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Douglas Quaid ist eigentlich ein normaler Bauarbeiter, der in Jahre 2084, in dem Reisen zum Mars und anderen Planeten längst für die breite Masse möglich (wenn auch teuer) geworden sind, ein stabiles, aber über weite Strecken doch langweiliges Leben führt.
Weil ihn eine Reise zum Mars reizt, er aber nicht über das mögliche Kleingeld verfügt, willigt er einer alternativen Möglichkeit ein: Er lässt sich von einem Unternehmen namens Rekall künstliche Erinnerungen an so eine Reise einpflanzen, doch scheinbar geht etwas schief und ehe sich Quaid versieht befindet er sich in einer rasanten Jagd um sein Leben, deren Hintergründe ich hier noch nicht verraten will.

Vielleicht bin ich einer der ganz wenigen, die zuerst die Neufassung mit Colin Farrell (im "Extended Director's Cut") gesehen haben. Diese fand ich nicht allzu schlecht oder für eine Totalkatastrophe, aber der Binsenweisheit, dass Originale grds. besser sind als die Neufassungen, wollte ich von vornherein glauben.

Dass das Original dann aber in seiner Machart und in seinem Stil in eine so dermaßen andere Richtung einschlug, hat mich dann aber schon überrascht. Wenn man sich den kranken Humor und die krassen Einfälle des Originals betrachtet, weiß man sofort, was der weichgespülten, auf Hochglanz polierten und größtenteils computergenerierten Neufassung alles fehlt. Sie erscheint "plötzlich" wie eine x-beliebige Hollywood-Popcorn-Produktion, welche mit großen Effekten ihre inhaltliche Leere kaschieren will. (Und dabei habe ich den DC gesehen mit mehr Szene und höherer Freigabe)

Paul Verhoeven geht das ganze viel plakativer und nahbarer an und seine Mischung geht auf. Wie sein Vorgänger Robocop (dessen Neufassung ich vielleicht zum Glück noch nicht gesehen habe) ist Total Recall eine überzeugende Mischung der Genres, die kurzweilig und interessant ist und von vorne bis hinten Spaß macht, dabei aber wie Robocop nicht die ein oder andere Gesellschaftskritik vermissen lässt. Klar, dass Gut-und-Böse-Schema ist hier etwas primitiv und klischeehaft, aber Total Recall hat nicht den Anspruch tiefgehendes Arthaus-Kino zu bieten. Es ist ein kurzweiliges Popcorn-Kino, das aber mit genügend Alleinstellungsmerkmalen von sich zu überzeugen weiß und gekonnt SF, Action, Kömodie und Abenteuer verbindet. Ein Film, der fantastisch unterhält und zeigt, wie gutes Popcorn-Kino aussieht. Vielleicht Verhoevens bester Film.

9/10

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