Ich hab so manches Filmlexikon durch, aber noch immer kratze ich aus obskuren Ecken plötzlich Filme mit übernatürlichem Element hervor, von denen ich wenig bis nichts gehört habe.
Einer der freundlichen Schürfer von „35mm“ brachte mir dann diesen Streifen aus dem seligen 1949 aus dem Keller mit, „Alias Nick Beal“, aus einem trockengelegten Film-Blanc-Seitenarm des Film Noirs, der – man höre und staune – sogar in Deutschland als „Der Agent aus der Hölle“ lief, womit natürlich der Clou des Films schon im Titel vorweg genommen wurde.
Natürlich ist der Film im Herzen gar kein echter Noir, er bedient nur Versatzstücke, stattdessen geht es mal wieder darum, ob jemand, der im Herzen gut ist, durch den Kontakt (und einen Kontrakt) mit dem Teufel (bzw. seinem Agenten) korrumpiert werden kann, um der Verdammnis anheim zu fallen.
Die Sache war mit der hervorragenden Besetzung quasi gleich verkauft. Thomas Mitchell, ein traumhafter Charakterdarsteller, spielt hier die Hauptrolle des Staatsanwalts, der gerne speziellen bösen Buben einen gestreiften Strampler verpassen möchte, aber wie das so ist mit dem „Organized Crime“, die finden immer wieder einen Ausweg. Mitchell verschönert praktisch jeden Film und obwohl er eindeutig der Protagonist ist, steht er in der Castliste nur an dritter Stelle, ein Skandal sondergleichen.
Als er jedenfalls nach einem weiteren Entkommen des bösen Buben annähernd seine Seele feilbietet, macht es zwar nicht „Puff!“, aber immerhin erscheint fast aus dem Nichts ein smarter, aalglatter, enorm gut gekleideter Strippenzieher, der sich selbst Nick Beal nennt und man kann ansatzlos verstehen, was Ray Milland bewogen hat, das gute halbe Dutzend „Gastauftritte“ im Tausch gegen eine Seele und das „First Billing“ zu absolvieren, denn sein suaver Troubleshooter ist dermaßen schnittig geschrieben, dass man von seiner hintergründigen Unaufgeregtheit Gänsehaut bekommt.
Nickybaby hat für alles eine Lösung, bedient Mitchells Joseph Foster aus der lauen Luft mit Beweismaterial und ist fortan immer nett als Berater zur Stelle, als die guten Kumpels aus Politik und Justiz den erzehrlichen Joseph zum Gouverneur machen wollen. Natürlich hat der Teufelsbraten eine üble Agenda am Laufen und versichert sich dazu der Hilfe eines gefallenen Engels.
Auftritt von Nr.2 der Besetzungsliste: Audrey Totter, mit ihrem abgründigen Gesicht auf Noirs und ähnliche Dramen aus der Schublade B festgelegt, spielt doch tatsächlich das, was es im US-Film unter dem Code gar nicht geben dürfte: eine suffgeplagte Hafennutte. Doch the Devil makes her do it und so verpasst Nick ihr einen flotten Anstrich, eine neue Garderobe und erst die Sekretärinnen- und dann die Wahlleiterinnenstelle. Er kann natürlich nicht ahnen, dass Josephs Ideale sogar einer Gefallenen noch so etwas wie Moral einhauchen können.
Natürlich wird es für Foster immer enger, je näher der Posten und die Wahl rücken, denn wer Beweismaterial konstruieren kann, kann es auch wieder verschwinden lassen und so sitzt Mitchell bald in der Tinte, die ihn per Vertrag die Seele kosten soll…
Man erwarte bitte nicht zu viel von dieser Moritat, aber die Production Values von Paramount waren enorm solide und die Darsteller spielen wunderbar rund, wobei man nicht mal großartig ein Trickbudget oder Techniker benötigte, denn Beal taucht immer wieder quasi aus dem Nichts vor einer Tür oder im Raum auf und Milland hat einen so satanischen Spaß, ohne eine Miene zu verziehen, dass man jeden Auftritt abfeiern mag.
Das Problem ist eher: hat man das Moralstück erstmal erkannt, ahnt man, wie die Pointe läuft und da fängt die Story vom Guten und seiner lieben Frau und seinem bibelfesten Freund doch gehörig an, in allen Gelenken zu knirschen. Eingehüllt in das, was alle Nebelmaschinen hergaben, um einen Studiohafen effektvoll vorzutäuschen, kulminiert das alles leider in einem vorhersehbaren und ziemlich statischen „Höhepunkt“, das die Verhältnisse zugunsten aufrechter Amerikaner wieder gerade rückt.
Für alle, die sich so eine Fantasy-Kuriosität und dem Noir-Deckmäntelchen mal geben möchten, spreche ich dennoch allein wegen des Casts eine uneingeschränkte Empfehlung aus, besonders Milland ist jede Minute wert. (6,5/10)