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Und ich dachte, es wäre so einfach, das mit dem Überführen der Panels in einen filmischen Fluss, also nicht nur in eine Bewegung. Sah bei "Sin City" so leichtfüßig aus. "The Spirit", ein wenn auch hierzulande recht unbekannter Klassiker von Comic-Veteran Will Eisner, plus Frank Miller in persona als Regie Führenden - jap, das wird dem Gesetz der Synergien nach auf jeden Fall was. - Pustekuchen! Wäre der Schuster doch bei seinen Leisten geblieben. Denn das Regieführen ist offenbar so gar nicht Millers Sache. Was Bildsprache und -kompositionen angeht, da merkt man, da ist einer vom Fach am Werk. Herbe Kontraste, Überbetonungen oder Schattenarrangements - das visuelle Konzept ist dem von "Sin City" ganz nahe und, wage ich zu behaupten, sogar noch ein Stück reizvoller.

Aber eben das Regie"führen"... Oje. Das führt mich auch gleich zur schalen Wiederauferstehung des Reiches hier; das Nazometer schlägt gut aus: Samuel L. Jackson, so schwarz wie er ist, in Nazi-Uniform (das hat zumindest wirklich noch ironisches Potenzial), zu unserem Deutschlandlied, das die Zeit überdauert hat, einen Unsterblichkeitsdünnschiss von sich geben müssend, mit finalem Gruße vor den großen Portraitaugen des Führers, in Anwesenheit der ebenfalls uniformierten Scarlett Ilsa Johansson. Nazis sind ja Pop und Geschmack ist bekanntlich Geschmackssache. Aber liegt es am verinnerlichten hiesigen Deutsche-dürfen-nicht-über-Nazis-lachen-Komplex oder steht diese ausschweifende Naziploitationsszene einfach doch zu sehr neben der Spur? Der Miller-selbstironische "Elektra"-Komplex interessiert die Humorregion des Hirns übrigens auch nicht wirklich und des Octopus’ Eierphobie ist so unkomisch, dass niemand mehr das Ei bemerkt, das dem Schurken zum Verhängnis wird. Naja, selbst diesem phänomenalen Danebenliegen lässt sich dann doch noch was abgewinnen. Das Trash-Sein-Wollen geht nämlich zuweilen derart in die Hose, dass dieses Scheitern schon wieder amüsiert.

Regie"führen". Unverzichtbar dafür nicht zuletzt nicht nur so etwas wie ein Rhythmusgefühl, sondern gleichsam die Fähigkeit, Darsteller anzuleiten und - da sind sie schon wieder - Synergieeffekte sich entfalten zu lassen. Hier overacten alle nur aneinander vorbei. Doch das Schlimmste, der Hase im Pfeffer: Gabriel Macht als titelgebender Spirit. Er soll schon soundsoviele Frauen umgarnt haben. Man glaubt es nicht. Ganz einfach, weil ihm - heiliger Pointengott - der Spirit fehlt. Er bleibt ein Bube. Man witzelt hier über Batmans Gehilfen Robin und dabei ist der Spirit selbst ein Robin in einem Robin-Film.

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