Natürlich ist der in die Jahre gekommene erste James Bond-Kinofilm nicht mit den späteren vergleichbar – zu schlicht und zu unspektakulär kommt das Movie daher.
Nichtsdestotrotz werden hier schon die typischen Akzente gesetzt, die in der bisher über Jahrzehnte andauernden Serie immer wieder vorkommen.
Um sich mit einem Review diesem „Pionier-Bondfilm“ zu nähern, heißt auch, mit zweierlei Maß messen: dem nostalgischen und dem nüchternen.
Ja, der Film ist das Fundament einer gigantischen Agentenserie, von der man sicherlich in 100 Jahren noch sprechen wird.
Ja, der Film ist sehr dialoglastig und für heutige Verhältnisse langatmig und spannungsarm.
Ja, Sean Connery verkörpert hier den Agenten kaltblütig und kaltschnäuzig, so wie ihn Fleming in der literarischen Vorlage sich vorstellte.
Nein, ich kann den Erstling aus dem Jahre 1962 nicht jedem Bondfan empfehlen. Schon mir, der mit den Roger Moore-Filmen aufgewachsen ist, gelingt es nicht, den Ur-Bond der Filmreihe als „Rohdiamanten“ zu sehen.
Aktuell habe ich ihn gerade angeschaut und beurteile ihm mal nach dem heutigen (nüchternen) Maß ohne die hippe Rosa-Brille aus den 1960er-Jahren.
Der Streifen ist im Vergleich zum Nachfolger „Liebesgrüße aus Moskau“ zu unaufgeregt und zu simpel.
Die wenigen Schießereien erinnern mich in ihrer unprofessionellen Performance an manche Szenen aus „Western von gestern“.
Über den schlichten „Karnevalswagen“ (das „furchterregende“ Drachen-Fahrzeug auf Dr. Nos Insel) hänge ich wohlwollend den Mantel des Schweigens.
Ja, hier wurden viele Wurzeln gelegt, deren Blüten aber erst in den Nachfolge-Filmen so richtig zu Geltung gekommen sind.
Fazit: Für manchen Zuschauer von heute ist der Film eventuell eine nostalgische „Kasperl-Show“, für den Filmfan von damals ist „James Bond jagt Dr. No“ ein unvergesslicher „ungeschliffener Rohdiamant“ unter den Agentenfilm-Klassikern.
Entscheiden muss der Zuschauer selbst