Terry Gilliam versucht sich mal wieder an einer Zukunftsvision, die zwar nicht ganz so abgefahren wie „Brazil“, aber etwas kurzweiliger ausfällt.
In der Zukunft ist die Erde von einem Virus entvölkert, die wenigen Überlebenden leben unter der Erde, während die Oberwelt den Tieren gehört. Zu den Überlebenden gehört auch der Strafgefangene James Cole (Bruce Willis), der immer mal wieder zur Oberflächenerforschung im Schutzanzug verdonnert wird. Dabei kriegt man Gilliams Vision einer leeren Welt in recht beeindruckenden Bildern präsentiert, wenn Bären und Löwen inmitten einer verschneiten Metropole herumschleichen.
Die Obrigkeit hat inzwischen Zeitreisen entwickelt und sucht starke Freiwillige, die in der Vergangenheit nach Informationen über das Virus suchen. Cole meldet sich bei Aussicht auf Begnadigung, gelangt jedoch nicht wie gewollt nach 1996 (das Ausbruchsjahr des Virus), sondern nach 1990 – und dort wegen seiner Kleidung ins Irrenhaus…
Das ist erst der Auftakt zu einer irren, schwer zu beschreibenden Odyssee durch Zeit und Raum, deren Konstante vor allem James Cole ist. Immer wieder gelangt er in neue Zeitabschnitte, ab und zu sogar dahin, wo er hin möchte. Vieles scheint auch erst keinen Sinn zu machen (z.B. die Episode im ersten Weltkrieg), doch am Ende setzt sich die Geschichte wie ein Puzzle zusammen. So muss auch aufpassen, um den Clou am Ende mitzukommen, wenn man fast schon an ein urböses Ende denkt (man achte auf die Sitznachbarin des Wissenschaftlers).
So regt „12 Monkeys“ zum Miträtseln an, doch leider gestaltet Terry Gilliam seine Zeitreise teilweise etwas zu sprunghaft. Abrupt wird man von einer Episode in die nächste gerissen, einige davon hätte man durchaus weniger ausführlich behandeln können als sie es im fertigen Film sind. Über Logik sollte man auch gar nicht groß nachdenken: Selbst in den geradlinigsten Zeitreisefilmen stellen sich derartige Schwierigkeiten ein und hier werden so viele Twists präsentiert, dass die Plausibilität sich auch bald ins Nirvana verabschiedet.
Aber Gilliam geht es nicht um einen komplett geradlinigen Film, sondern mehr um einen Bilderrausch ähnlich „Brazil“, wobei „12 Monkeys“ etwas spannender daherkommt. Gilliams Handschrift bleibt jedoch unverkennbar, wenn man sich den Zukunftstiefbau aus zusammengestoppeltem Schrott oder einfach nur die Inszenierung anschaut. Gilliam nutzt ungewohnte Kamerawinkel, fährt mit der Kamera oft ungewöhnlich nah an seine Darsteller heran usw.
Zudem hat das Script auch die nötige Finesse um die klaffenden Logiklücken teilweise noch zu überdecken, denn „12 Monkeys“ kommt mit etwas Witz und Gefühl daher. So baut sich ein Vertrauensverhältnis zwischen Cole und der Psychiaterin Kathryn Railly (Madeleine Stowe) auf, das natürlich irgendwann in Liebe endet, aber zum Glück nie zu kitschig oder vordergründig wirkt. Man hätte den Part zwar etwas kürzer fassen können, aber was soll’s. Auf der anderen Seite muss man schon mal schmunzeln, wenn Cole mit seinen rabiaten Methoden in der Gegenwart aneckt oder langsam beginnt zu glauben, er sei wirklich verrückt – dann wenn Kathryn merkt, dass er es nicht.
Bruce Willis spielt die Hauptrolle ziemlich gut und überraschend unheroisch: James Cole hat zwar Bärenkräfte, aber setzt sie wie ein Schläger ein und wirkt so, als könne man ihn weder in der Zukunft noch in der Gegenwart so richtig ernst nehmen. Madeleine Stowe muss da mit einer bodenständigeren Rolle zufrieden geben, die sie ordentlich erledigt, während Brad Pitt mal hier nach Herzenslust den Bekloppten gibt. Sein Charakter ist teilweise irre, teilweise gefasst und Pitt spielt diese Dualität mit viel Freude aus.
Trotz einiger Logikschwächen und Längen ist „12 Monkeys“ unterm Strich dann doch gelungen, denn die Story ist recht packend und dank der guten Hauptdarsteller kommen auch die Charaktere glaubwürdig rüber.