Review

1962 kam mit dem Film „James Bond jagt Dr.No“ ein Film in die Kinos, der der Auftakt für die größte und erfolgreichste Filmreihe aller Zeiten werden sollte. Basierend auf den Agentenromanen des englischen Autoren Ian Flemming, verkörperte der junge, unbekannte Darsteller Sean Connery einen Geheimagenten des britischen MI6 mit der Lizenz zum töten. Aus „James Bond“ sollte ein einzigartiges Symbol der Popkultur und Synonym für hochspektakuläre, aufregende Filme werden.

Die Handlung von „James Bond jagt Dr. No“:
Als der örtliche britische Agent Strangways auf Jamaica getötet wird, soll James Bond den Fall aufklären. Die Spur führt zu dem mysteriösen Dr. No, der von einer entlegenen Insel aus einen Störsender betreibt. Doch schnell gerät Bond selbst ins Fadenkreuz verschiedener Assassinen. Nur eine Infiltration von No´s Basis kann Licht ins Dunkel bringen…

In einer Zeit, in der die Film- und Fernsehwelt von Western , Abenteuerfilmen und Krimis beherrscht war, sorgte eine Handlung wie die „Dr. No“s natürlich für Aufsehen. Erstmals präsentiert dieser Film jene unwiderstehliche Mischung, für die die Reihe so beliebt werden sollte: brisante Polithandlung im Kalten Krieg, größenwahnsinnige Bösewichter, exotische Schauplätze, spektakuläre Action und schöne Frauen.

„Dr. No“ bietet all diese Elemente, aber im Vergleich zu den meisten Nachfolgern in bodenständigerer und ruhigerer Form. Die erste Hälfte wirkt denn auch mehr wie ein Detektivfilm, als ein Agentenfilm. Dennoch wird von Anfang an gekonnt Spannung aufgebaut, niemandem kann Bond trauen, überall lauern Gefahren. Der Schauplatz Jamaica wird vergleichsweise unauffällig gezeigt, die Örtlichkeiten könnten auch auf irgendeiner anderen Insel der Karibik sein. Geboten wird eine recht schlüssige Ermittlungsarbeit Bonds, vermischt mit ein wenig Geflirte und gelegentlichen Actionszenen. Letztere fallen relativ zahm aus, außer einigen Schlägereien gibt es nur eine Autoverfolgungsjagd, die unter ihren antiquierten Rückprojektionstricks leidet. Auffällig ist dabei der recht hohe Härtegrad des Films, der in den Nachfolgern zugunsten von mehr Gags wieder zurückgefahren wurde. Witzchen beziehungsweise die trockenen Kommentare Bonds gibt es hier kaum, dementsprechend ernsthafter und realistischer ist die Stimmung von „Dr. No“. Sean Connery bietet eine astreine Leistung und ist einfach cool, so komisch das auch klingt.

Gerade als die Handlung so langsam droht, auf der Stelle zu treten, beginnt rechtzeitig der mit Spannung erwartete Ausflug nach Crab Key, No´s geheimnisvoller Insel. Hier gibt es dann auch die wohl berühmteste Bikiniszene der Filmgeschichte, und noch heute ist Ursula Andress´ Auftritt ein wahrer Augenöffner. Obwohl die Neugier des Betrachters, was auf der Insel vor sich geht, ungebrochen ist (Dr. No hat man bis dahin nur mit seiner Stimme gehört), zeigen sich nun denn doch einige Probleme, die schlicht auf das Alter des Films zurückzuführen sind. Das beginnt mit dem lachhaften „Drachen“, vor dem sich alle fürchten und endet bei den Kampfanzügen von No´s Truppen, die direkt aus einem trashigen Sci-Fi-Streifen stammen könnten. Hier hat der Zahn der Zeit einfach an „Dr. No“ genagt, der Spannung tut dies aber kaum einen Abbruch. Denn nun wird ein weiteres typisches Bond-Filmelement eingeführt, nämlich Small-Talk mit dem Bösewicht im Angesicht des Todes. Der Charakter des Dr. No hat dabei einen interessanten Hintergrund und wird sehr charismatisch dargestellt, hätte aber etwas mehr Szenen verdient gehabt. Hier wurde etwas an Potential verschenkt. Andererseits klingt sein Plan weitaus glaubwürdiger und „seriöser“ als vieles von dem, was seine Nachfolger vorhaben.

Bonds finaler undercover-Einsatz in No´s Basis bietet gekonntes Spannungskino, wobei wieder mehr Wert auf thrill als auf Action gesetzt wird. Dies passt konsequent zum ganzen Film. Demzufolge kann man „Dr.No“ nicht als typischen Bond-Film bewerten, da hier eben die Prioritäten noch anders liegen.
Die musikalische Untermalung klingt liebenswert altmodisch und wird vom legendären James Bond-Thema angeführt. Allenfalls für die veralteten Spezialeffekte und einige unfreiwillig komische Handlungselemente könnte man diesem Film Punktabzüge geben, als Fan der Serie muss man das aber sicher nicht. Ansonsten ist dies der mehr als gelungene Startschuß der Agentenfilmreihe, der in keiner guten DVD-Sammlung fehlen sollte.
9.5/10

Details
Ähnliche Filme