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In " Ein Köder für die Bestie" zu Beginn der 60er Jahre lieferten sich Gregory Peck und Robert Mitchum dieses spannende Duell. Im gelungenen Remake dürfen die Beiden Nebenrollen ausfüllen, so verkörpert Mitchum einen Lieutenant und Peck einen schleimigen, aber sehr erfolgreichen Anwalt.
Für Regisseur Martin Scorsese (Shutter Island, Gangs of New York) ist ein Remake ungewöhnlich, denn er befasst sich gerne mit eigentständigen und aussergewöhnlichen Stories. Die Novelle von John D. MacDonald namens "The Executioners" ist eigentlich nur eine simpel gestrickte Rachestory, die hier von ihren brillanten Mimen lebt. Dennoch dürfte es auch für Meisterregisseur Scorsese eine Herausforderung gewesen sein, dem Original von J. Lee Thompson gerecht zu werden.

Vierzehn Jahre verbrachte Max Cady (Robert De Niro) hinter Gitter und das verdankt er seinem damaligen Pflichtverteidiger Sam Bowden (Nick Nolte). Der hielt damals ein Dokument zurück, welches Cady hätte entlasten können. Natürlich will Cady sich dafür rächen. Er beginnt Sam und seine Familie (Jessica Lange, Juliette Lewis) zu terrorisieren, was bald in einer Katastrophe ausartet.

Der Plot ist leicht durchschaubar, doch Scorsese verwandelt sein "Kap der Angst" in einen suspensereichen Psychothriller. Schon wenn man Cady das erste Mal sieht, bekommt man fast eine Gänsehaut. Er ist übersäht mit Tattoos, sein Körper ist gut trainiert und in seinen Augen sieht man, dass er nichts Gutes vor hat. Als er in den Knast kam, war er ein normaler Gewaltverbrecher und zudem Analphabet. Doch die lange Haftstrafe brachte ein richtiges Monster hervor. Er begann seinen Körper zu trainieren, brachte sich das Lesen bei und beschäftigte sich ganz besonders mit Jura. Aus dem Knast kommt nun ein Psychopat herausspaziert, der Sam Bowden ganz klar überlegen ist. Er beginnt dem Anwalt nach zu spionieren, ihn gar zu terrorisieren. Und dabei verhält sich Cady stets legal, man kann ihm nichts nachweisen. Er vergiftet nicht nur Sams Hund, sondern richtet auch dessen heimliche Geliebte übel zu. Auch hat er es auf Sams Frau Leigh und besonders auf seine fünfzehnjährige Tochter Danielle abgesehen.

Und so erleben wir den Absturz eines angesehenen Anwalts. Da die Justiz Cady nichts anhaben kann, reagiert Sam sofort über. Er beauftragt einen Privatdetektiv, schickt Cady sogar ein paar Schläger auf den Hals. Doch letztenendes reitet sich Sam immer tiefer hinein und ist bald selbst der Angeklagte. Manchmal könnte "Kap der Angst" ein wenig mehr Tempo haben, kleinere Längen sind gegeben, dennoch beeinträchtigt das die Spannung kaum. Denn der Psychoterror entwickelt sich bald zu einem Überlebenskampf, denn in der zweiten Filmhälfte zeigt Cady sein wahres Gesicht. Er schreckt nicht mal vor Mord zurück und es gelingt ihm sogar Danielle in seinen Bann zu ziehen. Der Zuschauer weiss nun, dass Cady nicht nur Sam, sondern auch seine Frau und Tochter töten will, erst dann ist seine Rache gestillt. Scorsese zieht die Spannungsschraube kontinuirlich an, bis zum finalen Duell auf einem Hausboot, wo sich die beiden Kontrahenten nochmal richtig beharken dürfen.

Dass "Kap der Angst" so gut funkioniert, ist ohne Frage Robert De Niro (Ronin, Casino) zu verdanken. Seine dämonische Vorstellung hier ist erstklassig, dagegen kommt auch ein Nick Nolte (Nur 48 Stunden, Under Fire) nicht an. Sein Charakter Sam Bowden ist auch nicht ohne. Seine heimliche Geliebte, der Umgang mit seiner Familie und die bezahlten Schläger machen ihn nicht gerade sympathisch. Dennoch ist der Großteil seiner Reaktionen nachvollziehbar, denn ein Mensch verhaspelt sich schnell, wenn er in die Enge getrieben wird. Jessica Lange (Rob Roy, Eisige Stille) kommt weniger zur Geltung, dagegen zeigt Juliette Lewis (From Dusk till Dawn, Strange Days) mehr Spielfreude. Nicht umsonst war sie und Robert De Niro für den Oscar nominiert.

Spannender Psychothriller mit einem bösartigen Robert De Niro, vor dem man wirklich Angst bekommt. Auch die wenigen Längen können den Filmgenuss nicht trüben.

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