*** Der Text enthält Spoiler ***
Philip K. Dick war ein großartiger Autor, das muss einfach mal gesagt werden. Seine Romane und Kurzgeschichten im Bereich des Science-Fiction-Genres waren und sind innovativ, manchmal mit philosophischem und gesellschaftskritischem Unterbau und viele seiner Werke gelten zurecht als Klassiker. So ist es nicht verwunderlich, dass diese auch als Vorlagen für diverse Filmproduktionen genutzt wurden. Wobei Vorlagen hier so zu verstehen ist, dass man sich einfach ein Grundgerüst geborgt hat und der Film selbst sich dann nicht mehr wirklich an die Vorlage hielt. Trotzdem muss man dankbar sein, ansonsten hätte es Meisterwerke wie „Blade Runner“ oder auch „Total Recall“ nicht gegeben.
Basierend auf der Kurzgeschichte „We Can Remember It for You Wholesale" entspinnt sich auf der Leinwand die im Jahre 2084 angesiedelte Geschichte um Douglas Quaid, Bauarbeiter, irgendwie unzufrieden und in seinen Träumen von Ereignissen auf dem Mars geplagt. Ein Werbespot führt ihn zur Firma REKALL, die mit implantierten Erinnerungen wirbt, die nicht von einer echten zu unterscheiden sind. Quaids gebuchtes Paket sieht vor, dass er zwei Wochen als Geheimagent auf dem Mars zugebracht hat, der gleich noch den ganzen Planeten rettet. Beim Implementierungsvorgang läuft allerdings nicht alles nach Plan, Quaid erwacht und nichts ist mehr wie vorher. Er wird verfolgt, man versucht ihn zu töten und er ist sich seiner eigenen Identität nicht mehr sicher.
Von einem Schwarzeneggerfilm aus der "guten alten Zeit" erwartet man sicherlich keine komplexe Geschichte oder Tiefgründigkeit – und doch bietet "Total Recall" für das, was er ist, nämlich ein ordentlich budgetiertes SciFi-Actionbrett, sogar das noch in einem gewissen Rahmen frei Haus. Die Frage, ob es sich hier um einen Traum oder die Realität handelt, findet immer wieder Erwähnung und wird selbst während des vermeintlichen Happy Ends am Ende nicht abschließend beantwortet. Zum Nachdenken bleibt allerdings nicht viel Zeit, denn nach einer kurzen Einführung legt der Film ein hohes Tempo vor, das er auch bis zum Ende durchzieht. Nur unterbrochen von ein paar inhaltsrelevanten Szenen kracht es an allen Ecken und Enden, sodass keine Sekunde Langeweile aufkommt. Klar, das kann man bei Arnie auch erwarten, aber selbst aus seinem filmischen Œuvre sticht "Total Recall" heraus.
Das liegt sowohl an Regisseur Paul Verhoeven, der zuvor schon mit "RoboCop" amtlichen SciFi-Krawall ablieferte, als auch an der Besetzung. Mit Schwarzenegger hat man eine etablierte Größe dabei, die die Rolle perfekt ausfüllt. Für weitere Rollen konnte man Micheal Ironside als charismatischen Gegenspieler gewinnen und Sharon Stone darf nicht nur gut aussehen, sondern auch austeilen. Auch über den Rest kann man sich nicht beschweren. Gleiches gilt für die Filmmusik von Meister Jerry Goldsmith, der hier klassische und elektronische Elemente verband und einen dynamischen wie auch stellenweise sehr atmosphärischen Score erschaffen hat.
Die Sets wirken auch heute noch beeindruckend und lebendig, man sieht der Ausstattung das Budget durchaus an. Das Design ist futuristisch (aus damaligem Blickwinkel) und ganz gut gealtert.
Auch typisch Verhoeven ist die graphische Darstellung von Gewalt; da wird auch mal ein Passant als menschlisches Schutzschild benutzt und die Squibs explodieren im Sekundentakt. Ein paar typische Oneliner gibt's natürlich obendrauf. Insgesamt schafft es "Total Recall" tatsächlich, eine Balance zwischen Unterhaltung, Action, Witz und sogar etwas Entdeckergeist zu halten. Die Alienstory und die uralte Reaktorhalle schaffen hier noch ein kleines extra-Mysterium. Chic.
Viele handgemachte Effekte, die meisten immer noch überzeugend, wobei die Masken ein zweischneidiges Schwert darstellen. Die auf den Gesichtern der Darsteller sehen top aus, doch sobald der ganze Kopf aus Plaste ist, fällt das schon ziemlich auf. Letztlich sind das Kleinigkeiten, die den Filmgenuss nicht trüben. Gleiches gilt für inhaltliche Schnitzer, die aber wohl genreimmanent sind und an denen sich kein Fan wirklich stören dürfte.
So zählt "Total Recall" nicht nur in Arnies Filmographie, sondern generell im SciFi-Action-Kosmos immer noch zu den Highlights. Mit hohem Tempo, einer originellen Geschichte, toller Ausstatung und gewisser Härte unterhält er zwei Stunden lang bestens. Besser geht es kaum.