Nun ja: Regisseur Paul Verhoeven ist nicht gerade ein Kind von Traurigkeit - wahrscheinlich sind deswegen Filme wie "Robocop", "Total Recall", "Basic Instinct" und "Starship Troopers" heute moderne Klassiker des Popcorn- und Blockbuster-Kinos der etwas härteren Sorte.
Große Arnie-Actionvehikel haben größtenteils (ausgenommen "T2") eines gemein: sie sind nicht "übertrieben intellektuell", aber trotzdem äußerst kurzweilig. So hatte "Predator" keine sonderlich originelle und anspruchsvolle Story und auch "Running Man" war keine wirklich philosophisch motivierte Kunstfilm-Produktion. Auch "Total Recall" ist kein intellektueller Actionkracher geworden.
Das wundert insoweit, als dass uns Skandalregisseur Verhoeven uns mit "Robocop" eine hintergründige Medien- und Gesellschafts-Satire lieferte, und dennoch auch in puncto Action unterhalten konnte. Ähnlich bei "Starship Troopers", der sowohl plakatives Arachnoiden-Gemetzel und Science-Fiction als auch ätzende Satire und Abrechnung mit Kadavergehorsam und faschistoiden Militär-Gesellschaftsstrukturen vereinen konnte. So eine 2. Inhaltsebene sucht man nun bei "Total Recall" vergebens (oder ich habe sie noch nicht gefunden).
Das ist allerdings nicht weiter schlimm: die Story um Mars-Agent Quaid (Arnold Schwarzenegger) im Kampf gegen Bösewichte ist so effektvoll, dass auch der anspruchsvolle Dampfhammer-Actionfan mühelos unterhalten wird. Die Special-Effects wurden dann auch mit dem Oscar ausgezeichnet.
Hochspannung ist dank zahlreicher Verfolgungsjagden und einer zumindest in Sachen Spannung überzeugender Story garantiert. Und letztendlich will man als Arnie-Fan ja auch das sehen, was er immer dreht: schnörkellose Action mit einer kleinen Prise von coolen Sprüchen. Die gibt es bei "Total Recall" trotz der Verhoeven-typischen unerbittlichen Härte (diverse blutige Kopfschüsse, Arme ab - der Film ist indiziert) auch und bieten dem Publikum das, was es will: pure Macho-Action die rockt.
Die Darsteller wissen auch zu überzeugen: neben Action-Arnie als Helden sind die weitgehend unbekannte Rachel Ticotin (die weibliche Aufseherin im "Con Air"-Flugzeug) als seine "spröde und athletische" Geliebte mit Killer-Ambitionen, Michael Ironside (der Lehrer und Vorgesetzte von Casper Van Dien im späteren Verhoeven-Film "Starship Troopers") als knallharter Verfolger und Ronny Cox (bekannt als Bösewicht aus dem früheren Verhoeven-Film "RoboCop") als dessen Chef zu sehen. Last but not least: Sharon Stone (wiederum bekannt als mörderische Autorin ohne Slip aus dem späteren Verhoeven-Film "Basic Instinct") als Arnies Kampf-Amazone von Pseudo-Frau. Stones Verpflichtung allein hätte man sich sparen können, denn sie wird als Beiwerk verheizt und (kleiner Spoiler:) muss sterben.
So ist "Total Recall" nach der "Terminator"-Reihe und "True Lies" der beste aller Arnie-Filme, wenn auch neben "Predator" und "Phantom-Kommando" der brutalste. Dennoch ist "Total Recall" schon heute ein moderner Klassiker des Action-Popcorn-Kinos. Wer die Story um Wahrheit (Realität) und Lüge (oder Einbildung) (wie ich) etwas wirr oder unlogisch findet, soll sich daran nicht stören, denn die ist angesichts atemlos inszenierter SF-Action ohnehin Nebensache. Einfach nur zurücklehen und genießen...