUARY
7,5/10
Für drei Gangmitglieder auf der Suche nach ihren Drogen ein charismatisch geführter Rundgang durch die Hallen eines Bestattungsunternehmens - samt bösem Erwachen...
Eine tolle, sehr passende und sich homogen einfügende Rahmenhandlung. Humor, Horror, Gesellschaftskritik. Alles schon hier auf dem Tisch. Und mit Clarence Williams III einen der besten Gastgeber und „Cryptkeeper“, den man sich vorstellen kann. Plus das Ende... vorhergesehen und doch geflasht?! Hammer. Dennoch eben nur ein Rahmen und nie viel mehr.
ROGUE COP REVELATION
9/10
Ein schwarzer Cop wird Zeuge von extremer, tödlicher Polizeigewalt gegen einen starken Sprecher der Black Community...
Starker Beginn. Thema mehr als aktuell, akut, ätzend (dass es noch existiert). Mit tollen Kills und genüsslicher Rache. Man sieht hier auch schon deutlich den allgegenwärtigen schwarzen (no pun intended) Humor, die enorme Kreativität, die gelungene Härte und die überraschend hohe Wertigkeit. Einfach famos. Krachender Beginn. Das macht Laune.
BOYS DO GET BRUISED
8/10
Ein kleiner schwarzer Junge kommt mit blauen Flecken zur Schule - und erzählt seinem Lehrer etwas von einem brutalen Monster zuhause, das ihm diese verpasst...
Hartes, zu Herzen gehendes Thema. Spielerisch und bravurös gelöst. Der Regisseur selbst in einer wichtigen Rolle. Zeit gut genutzt, würde ich sagen. Selbst wenn man den entscheidenden, knochenbrechenden Kill noch böser und krachender hätte gestalten können. Dennoch sehr befriedigend.
KKK COMEUPPANCE
8/10
Ein gewiefter, ekelhafter, weißer Politiker (der optisch erstaunlich an den aktuellen PotUS erinnert!) macht es sich in einer Villa gemütlich, die einst etlichen schwarzen Sklaven das Leben gekostet hat - und diese nehmen nun in Puppengestalt Rache...
Erinnert an Killerdolls wie Chucky oder dieses Voodoo-Ding aus „Trilogy of Terror“. Nur eben mit einem schrecklichen Hintergrund, den man trotz allem vordergründigen Spaß und Lachen nie ganz abstreifen und verdrängen kann/darf. Wirkt nach.
HARD-CORE CONVERT
9,5/10
Nach einer Bandenschiesserei kommt eines der Opfer in eine höllische Mischung aus Psychatrie und Umerziehungslager - inklusive Rückblick auf Jahrhunderte voller (oft auch systematischer) Gewalt gegen Amerikas schwarze Bevölkerung...
Grandioser Bogen zur Rahmenhandlung. Dazu ein weiteres Thema, das die USA einfach nicht in den Griff kriegt. Oder kriegen will. Zudem die realen Bilder der Grausamkeiten an Afroamerikanern über die Jahrzehnte - von etlichen Erhängungen über Verbrennungen bis zu den grinsenden Gesichtern der KKK-Mitglieder und weißen Mitwisser, Zugucker, Billiger. Und das ist und bleibt ein Horror, der jeden Kultfilm, jede erdachte Geschichte, jede Fernsehfurcht, jede Halloweenparty weit, weit überschattet...
Fazit: eine der gesellschaftskritischsten, (im doppelten Sinne) schwärzesten, besten Horroranthologien aller Zeiten. Verbindet ernste Themen perfekt mit Horrorfun. Einfach nur verdammt stark. Geht nahtlos an die Nieren und in's Zwerchfell. „Tales From The Hood“ ist ein wichtiger und (leider) noch immer akuter Gourmetghettogoodie!