Review

Von Kim Basinger hatte man in den letzten Jahren nicht viel gehört, „While She Was Out“ wurde als DVD-Premiere in den Regalen versteckt – angesichts des Films kein Wunder.
Schon der Anfang ist bestenfalls großes Trash-Tennis, wenn Kenneth Myers (Craig Sheffer) heimkommt und in der Bude mehr Kinderspielzeug rumliegt, als jemals in zwei Kinderzimmer passen würden. Ehefrau Della (Kim Basinger) sieht aus wie nach zwei Tagen Vollsuff und betont, sie und die Kinder würden schon alles tun, um gegen das Chaos anzukommen. Scheinbar können sie also nichts und wer jetzt denkt, Della sei wegen eines Traumas nicht mehr aufräumfähig und sehe so gestresst aus: Pustekuchen. So ist halt das harte Leben der nicht-arbeitenden Ehefrauen der Schwerreichen.
Zwecks Weihnachtseinkauf verlässt Della das eingezäunte Wohnareal, fährt zum Einkaufszentrum in die große böse Welt. Sie trifft eine oberflächliche Freundin von früher, ihre Kreditkarte funktioniert nicht, sie macht einen Zettel an die Windschutzscheibe eines Autos, das zwei Parkplätze belegt usw. Satirische Alltagsbetrachtung á la „Falling Down“? Nö, denn erstens nicht witzig und zweitens nur dazu da den Film mit einer überlangen Exposition auf rund 82 Minuten zu strecken, was schon einiges aussagt.

Blöd nur, dass der Wagen einer Jugendgang gehört, die vorher nie zu sehen waren, das Zettelanbringen aber wohl doch beobachtet haben und Della nun schlimme Dinge antun wollen. Ein Wachmann kommt hinzu, wird natürlich erschossen, Della flieht und hat die Gang am Hals…
Putzig ist auch die Zusammensetzung der Jugendgang: Der weiße Gangleader Chuckie (Lukas Haas), dazu ein Schwarzer, ein Asiate und ein Latino. Ist das Rassismus, da die randalierenden Minderheiten einen White Trash Anführer brauchen, oder fehlgeleitete political correctness, um zu zeigen, dass Jugendgewalt ein Phänomen ist, das alle Ethnien betrifft? Vermutlich weder noch, denn all das würde Nachdenken bei Regisseurin und Drehbuchautorin Susan Montford voraussetzen, aber an „While She Was Out“ ist einfach nichts auch nur eine Sekunde durchdacht, wie man bereits an den aufgemachten Fässern während der Exposition sieht, ohne dass irgendeiner dieser Stränge wirklich von Belang wäre.
Nach kurzer Flucht via Auto wird das Werk zur langatmigen und langweiligen Hatz im Wald, voller Logik- und Anschlussfehler. Nicht nur verändert sich der Abstand zwischen Gejagter und Jägern von Szene zu Szene, nein, scheinbar ist der Wald kreisförmig angelegt, damit man immer wieder aufeinandertrifft. Spannung kommt bei dem monotonen Gehetze durchs Gehölz jedenfalls nicht auf, stattdessen möchte man sich ob der logischen Brüche eigentlich nur in einer Tour an den Kopf packen. Den Wachmann erledigen die fiesen Jungs zügig, nur bei Della lassen sie sich wiederholt genug Zeit, damit sie abhauen kann, Della selbst ist wahlweise ein komplett nutzloses Psychowrack, von einer Sekunde auf die andere dann ultramutig. So geht es dann hin und her, bis Della irgendwann mit Schraubenzieher und anderem Werkzeug Gewaltakte begeht, die selbst ein kräftiger Mensch schwer hinkriegen würde. Soviel Idiotie ist kaum vorstellbar, dabei hätte man dem Script ja noch verziehen, dass die bösen Jungs beim Schießen einen See noch nicht mal dann treffen würden, wenn sie auf dem Grund ständen.

Die Dialoge fügen sich ins Nullniveau ein, besonderes Highlight der Inkompetenz sicherlich der viel zu lange Monolog (man muss ja Zeit schinden) des Gangleaders, der aus Aktivitäten in Dellas Terminkalender, z.B. Pilates und Mechanikkurse, erkennen will, dass sie ein Killertyp ist – und damit auch noch recht hat. *SPOILER* Von kaum zu überbietender Blödheit ist dann die Pseudoverführungsszene, deren Ende jeder – abgesehen von dem Volldeppenschurken – absehen kann. Muttis Heimkehr dauert dann wieder viel zu lang (man muss ja Zeit schinden) und die Abschlusspointe mit dem Ehemann facht dann die lächerlichen Rachephantasien geknechteter Hausmütter an. *SPOILER ENDE*
Verwundernswert ist bloß, dass dieser C-Dreck mit B-Budget mit A-Darstellern besetzt ist, doch Kim Basinger und Craig Sheffer liefern hier Schmierentheater übelster Kajüte ab. Craig Sheffer grimassiert in seinen wenigen Szenen am Rande der Selbstparodie, Kim Basinger overactet dermaßen als sei ihr seit dem 97er Oscargewinn alles egal. Lukas Haas, hoffnungsvoller Nachwuchsdarsteller von einst, verschafft seiner Figur dagegen noch ein Minimum an Charisma – so einseitig und platt die Rolle auch angelegt sein mag.

„While She Was Out“ ist Susan Montfords erster Film – hoffentlich bleibt es auch ihr letzter, denn dermaßen lausige, völlig indiskutable Schreibe erschüttert mit ihrer Idiotie und dem vollkommenen Fehlen von Dramaturgie echt den härtesten B-Fan. Optisch ist „While She Was Out“ OK anzusehen, die Schauspielerführung ist absolut katastrophal – ein ganz, ganz übler Rohrkrepierer.

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