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In Terry Gilliams „12 Monkeys“ wird der unkaputtbare Bruce Willis las Strafgefangener Cole in die Zeit zurückgeschickt. Der komplizierte, anspruchsvoll-atmosphärische Endzeitthriller aus den 90er Jahren überzeugt durch glänzende Darstellerleistungen, eine vertrackte Handlung und geistreiche Ideen.

5 Milliarden Menschen sterben an einem Virus. Die Überlebenden hausen unter der Erde in Quarantäne und versuchen, mit futuristischer Technik. Der Sache auf den Grund zu gehen. Glücklicherweise ist man dazu in der Lage, Zeitreisen zu veranstalten, und so wird der „freiwillige“ Knastbruder Cole (beeindruckend: Bruce Willis) in der Zeit zurückgeschickt, um in der filmischen Gegenwart, 1996, der Ursache auf den Grund zu gehen. Leider landet er sechs Jahre zu früh, und mit seinen natürlich unglaubwürdigen Aussagen wird er prompt in die Irrenanstalt eingewiesen. Dort macht er die Bekanntschaft von Psychaterin ... (überfordert: Madeleine Stowe), die seinen Ausführungen zwar Gehör schenkt, aber auch nicht recht glauben will. In der Anstalt macht er zudem Bekanntschaft mit dem irre-revolutionären ... (Brad Pitt in seiner besten Rolle), der ihm von seinen Weltuntergangsphantasien vorschwärmt. Cole wähnt sich auf der richtigen Spur, und schließlich wird er auch ins richtige Jahr geschickt...

Okay, blöd niedergeschrieben. Die Handlung von 12 Monkeys mutet als wirr und kompliziert an, und viele Zuschauer sahen sich mit Coles Zeitreisetrip überfordert. Doch schon nach dem ersten Ansehen kann eigentlich jeder dazu in der Lage sein, die Handlung komplett zu entschlüsseln, in die richtige Reihenfolge bringen und sich selbst erklären, warum Madeleine Stowe am Ende lächelt, obwohl Bruce Willis erschossen wird. Die letzte Szene mutet als Cliffhanger an, doch auch hier kann sich der Zuschauer über den wahrscheinlichen Ausgang durchaus gewiss sein. Die Atmosphäre ist düster und erinnert zum Teil an verfallene Grosstädte, die bereits in naher Zukunft an ein surreales Cyberreich gekoppelt sind, durch die die Menschen in der Zukunft aus dunklen Zellen heraus operieren und die Zeit manipulieren. Die Entschlüsselung wartet bis zum Ende des Films, bis dorthin ein unheimliches Puzzle an übernatürlichen Begegnungen und Zusammenhängen zusammengesetzt wird, das in punkto Spannung und schauspielerischer Kunst echt seinesgleichen sucht! Gerade die Szenen in der Irrenanstalt, in der noch am meisten gedacht wird, hauen einen auch nach mehrmaligem Ansehen vom Hocker – nicht ohne ironischen Schwarzhumor wird hier bereits die gesamte Handlung erklärt, ohne dass irgend jemand dazu in der Lage ist, wirklich durchzublicken. Die eigenwillige, doch durchaus stimmige Musik verleiht dem Titel das gewisse Etwas und reiht sich exzellent ins Gesamtbild ein. Darüber hinaus verzichtet Gilliam fast gänzlich aus Actionszenen, und lässt nur in vereinzelten Ausbrüchen seines Hauptdarstellers nackte Gewalt auf das Auge zurollen. Im Vordergrund steht hier definitiv die kommende Bedrohung in der Gegenwart, die durch das vergebliche Quest eines überforderten Mannes nicht wirklich abgehalten werden kann.

Insgesamt ein superspannender, atmosphärisch dichter Thriller erster Sahne. Mit lyrischem Drehbuch, exzellenten Darstellerleistungen und einer unerwartet innovativen Handlung landet „12 Monkeys“ in meiner persönlichen Film-Top-10.

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