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Interview mit einem Vampir basiert auf dem gleichnamigen Roman von Anne Rice. Ich habe leider das Buch nicht gelesen, von daher wird meine Filmkritik keineswegs durch einen Abgleich zwischen Film und Buch beeinflusst sondern bezieht sich ausschließlich auf den Film als solchen. Der Film stellt zum größten Teil tatsächlich ein Interview dar, in dem einem Reporter (Christian Slater) vom melancholischen Vampirahnen Louis (durch und durch faszinierend: Brad Pitt) dessen gesamte Lebens- und Leidensgeschichte ausgelegt wird. Dabei wird auch Pitts Stimme als Erzähler verwendet.

Es beginnt in der neuen Welt vor ein paar Jahrhunderten. Nach dem Tod von Louis Frau findet dieser nichts mehr am Leben. Sein auffälliges, von Todessehnsucht geprägtes Verhalten lockt den Vampir Lestat (fehlbesetzt und doch in Ordnung: Tom Cruise) auf den Plan – er macht Louis zu einem der Seinen und zieht nun zusammen mit ihm durch die Nacht. Doch Louis sträubt sich gegen sein neues Dasein, obgleich es ihm so viele Kräfte schenkt – er ist der Jagd nach Blut abgeneigt. Und diese Abneigung ist es, die ihn schließlich von Lestat spaltet, der sich nicht nur mit dem Trinken von Blut abgefunden hat, sondern es durch und durch genießt. Später gesellt sich ein kleines Kind in die Runde der beiden dazu, da Lestat dem weiterhin unglücklichen Louis eine Art Familie schenken möchte. Doch damit fangen die richtigen Probleme erst an, und Louis ist gezwungen, nach Europa zu fliehen...

Das Erzählstück, was zu guter Letzt erst in der Gegenwart ein Ende findet, glänzt in jeder Hinsicht. Zunächst wären da die Schauspieler (Pitt, Cruise, Banderas, Dunst), denen Vampirrollen meiner Meinung nach definitiv nicht auf den Leib geschneidert sind, doch ihre Sache wirklich in theatralischer Qualität ablegen. Sogar ein Tom Cruise kann als feister Verführer von Mensch und Vampir überzeugen, während Heulsuse Pitt den ständig vor sich hin leidenden Louis glaubwürdig wiedergibt. Wie auch in vielen anderen Filmen dieses Genres wird auch hier nicht im Detail auf eine Entstehungsgeschichte der Nachtschwärmer eingegangen, doch umso mehr auf ihre Kräfte, Schwächen, Eigenschaften, Gebräuche und Vorlieben, ohne dass der individuelle Charakter des Einzelnen unter den Tisch fällt. Im gleichen Maße an Detailverliebtheit sind die Bauten, Kostüme und Schauplätze ausgearbeitet worden, und die klassische, mitreißende Musik begleitet dem Film stets im passendsten Sinne. Das Drehbuch spiegelt sein meisterliches Können in den epischen, kunstvollen Dialogen wieder, in denen die Vampire kommunizieren – so liegt der Stellenwert von Action und Spannung weit hinter dem von Atmosphäre, lyrischem Anspruch und dem des Dramas. Zusammen kommt unter der Regie von Neil Jordan ein einfühlsames, exzellent gespieltes Vampirdrama daher, was der Vorlage definitiv nur gerecht werden kann. Zudem wird zum richtigen Zeitpunkt, nämlich gegen Ende auch der dringend nötige, augenzwinkernde Humor eingestreut, der dafür sorgt, die Kost einfacher verdauen zu können.

In Summe ein über Vampire allgemeinbildendes Werk, was jeder, der sich für das Thema interessiert, auf jeden Fall kennen sollte.

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