Review

Das Wort, daß während der Ansicht von „The Spirit“ zumeist am besten paßt, ist mit Sicherheit „Argh!“
Und ist der Film vorbei, dann sollte man schließen mit „Endlich, der Herr sei gepriesen!“

Damit muß ich niemandem was vormachen, „The Spirit“ ist tatsächlich die schlechteste Comicverfilmung, die mir unter die Augen gekommen ist, die Leistungen von „Daredevil“ und „Elektra“ noch locker unterbietend.

Um das zu erklären, muß ich mich selbst zitieren und zwar als ich vor vier Jahren im Review zu „Sin City“ mit folgender „Prophezeiung“ schloß:
„Aber dieses „neue Medium“ wird nicht mit jeder beliebigen Vorlage funktionieren, sondern baut auf die Spezialisierung, auf das passende Vorlagenmaterial. Solange es voyeuristisch, vulgär und bis zum Exzess übertrieben bleibt, würde es funktionieren, denn so fällt die Künstlichkeit nicht so stark auf. Aber es gibt keinen Halt, wenn es darum geht, Geschichten zu erzählen, Stillstand ist Rückschritt, deswegen muß jemand zwangsläufig mit dem Vorliegenden herumexperimentieren und seine Grenzen ausloten.
Und ich fürchte, sie werden es verreißen!“

Ich habe damit nicht hundertprozentig richtig gelegen, aber ich war verdammt nahe dran, denn „Sin City“, bei dem Miller so kreativ beteiligt war, daß Robert Rodriguez ihm einen Co-Regie-Credit einräumte, ist so ziemlich alles, was „The Spirit“ nicht ist – und der ist wiederum der Beweis, daß es nicht genügt, ein großartiger Comic-Autor zu sein, um sich auch auf dem Gebiet der Inszenierung, der Filmsprache und der visuellen Wirkung auszukennen.

Millers Versagen ist hier so allumfassend, daß man wohl davon ausgehen kann, daß ihn kein Produzent mehr auf einen Regiestuhl setzt, denn obwohl er wie ein Kind mit dem kompletten Chemiebaukasten spielt, den man ihm hingestellt hat, produziert er entweder nur heiße Luft oder sprengt sich und seine sonstige Kreativität selbst in die Luft.
Das geht schon beim Ton des Films los, der von dem einen endlosen, durchfallartigen Voiceover Gabriel Machts getragen wird (das übrigens nur im Original überzeugend intoniert ist), welches wohl pathetisch, zwingend, abgründig und düster sein soll, aber nur Schwulst produziert.

Das paßt im übrigen kaum zu dem sonstigen Ton des Films, der sich nie entscheiden kann, ob er nun eine sorgfältige Neuadaption, eine grelle Übertreibung, eine totale Parodie, alberner Schrott oder ironische Distanzierung für Comicbooknerds sein soll.
Was total fehlt, ist jedenfalls eine gewisse grimmige Atmosphäre oder auch nur ein Hauch von Seriösität, denn ernst nehmen kann man hier keine einzige Szene. Wie man schon am Beginn sieht, der den Helden losstürzen sieht, getragen von seinem endlosen Selbstrechtfertigungsgesabbel, um dann (trotz irrer Eile) in einer Gasse eine Frau vor Angreifern zu retten (gäääääääääääääääääääääääähn, wie alt ist die Idee denn?), um dann am Hafen (in einem Sumpf, am Ufer, einer Marsch? – es wird nie deutlich) auf seinen Erzbösewicht, den Octopus zu treffen, der ausschaut, als wäre Samuel Jackson aus Austin Powers entliehen worden und sich mit diesem Marke Bud Spencer durch die Böschung kloppt, inclusive der schon berühmten Toilettenszene („Ach komm, Toiletten sind immer lustig!“). Ein Muster an Überzogenheit.

