Was kommt dabei raus, wenn Ex-Monty-Python Terry Gilliam Actionheld Bruce Willis auf Zeitreisen schickt? Antwort: „Twelve Monkeys“, eines der bizarrsten Filmerlebnisse der 90er, in der fast die gesamte Menschheit durch ein unerklärliches Virus zugrunde geht, sodass die wenigen Überlebenden in der Zukunft elendig dahinsiechen und mithilfe einiger Zwangsfreiwilligen versuchen, in der Vergangenheit auf Ursachenforschung zu gehen.
Was dann passiert, muss man selbst gesehen haben, um es zu glauben, denn Gilliam schickt uns wie schon anno 1985 in „Brazil“ auf eine groteske, schwer fassbare Reise auf mehreren Zeitebenen. Dabei ist es nicht sein Ziel, Erklärungen für die globale Ausrottung zu liefern, sondern vielmehr ein Bild einer völlig heruntergekommenen Welt zu zeichnen, in der auf allen Seiten nur noch Desillusionierung und Ratlosigkeit vorherrscht. Damit erreicht er seine Wirkung auf den Zuschauer, der sich inmitten schräger Kamerafahrten durch eine surreal anmutende Irrenanstalt und vergammelten Hinterhöfen manchmal ebenso verwahrlost vorkommt wie die Protagonisten.
Es ist tatsächlich nicht leicht, eine Ordnung in diesem Chaos von Zeitsprüngen, Untergrundorganisationen und Traumsequenzen zu erkennen, selbst bei mehrmaligem Sehen lassen sich Dinge nicht eindeutig klären, sondern nur interpretieren, wie zum Beispiel die Stimme, die eventuell nur in Willis’ Kopf herumgeistert und ihn „Bob“ nennt oder was es mit der vorletzten Szene auf sich hat, in der zwei entscheidende Figuren im Flugzeug aufeinandertreffen, was je nach Ansichtssache die Verhältnisse erneut kippen könnte.
Gilliam läuft zwar mit all seinen visuellen Gimmicks und Einfällen Gefahr, den eigentlichen Sachverhalt, die Jagd auf die Verbreiter des Virus, zu ersticken, trotzdem vergisst man bei all den Ausflügen ins Groteske oder Romantische zu keinem Zeitpunkt die Ernsthaftigkeit der Mission, die Willis auszuführen hat. Die wurde unbestreitbar packend inszeniert und bietet eine ganze Menge Plot Twists, den erdrückendsten natürlich bei der abschließenden Flughafen-Sequenz, die man bei der Riesendosis an Dramaturgie und fataler Verkettung der Ereignisse schon als Klassiker bezeichnen darf. Den Film übrigens auch, denn „12 Monkeys“ findet seinen eigenen Stil, ist zu jedem Zeitpunkt unverkennbar und bietet auch aufgrund einiger fehlender Erklärungen mehr als übliches Hollywood-Einerlei.
Bruce Willis profilierte sich hiermit zum ersten Mal als ernstzunehmender Charakterdarsteller, denn sein psychisch immer mehr zerfallender James Cole ist intensiver als John McClane es jemals sein könnte. Brad Pitt überrascht als durchgeknallter Freak, eingefleischte Hasser könnten sein Rumgefuchtel allerdings auch als gnadenloses Overacting interpretieren.
Äußerst gewöhnungsbedürftig ist Astor Piazollas immer wiederkehrender Score, der jedoch das Flair des Films auf wundersame Art und Weise genial einfängt: Geheimnisvoll, durchgeknallt und irgendwie mit negativen Vorzeichen übersät, was sich im Film selber ja beim durch und durch niederschmetternden Schluss entlädt.
„12 Monkeys“ stellt für jeden aufnahmebereiten Filmfan ein außergewöhnliches Erlebnis dar, das zwar häufig nicht ganz logisch durchschaubar ist, aber jeden in seinen Bann ziehen sollte, selbst wenn man mit Gilliams eigenwilligem Inszenierungsstil auf Kriegsfuß steht.