Wer auf intelligente Dramen mit komplex verschachtelten Geschichten mit langen Einstellungen, tollen Landschaften und Kamerafahrten und guten Schauspielern steht ist hier richtig am Platz. Das inhaltsreiche, fast übervolle Drama AUF BRENNENDER ERDE (in engl. THE BURNING PLAIN) trägt 3 zunächst voneinander in Inhalt, Raum und Zeit unabhängig erscheinende Geschichten vor:
1) Eine frustrierte Ehefrau (Kim Basinger) die eine Affäre beginnt, zudem beginnt Ihre Tochter eine Beziehung mit dem Sohn ihres Liebhabers....
2) eine Restaurantleiterin (Charlize Theron) die auf der Suche nach Glück einen Liebhaber nach dem anderen hat....
3) ein alleinerziehender Vater einer Tochter als Pilot für Insektengiftversprühung per Flugzeug verunglückt....
Das hört sich alles zunächst einmal sehr zusammenhangslos an. Zudem fängt der Film mit einem brennenden Wohnwagen an und man kann das Geschehen erst einmal nicht einordnen. Gegen Mitte des Films wird der Zusammenhang zwischen 2) und 3) relativ klar, der Zusammenhang zwischen 2) und 1) kommt jedoch nach ca. 2/3 des Films wie ein Story-Twist Hammer um die Ecke. Die genauen Zusammenhänge sollen hier nicht verraten werden um das Seherlebnis und die Spannung zu erhalten. Die Kritik würde auch viel zu lang werden. Diese Zusammenhänge und das Einfügen in einen konsistenten Storybogen werden stimmig vorgetragen.
Die Hauptthemen über alle Storyteile sind Liebe, Vertrauen und Schuld und wie die jeweiligen Personen damit über lange Zeiträume umgehen und letztlich doch nicht Ihrer Prägung oder Erlebnissen entfliehen können. Drei Schauspielerinnen tragen den Film auf ungeahnte Höhen. Charlize Theron spielt hier für mich die Rolle ihres bisherigen Lebens, noch intensiver als in MONSTER (2003) mit unglaublicher Intensität die extrem unter die Haut geht.
Weniger vordergründig brachial als in MONSTER betont sie hier die feinen Töne, welche sehr authentisch vorgetragen einem nicht mehr den Blick von ihr abwenden lassen. Kim Basinger als betrügende Ehefrau agiert auch hervorragend und so präsent wie seit vielen Jahren nicht mehr. Eine grosse Überraschung ist auch Jennifer Lawrence (zuletzt überzeugend in X-MEN (2011) und DER BIBER) als Tochter von Kim Basinger die unglaublich reif und erwachsen alle Mitwirkenden in ihrem Story-Stream an die Wand spielt.
Auf der abwertenden Seite ist die unglaubliche Ernsthaftigkeit des Films zu nennen die schon fast übertrieben zu nennen ist. Der Film tropft vor Pathos und jeder Winkel der Reaktion der Beteiligten scheint unbedingt mehrfach erklärt werden zu müssen und wirkt wie ein enges Drehbuch Korsett dem kaum zu entrinnen ist. Dennoch überwiegen die positiven Seiten der hochwertigen Bilder, guten schauspielerischen Leistungen und vorhandenen inhaltlichen Kompromisslosigkeiten um AUF BRENNENDER ERDE für Freunde hochwertiger Dramen fast vorbehaltslos empfehlen zu können.
7/10