Und danach wird es nicht besser.
Miller stopfte in das Skript reichlich Eisner-Charaktere, vorzugsweise schöne, verführerische Femme Fatales, die aber im fertigen Film nur bedingt Funktion haben. Darum geht der Plot öfters mal in Urlaub, um regen Austausch mit den Ladies zu führen. Wenn also Dan Lauria als Polizeichef Dolan nicht in Nöl- und Meckerklischees watet, läßt Spirit also dessen Tochter, die unscheinbare (und langweilige) Ellen sitzen, um seiner Kindheitsliebe Sand Serif hinterher zu jammern, obwohl die schon zu Teenagerzeiten eine verwöhnte Bitch war und auch als Eva Mendes nur als luxuriöse, edelsteingeile und verwöhnte Zicke rüberkommt (aber eben sexy aussieht). Dazu kommen dann noch Stana Katic als Polizistin Morgenstern (wenigstens eine kompetente Person und dient als Uniformfetisch Nr.1), Jaime King als Todesgöttin Elektra, Paz Vega für eine komplett sinnfreie Szene als „Plaster of Paris“ und die komplett verschwendete Scarlett Johansson als Octopus-Gehilfin Silken Floss, die jedoch mehr Stichwortgeberin ist und sonst auf stilisierte Erotik in Form von Kostümfetischen sorgt.
So hat man zwar reichlich knusprige Mädels in diesem Film, doch gegen diese geballte Ladung hübscher Gesichter, wirkt Gabriel Macht, als hätte man den Praktikanten zum Hauptdarsteller befördert, es hätte keiner Maske bedurft, um ihn zum konturlosen Mr.Nobody zu befördern. Macht ist ein Totalausfall an Beliebigkeit.

Doch während die Frauen das Minimum an Plot unter sich aufteilen und Macht weiter auf der Tonspur rumsülzt, muß man ja ohne Substanz die 90 Minuten vollkriegen und so darf sich Samuel Jackson wie der Quasselkasper auf Speed aufführen, ein Direktimport aus der Muppetshow, mit Emo-Make-Up und wirren Kostümkombinationen.
Jackson berauschte sich wohl dermaßen an seiner eigenen billigen Chargerei, daß er endlose Monologe führen durfte, die sogar vom Helden manchmal mit dem Wunsch unterbrochen werden, doch endlich mal auf den Punkt zu kommen (wenigstens dafür : danke!).
Daß man eine komplette Folterszene dann auch noch im Reichsparteitagchic mit Naziuniformen aufführt, ist übrigens nicht nur geschmacklos und überflüssig, es macht auch hinten und vorn keinen Sinn.
Zwischendurch gerät es dann auch noch hart an den Rand des Schmierenkomödiantentum, wenn Octopus seine Helferleine genetisch züchtet (so daß sie wie bekloppte Panzerknacker aussehen) und einmal einen Fuß mit Kopf produziert – viel Spaß auch für die Vierjährigen im Publikum).

Alles also grell und überzogen, kurz vor der Lächerlichkeit – und dagegen hat das comichafte Heldenpathos dann überhaupt keine Chance mehr, es mutiert zum gnadenlosen Klischee, über das man sich nur lustig machen will.
Daß da dann noch ein viel zu kurzer und langweiliger Showdown folgt (mit noch mehr Voiceover) und es „The Spirit“ an gesunder Härte mangelt (die dauernden Erschießungen wirken wie eine Verniedlichung von Gewalt), macht es auch nicht besser.

Bleibt noch der von „Sin City“ inspirierte Inszenierungsstil, den Miller leider ohne kreative Linie auch stetig durchbricht. Mal Silhouetten und Greenschreen-S/W mit Farbtupfen, dann wieder ausgewaschenes Grau, dann wieder totale Farbe, eine einheitliche Linie ist genauso wenig zu erkennen, wie in der dargestellten Spirit-Realität, die wohl an die 40er-Jahre angelehnt sein soll, aber ständig mit der Realität kokettert (Schulterkameras für die Reporter, Herz- und Lungentransplantationen, Star-Trek-Erwähnungen), was nie passen will.
So wird nie eine richtige und stilistisch sichere Filmsprache, ein integrer Look kreiert, stattdessen dilettiert Miller in alle Richtungen und heraus kommt eine inhaltliche Albernheit, die man bei den Schnellschüssen der 80er und den Videospielverfilmungen der frühen 90er begraben wähnt.
Da kann sich die Mendes noch so oft ihren Po auf dem Kopierer durchziehen lassen, das freut zwar ein paar Posterboys, aber sonst nur Will Eisner, der von oben sicher glücklich ist, noch rechtzeitig gestorben zu sein, um das nicht mitzuerleben. (2/10)

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