Mit "Cape of Fear" versuchte sich Scorsese mit Hilfe seines Stamm-Darstellers Robert de Niro einmal im Thriller Genre, doch das Ergebnis fiel leider eher durchwachsen aus.
Das mag sicher daran liegen, dass Scorseses Stärke darin liegt, Geschichten zu erzählen und eine richtige Geschichte bietet "Cape of Fear" nunmal nicht.
Im Gegenteil, die Story vom Ex-Sträfling, der sich an seinem Anwalt rächen will, ist sogar ausgesprochen simpel und ohne größere Wendungen versehen. Sogar das Ende ist eher enttäuschend und geht ohne größere Überraschungen von statten.
Und auch genau hier haperts dann auch beim Film, denn umso mehr Zeit vergeht, umso konstruierter und vorallendingen unglaubwürdiger wird die Geschichte. Besonders der Showdown auf dem Hausboot ist stellenweise fast schon lächerlich. De Niros Charakter Max Cady ist scheinbar unzerstörbar und findet trotz Sturm immer wieder einen Weg auf das Boot der Familie.
Das passt so gar nicht zu den ersten zwei dritteln vom Film, die ein nachvollziehbares Bild einer zerrütteten amerikanischen Familie zeichnen, die durch einen gefährlichen Psychopathen noch mehr zerstört wird.
Dabei machen die Darsteller ihre Sache ausgezeichnet, besonders ein brillianter Rober De Niro und eine etwas nervige, aber glaubwürdige Juliette Lewis fallen ins Auge. Auch Nick Nolte spielt seinen Part souverän, wenn auch nicht überragend. Etwas blass wirkt hingegen die "Frau des Hauses", Jessica Lange als Noltes Film-Ehefrau. Ob es nun an ihr oder dem Drehbuch liegt - ich weiß es nicht. Sie ist storytechnisch eigentlich vollkommen unnötig, da der Film sein Augenmerk komplett auf die Dreiecksbeziehung zwischen Nolte, Lewis und De Niro legt.
Auch der berühmte Soundtrack von Elmer Bernstein weiß zu gefallen, schafft eine unglaublich pessimistische Atmosphäre und verstummt, entgegen der Gewohnheit, an manch spannender Szene sogar ganz.
Dadurch baut der Film trotz Drehbuchschwächen und Vorhersehbarkeit stellenweise große Spannung auf, die aber leider erst im letzten Drittel wirklich nervenzerrend wird.
Scorseses eigenwillige Inszenierungsart, der Schnitt und die stellenweise sehr schrägen Kameraperspektiven und Farbveränderungen wollten oft nicht so ganz ins Genre Thriller passen, der Schuster sollte wohl doch bei seinen Leisten bleiben.
So aber schuf er einen nicht ganz so gelungenen, aber immer noch höchst sehenswerten und spannenden Thriller, der jedoch von Scorseses sonstiger Genialität ein ganzes Stück entfernt ist.
7/10