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In (nicht allzu) ferner Zukunft wird die Menschheit ausgerottet sein. Vollkommen. Das ist die Schreckensvision der Anhänger der Apokalypse und kommt eigentlich immer wieder aufs Neue auf den Tisch (oder die Titelseiten von boulevardesken Zeitungen). Terry Gilliam griff in den 90er Jahren mit seiner Geschichte über die Armee der „12 Monkeys“ dieses Thema filmisch auf und schaffte es, mit Bruce Willis, Brad Pitt und Madeleine Stowe drei Hochcharäter der Filmszene um sich zu scharen. Sollte das jetzt Gutes und somit einen klasse Film verheißen oder sollte daraus sein apokalyptisches Hollywood-Desaster werden? Irgendwie schwankte ich zunächst zwischen diesen beiden Möglichkeiten hin und her; doch nach einer gewissen Zeit, in der sich der Film und dessen Botschaft setzen konnte, habe ich mein Urteil gefunden.

Im Jahr 2035 lebt die Menschheit in einem unterirdischen Tunnelsystem. An der Erdoberfläche leben nur noch die Tiere. Grund dafür ist eine Epidemie, die im Jahre 1996 ausbrach, ausgelöst durch einen tödlichen Virus, der durch eine Gruppe namens „12 Monkeys“ freigesetzt wurde und der nahezu die gesamte Menschheit auslöschte. Der Strafgefangene James Cole (Bruce Willis) soll in die Vergangenheit – ins Jahr 1996 – reisen, um die Ursachen für die Apokalypse zu ergründen und seinen Auftraggebern mitzuteilen. Nachdem er zunächst im Jahr 1990 gelandet war, kommt er bei einem weiteren – erfolgreichen – Versuch mit Hilfe der Psychiaterin Kathryn Railly (Madeleine Stowe) der Armee der „12 Monkeys“ rund um den geisteskranken Jeffrey Goines (Brad Pitt) auf die Spur.

Naja, diese apokalyptischen Botschaften vermittelten ja mittlerweile mehrere Filme, sodass man zunächst als geneigter Zuschauer denken könnte: „Nicht schon wieder so ein Film, in dem ein Held die Welt mit Hilfe einer Zeitreise vor dem Untergang rettet!“ Aber lassen wir uns doch einfach mal auf die „12 Monkeys“ ein. Terry Gilliam fasst die Sache nämlich etwas anders auf als die vielen anderen Regisseure, die vor – und auch nach – ihm die Welt untergehen ließen. Er zeigt uns von Beginn an – nicht nur in den Szenen, die im fernen Jahr 2035 spielen, sondern auch in den gegenwärtigen Szenen – ein düsteres Weltbild. OK, Philadelphia eignet sich – als bekanntermaßen nicht gerade schönste Stadt der USA – vorzüglich dazu; wenn man dann auch noch um ein vielfaches mehr Obdachlose, Graffities und Kriminelle mit auf den Besetzungsplan ruft, dann vermittelt man dem Publikum schon einmal schonungslos: Es sieht scheiße aus (jetzt nicht der Film, sondern die Welt um uns herum)! Grau-in-grau-Töne noch dazu und schon haben wir die Miesepeter-Stimmung, die ein solcher Film benötigt, um gut zu werden. Bruce Willis dann auch noch als Helden zu sehen, der mal ausnahmsweise nicht mit der Knarre wedelnd die Welt zu retten versucht, sondern sich schön zurückhaltend zeigt, ist zusätzlich zu den tollen Kulissen schon fast eine wahre Wohltat. Doch diesmal ist es nicht Bruce Willis, der mein Herz in diesem Film eroberte, sondern es ist ausgerechnet der Bösewicht, der mich so richtig begeistern konnte. Brad Pitt – ja ich kann es selbst kaum fassen – schaffte es tatsächlich, mich zum Schmunzeln zu bewegen; denn was er in diesem Streifen als psychotischer Jeffrey Goines abliefert ist nicht nur verrückt gespielt – man gelangt relativ schnell zu der Erkenntnis, dass Brad Pitt in der Tat verrückt sein muss! Eine Eins mit Sternchen für die Leistung des Herrn Pitt in diesem Film!

Jawohl, „12 Monkeys“ ist ein klasse Endzeit-Film, der noch nicht einmal die Endzeit an sich zeigt, sondern sich auf das davor und danach beschränkt. Aber gerade das macht diesen Film so einzigartig, sind wir doch in anderen Filmen schon zur Genüge mit apokalyptischen Szenarien bombardiert worden. 9 von 10 Affen!

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