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Seit Comicverfilmungen im Stil von "300" oder "Sin City" dank moderner Computertechnik möglich sind, experimentierten so einige Filme mit neuartigen optischen Effekten. Comiczeichner und Regisseur Frank Miller dürfte ein Vorreiter auf diesem Gebiet sein. Was er allerdings mit "The Spirit" geliefert hat, ist wirklich allerunterste Schublade.

Ästhetisch ist der Superhelden-Comic-Film eindeutig ein Spross von "Sin City": von einigen wenigen Farbtupfern unterbrochenes, stilisiert leuchtendes Schwarz-Weiß und Schattenspiele, die das Gezeigte ins Surreale verzerren. Das ist optisch überaus stylish, aber seit oben genanntem Film auch alles andere als originell. Und wo "Sin City" noch eine düster-gewalttätige, überaus komplex verschlungene Story zu bieten hatte, gähnt bei "The Spirit" ein wirrer Abgrund lieblos zusammengesetzter Versatzstücke. Der Held ist ein von den Toten wieder auferstandener Cop, sein Gegenspieler, der Obergangster Octopus, dank eines Serums ebenfalls unsterblich und die Stadt wirkt wie eine schwache Parodie auf den brodelnden Sündenpfuhl aus Robert Rodriguez' Film.

Was sie wohl auch sein soll, denn "The Spirit" kommt als äußerst schrille Satire daher, liefert ebenso plumpe wie übertriebene Slapstick-Gags im Minutentakt und beginnt schon in der ersten Szene mit einem der ältesten Superhelden-Klischees überhaupt: Eine Frau schreit um Hilfe, plötzlich taucht der Held auf und vermöbelt die beiden Gangster, die sie bedrohen, nach Strich und Faden. Angesichts einer solch ideenlosen Inszenierung hat der satirische Anspruch des Films keinerlei Chance - das einzige, was er bewirkt, ist, dass man keine der Figuren ernst nehmen kann. Und das bedeutet den Todesstoß für den Streifen, denn von der ersten bis zur letzten Szene herrscht hier gähnende Langeweile.

Daran kann weder die Story etwas ändern, die viel zu belanglos und wirr zusammengestückelt ist, als dass sie irgendeinen Unterhaltungswert aufbauen könnte, noch die Dia- und Monologe, die von klischeehaften Streitereien zwischen Polizei und Superheld bis hin zu völlig bescheuertem Gebrabbel des Spirit darüber reichen, wie seine Stadt für ihn da ist und ihm hilft - was auch immer das heißen soll, schließlich wird die Stadt die ganze Zeit als dreckiger Moloch dargestellt. Auch ist die Dramaturgie dermaßen unbeholfen, dass es geradezu amateurhaft wirkt: Der Spirit braucht so lange, um dem Zuschauer in für die Story sinnlosen Monologen seine Vorgeschichte zu erzählen, dass am Ende keine Zeit mehr für sonderlich viel Handlungsentwicklung oder Action bleibt. Erst im etwas knapp geratenen Finale gibt es ein paar Minuten lang eine fette Schießerei, die sich sehen lassen kann. Bis dahin langweilt man sich angesichts des riesigen Haufens an Klischees, der ideenlosen Inszenierung und einer slapstickhaften Gewaltdarstellung, die das reihenweise Töten von Gangsterhelferchen als derartigen Witz hinstellt, dass man hier schon an Gewaltverherrlichung denken muss. Mit Trash hat das nichts zu tun, sondern einfach nur mit inszenatorischer Unfähigkeit.

Nicht einmal die Riege hochwertiger Stars in den Nebenrollen, wie etwa Samuel L. Jackson als Octopus, Scarlett Johansson als dessen Gehilfin und Eva Mendes als elegante Juwelendiebin, können irgendetwas an diesem ebenso lauten wie dumpfen Spektakel retten. Ganz im Gegenteil: Jacksons Auftritt in Nazi-Uniform dürfte der geschmacklose Tiefpunkt des Streifens sein. Und den muss man angesichts der stümperhaften Inszenierung erst einmal finden.

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