Review

Im Jahre 1967 hatte Girara (auch bekannt und "gefürchtet" unter den Namen Monster X, Guilala bzw. Guila) in Uchu daikaijû Girara (Guila, Frankensteins Teufelsei) - Shochikus Antwort auf die erfolgreichen Riesenmonster der Studios Toho und Daiei - seinen großen weil unvergeßlichen Auftritt. Der billig produzierte Streifen um das bizarre Wesen aus dem All (von Monsterexperte Jörg Buttgereit liebevoll "Weltraumhuhn" genannt) floppte jedoch an den Kinokassen, und so wurde es erst mal still um die außerirdische Kuriosität. Im Laufe der Jahre entwickelte sich allerdings ein Kult um den schrägen Vogel, und so gab es 2008 ein unerwartetes Wiedersehen, inszeniert von einem anderen schrägen Vogel, nämlich Minoru Kawasaki, dem Regisseur von japanischen Spezialitäten wie Ika resuraa (The Calamari Wrestler) oder Koara kachô (Executive Koala). Giraras Rückkehr ist eine etwas zwiespältige Angelegenheit und fällt nicht ganz so triumphal aus wie erhofft. Monster X gegen den G8-Gipfel ist zu gleichen Teilen absurde Parodie wie stilsichere Hommage, gepaart mit einem teils infantilen Humor, der garantiert nicht jedem munden wird.

In Japan findet gerade ein G8-Gipfel statt (ihr wißt schon, das sind diese "wichtigen" Zusammenkünfte der großen Industrienationen, wo brandaktuelle Themen bis zum Erbrechen diskutiert werden und am Ende nicht mehr rauskommt als heiße Luft), als Girara - den ich ab sofort Guilala nenne, was, wie ich finde, besser zu ihm paßt - auf die Erde kracht. Als Guilala mit seiner Zerstörungsorgie beginnt, wollen die Gipfelteilnehmer sofort die Flucht ergreifen, doch der amerikanische Präsident redet ihnen ins Gewissen. Es wäre ihre Pflicht, das Monster zu zerstören, und außerdem... sollten ihre Maßnahmen tatsächlich von Erfolg gekrönt sein, stehen sie als Helden da und sind beliebt wie nie zuvor. Dieses Argument überzeugt jedermann bzw. -frau, und so rückt man Guilala mit allem was man hat zu Leibe, nur um ein ums andere Mal kläglich zu scheitern. Amerikanische Raketen erweisen sich als ebenso wirkungslos (US-Präsident: "Was zum Teufel ist passiert?" - Zerknirschter Repräsentant Japans: "Guilala hat den Weißkopfadler gefressen.") wie Giftgas aus Russland, chemische Waffen aus Deutschland oder Elektroschocks aus Großbritannien, und auch die italienische Strategie, das Ungetüm in eine Falle zu locken, fruchtet nichts. Jetzt kann nur noch einer helfen: die uralte Gottheit Take-Majin!

Monster X gegen den G8-Gipfel erweist dem beliebten Kaiju Eiga-Genre gleichermaßen die Ehre wie es die unfähigen Regierungschefs auf die Schippe nimmt und suhlt sich dabei förmlich in Camp. Kawasaki wirft fröhlich mit Klischees und Stereotypen um sich, ergötzt sich am skurrilen Tanzritual eines zurückgezogen lebenden Bergvolkes und vergißt auch nicht auf den kleinen, nervenden Jungen, der dem Monster mal eben seinen Namen gibt. Die diversen Staatschefs sind allesamt den Originalen (Bush, Sarkozy, Putin, Merkel...) nachempfunden, aber eine Ähnlichkeit ist bestenfalls rudimentär vorhanden (wenn man einen Ultra-Low-Budget-Film dieser Art dreht, darf man bezüglich der Schauspieler halt nicht allzu wählerisch sein; Kawasaki war wohl schon froh, daß sich seine Akteure ihre Dialoge (in der jeweiligen Landessprache) merkten und mit Enthusiasmus bei der Sache waren). Und natürlich werden die Politiker stark überzogen dargestellt. So ist der US-Präsident ein Cowboy, der gerne selbst den Knopf drückt, der gestenreich agierende Italiener jammert "Mama Mia", und der Franzose entpuppt sich als Süßholz raspelnder Schwerenöter, der mit seiner Dolmetscherin in die Kiste hüpft. Wen wundert es da, daß sämtliche Maßnahmen zur Bekämpfung Guilalas in die Hose gehen und das gut gelaunte Alienmonster seine Widersacher auch schon mal lauthals auslacht und sogar ein flottes Freudentänzchen vor malerischer Sonnenuntergangskulisse wagt?

Ja, das alles ist exakt so herrlich blöd, wie es klingt, aber wenn man sich an den sonderbaren Humor gewöhnt hat, dann sollte das Grinsen auf dem Gesicht des Zusehers breiter und breiter werden, zumal die Macher das Herz offensichtlich am rechten Fleck haben und dem abstrusen Szenario eine Extraportion Charme injizieren. Wenn dann auch noch der böse Koreaner aus dem Norden einen spektakulären Auftritt hinlegt, samt schwer bewaffneter und ständig kichernder Mädchenbrigade, und Kultschauspieler Takeshi Kitano in seine bis dato wohl unglaublichste Rolle "schlüpft", ist sowieso schon alles egal und man vergißt sogar auf fassungsloses Kopfschütteln. Keine Frage, der Streifen der Marke "von einem Kaiju Eiga-Fan für Kaiju Eiga-Fans" ist herrlicher, von blöden Ideen strotzender Unfug, und er ist sich dessen auch vollauf bewußt. Leider kommt die Monsteraction (natürlich stilecht in Suitmation) in Monster X gegen den G8-Gipfel etwas zu kurz. Obwohl Kawasaki Material aus Kazui Nihonmatsus Vorgängerfilm recycelt und das Monsterkostüm in all seiner lächerlichen Pracht nachbauen ließ, ist Guilala leider nicht so oft in Aktion zu erleben, wie man sich das gewünscht hätte. Und so bleibt trotz aller Freude über einen sehr komischen, ungemein unterhaltsamen und ausgesprochen sympathischen Film ein etwas fader Nachgeschmack zurück. Es hätte einfach etwas mehr Guilala sein dürfen.

Details
Ähnliche Filme