Review

„James Bond jagt Dr. No“ bildet den Auftakt der legendären Reihe, doch man kann froh sein, dass nach diesem mäßigen Erstling so eine Erfolgsgeschichte begann.
Immerhin kommt das typische Blondflair trotz fehlender Pre-Credit-Sequenz und eines für Bondverhältnisse unauffälligen Vorspanns schnell auf: James Bond (Sean Connery) zockt meisterhaft im Casino, schleppt die Mädels ohne große Anstrengung ab, flirtet mit Moneypenny usw. Zudem wird ihm hier seine spätere Standardwaffe, die Walther PPK, vom Chef verordnet, da merkt man, wie konsequent die Reihe fortgesetzt wurde.
Die erste Mission verschlägt die legendäre Doppelnull nach Jamaika, wo man amerikanische Geheimdienstler liquidiert. James schnüffelt etwas auf der Insel herum, bekommt bereits Probleme mit dem erstbesten Attentäter, lernt aber dafür auch seinen späteren Kumpel Felix Leiter (Jack Lord) kennen. Auch das sind Standards für die späteren Filme, hier noch etwas ungeschliffen, aber das Feintuning bekamen die nächsten Filme ziemlich zügig hin.

James’ Ermittlungen fördern schnell ein wichtiges Detail zutage: Die Liquidierung des Verbindungsmannes in Jamaika muss mit der Insel des geheimnisvollen Dr. No (Joseph Wiseman) in Verbindung stehen. Doch was plant der Mann bloß?
„Dr. No“ ist ein ziemlich ungeschliffener Bond, wobei vor allem die Story wenig komplex daherkommt. Man erfährt sehr früh, wer der Bösewicht ist (mal ganz abgesehen davon, dass er im Titel genannt wird) und große Überraschungen bietet die Geschichte auch sonst nicht. Das hat man in späteren Bondfilmen schon besser gesehen, aber immerhin spult Terence Young seinen nicht gerade meisterlichen Plot ohne allzu große Längen runter, sodass man „Dr. No“ auch nicht als Langweiler bezeichnen kann.
Die Action fällt hier noch etwas mager aus, viele Szenen (Bonds Kampf gegen den Chauffeur-Attentäter, der Drachenpanzer) sind aber trotzdem überraschend spektakulär geraten. Lediglich der Endkampf ist eine absolute Enttäuschung: Zwei, drei Faustschläge und das war’s mit dem Superschurken, das grenzt bei 007 schon glatt an Arbeitsverweigerung. Doch sonst ist die Action trotz des fortgeschrittenen Alters immer noch nett anzusehen.

Im Bereich Schauplatz kann „Dr. No“ mit schicken Jamaika-Aufnahmen glänzen, doch sonst zeichnen sich jedoch einige Schwächen ab. Dr. No ist ein charismatischer Fiesling, aber ist nur in der letzten halben Stunde zu sehen und hat nicht sonderlich viel zu tun, Bondgirl Honey Ryder (Ursula Andress) darf zwar in der legendären Szene aus den Fluten steigen, bleibt jedoch sonst fad und uninteressant (selbst ihre Rettung geht dem Zuschauer am Arsch vorbei, ihre Erzählungen über ihre Vergangenheit natürlich noch mehr). Nach Logik fragt man auch besser nicht: Gegen Ende rennt James unbehelligt durch die Fieslingsbasis, obwohl er für deren baldige Zerstörung verantwortlich ist (als ob sich keiner dafür rächen wolle) und findet trotz Unmengen panischer Fliehender noch ein Boot, in dem nur ein Scherge rumdümpelt. Zudem mangelt es „Dr. No“ an Humor; die wenigen Sprüche wirken nicht allzu pointiert.
Sean Connery legt dafür aber einen ziemlich guten Einstieg als legendäre Doppelnull hin, denn er spielt Bond mit extrem viel Charme. Joseph Wiseman kann trotz wenig Screentime Akzente setzen und Jack Lord schlägt sich wacker als erster Felix Leiter der Bondserie. Ursula Andress hingegen bleibt reichlich blass.

Nostalgiewert hin oder her: „Dr. No“ mag zwar die Bondreihe begründet haben, doch Mittelmaß ist er trotzdem. Die Schauwerte (Spinne im Schlafzimmer, Attentatsversuche) und Kulissen stimmen, doch Lässigkeit und Spannung anderer Bondfilme vermisst man schmerzhaft, da hilft auch keine verklärende Augenwischerei. Dabei erwiesen sich die direkten Nachfolger „Liebesgrüße aus Moskau“ und „Goldfinger“ als die besten Connery-Bonds.

Details
Ähnliche Filme