Eine Zeitlang lag der Sequelsektor etwas brach da, aber das neue Medium DVD garantiert derweil so gute Verkaufszahlen, dass jeder halbwegs erfolgreiche Film eine Fortsetzung erhält – im Falle von „Feast“ drehte man zwei Sequels sogar gleich back to back.
Es bleibt allerdings die Frage, ob man einen Überraschungserfolg wiederholen kann, wenn die Überraschung weg ist. Einfach Horror-Standard-Situation mit Horror-Standard-Charakteren zu füllen und das Ganze dann humoristisch zu überzeichnen, funktioniert halt nur einmal und tatsächlich gestaltet man die Einführung der Figuren anders. Anstelle der Texttafeln gibt es hier (neben der Namenseinblendung) kurze Flashbacks, die einen Einblick in das Vorleben der Figur geben – allerdings hat dies nicht den humoristischen Effekt wie in „Feast“, runde Charaktere schaffen diese kurzen Einblicke auch nicht (zumal die meisten noch nicht mal Namen bekommen).
Rein inhaltlich schließt man dafür direkt an Teil eins heran: Die Biker Queen (Diane Goldner), eine Kollegin der im Vorgänger geschnetzelten Harley Mom, und ihre Truppe suchen nach der Vermissten und kommen zurück zur Kneipe, wo sie den schwer verletzten Barkeeper (Clu Gulager) finden, der ihnen kurz vorbetet, was bisher geschah. Derjenige, der den Tod von Harley Mom verschuldete, soll sterben, also zieht man zur nächsten Stadt, wo man ihn vermutet.
Allerdings wird das Kaff gerade ebenfalls von den Monstern überfallen und als die Bikerinnen mit dem gekidnappten Barkeeper eintreffen, gibt es nur noch wenige Überlebende. Gemeinsam erwehrt man sich der Biester...
Betrachtet man „Feast 2“, so will man kaum glauben, dass sie gleichen Macher dahinterstecken – vielleicht haben diese mit dem Vorgänger auch direkt ihr komplettes Potential verschossen. „Feast 2“ führt eine neuerliche Belagerungssituation her, die dem Vorgänger gleicht, aber wesentlich unspannender ist. Waren die gelegentlichen Monsterattacken in „Feast“ noch sitzende Schocks, so sind sie hier sich wiederholender Standard, lärmend und mit zunehmender Spieldauer uninteressant. Die Charaktere erzeugen wenig Sympathie, durch das fehlende Einblenden der Lebenserwartung fehlt auch das ironische Spiel mit der Tatsache, wann es wohl wen erwischt.
Doch „Feast 2“ macht noch weitaus mehr falsch. Von der Ironie und dem Genrebewusstsein des Vorgängers ist kaum etwas zu merken, stattdessen regiert Prollhumor des niedrigsten Niveaus. Höhepunkt der Peinlichkeit ist sicherlich die minutenlange Autopsie eines Monsters, bei der sämtliche Körperflüssigkeiten durch die Gegend spritzen, nach dem Motto: Je ekliger, desto lustiger. Funktioniert leider nicht, denn Timing oder Finesse lässt der Humor durchweg vermissen (und zumindest ersteres braucht man für funktionierenden Simpelhumor).
Schlimmer noch ist die Art, in der „Feast 2“ das Asozialentum seiner Figuren abfeiert: Das soll es lustig sein, wenn man Verletzte opfert, eine sich auflösende Seniorin zerrupft, während sie noch lebt, oder der Barkeeper jemanden in einer Überreaktion das Ohr abbeißt. Kritische Distanz gibt es gar nicht und ganz besonders dumm und widerlich ist dies in einer Szene, in der ein Baby dran glauben muss. Als Tabubruch mag die Idee ja durchaus diskutabel sein, doch so wie „Feast 2“ dies in Szene setzt, ist es einfach nur geschmacklos – der intendierte Witz zündet dabei gar nicht.
Wem natürlich plumpe Gewalt allein reicht, der wird „Feast 2“ vermutlich für einen dollen Film halten, denn das Gemetzel ist wirklich derbe bis zum Anschlag. Teils ist die Sache handgemacht, teilweise aber auch schlechtes CGI – insgesamt wirken die Effekte jedoch weniger rund als die ersten Teils, der sowohl Monster- als auch Gore-FX meist im Halbdunkel präsentierte und so die Qualität derselben verschleierte. Doch „Feast 2“ spielt fast gänzlich bei Tag, das letzte Drittel quasi komplett auf einem Dach, wobei der Hintergrund in jener Szene nach der CGI-Animation aussieht, die er ist. Um das Ärgernis noch ganz rund zu machen, gibt es ein offenes, nicht mal ansatzweise geschlossenes Ende – irgendwie muss man die Leute ja dazu kriegen „Feast 3“ zu gucken.
Mit Lob muss man da hinterm Berg halten, allenfalls die wenigen Szenen, in denen der Esprit des Vorgängers durchblickt (meist in denen Szenen, in denen sich „Feast 2“ auf ihn bezieht) sind noch ganz gelungen. Außerdem macht Clu Gulager mal wieder einen guten Job, die restlichen darstellerischen Leistungen sind eher durchwachsen, auch wenn immerhin kein wirklicher Ausfall dabei.
Hirnloser Prollhumor, null Niveau und durchwachsene Effekte – nach dem charmant-ironischen Vorgänger ist „Feast 2“ bloß tumbe B-Ware für die ganz besonders Anspruchslosen. Ein paar nette Referenzen gen Teil eins und ein paar gelungene FX machen eben noch lange keinen guten Film.