Mit seinem schütteren Haar und seinem Übergewicht sieht Tony Scali auf den ersten Blick eher wie ein Finanzbeamter aus. Doch in Wirklichkeit ist Scali der hochgelobte Leiter der Polizeidiebstelle in einem New Yorker Vorort. Der 38jährige hat sich vom Streifenpolizisten hochgearbeitet und ist mit allen Gegebenheiten der Polizeiarbeit vertraut. Von seinen Untergebenen, die ihn liebevoll „Commish“ nennen, genießt er absolutes Vertrauen und Loyalität. So lösen sie auch jeden Fall zu seiner vollsten Zufriedenheit. Zu Hause führt seine Frau Rachel den Haushalt und erzieht seinen 10jährigen Sohn David. Einziger Störfaktor in der harmonischen Familie ist Tonys arbeitsloser Schwager Arnie, der allen mit seinen verrückten Ideen auf die Nerven geht.
Der Polizeichef ist ein weiteres Kind von Serien Mastermind Stephen J. Cannell, dem man allerdings doch eine qualitativen Rücklauf seit den 90ern konstatieren muß. The Commish trägt zwar noch seine typischen Züge, Humor und leichte Action im Vordergrund, vorgetragen von durchdachten, sympathischen Charakteren, aber schon hier fesseln die eintelnen Episoden schon nicht mehr wie einst beim A-Team oder dem Trio mit vier Fäusten.
Michael Chiklis verkörpert hier den Oberbullen eines New Yorker Vorortes Tony Scali, zwar sehr sympathisch (und sogar mit Haaren auf dem Kopf) und schlagfertig, aber allein das Konzept, die Folgen etwa 50:50 zwischen Privatleben mit seiner Frau und den zwei Kindern und der regulären Polizeiarbeit aufzuteilen, fand ich schon weniger gelungen. Die Serie ist dadurch sicher nicht langweilig, das Cannell´sche Konzept greift nur nicht mehr so wie früher.
Die Polizeiarbeit an sich ist eher wenig spektakulär. Das Team hat die Straßen ganz gut im Griff. Die Bösen werden ohne grobe Anwendung von Gewalt dingfest gemacht (da gefällt mir Chiklis in seiner vollkommen gegenteiligen Rolle in "The Shield" irgendwie besser). Kurz gesagt, nette Serie, aber ohne das gewisse Etwas, das zum Suchtfaktor führen könnte.
6/10