Charlie Valentine ist ein Gangster der alten Schule: Charmant, stilvoll, mit Sinn für gutes Essen, teuren Wein und schöne Frauen. Er will seinen letzten großen Coup landen. Doch der "perfekte Plan" geht schief - sein Team stirbt im Kugelhagel. Aus Angst vor der Rache von Unterwelt-Schwergewicht Rocco flüchtet sich Charlie zu seinem Sohn Danny, zu dem er nie viel Kontakt hatte. Danny ist fasziniert von der kriminellen Welt seines Vaters und will in dessen Fußstapfen treten. Charlie bringt ihm das Handwerk eines Gangsters bei und zusammen planen sie einen neuen Überfall. Doch Rocco ist ihnen dicht auf den Fersen.
Charlie Valentine ist ein ziemlicher Film der Extreme. Vorne und hinten pickelhart, dafür in der Mitte wiederum butterweich, ich weiß jetzt nicht, ob das ein wirklich guter Ansatz ist. Wir haben hier also den Gentleman Gangster mit dem ergrauten Haar, der zwar kriminell ist, dies aber möglichst ohne Gewaltanwendung. Allerdings zeigt der Film für mich nicht nur hier eine fast schon überzogene Ambivalenz.
Zunächst einmal legen wir mit Charlies letzten Coup vor der Pensionierung los, der natürlich mit Pauken und Trompeten in die Hose geht. Hier fällt dann schonmal auf, das echte Veteranen wie Matthias Hues, Keith David und Vernon Wells bereits nach wenigen Minuten das Zeitliche segnen (Hues glaube ich sogar ohne jede Textzeile). Auch das Shootout läßt an harten Einschlägen wenig zu wünschen übrig und rechtfertigt sofort die 18er Freigabe. Spätestens aber als Charlie auf der Flucht vor Gangsterboss Rocco zu seinem Sohn nach Las Vegas geht, erinnert der Film dann wieder mehr an ein Familiendrama.
Vater und Sohn kommen sich nach langer Trennung näher. Junior ist auf Bewährung draußen, bewundert aber seinen alten Herrn und geht bei ihm quasi in die Lehre, während Charlie lieber das Inventar eines Strip Clubs eigenhändig austestet.
Zum Ende gibt's dann wieder beinhartes Geballer, als der alte Mann seinen Sohn aus den Händen der Bad Guys rächen möchte mit dem zu erwartenden melancholischen aber gleichzeitig konsequentem Ausgang. Hier sind wirklich Held als auch Film ein Beispiel für extreme Gegensätze. Mal ist Charlie der schunkelnde Gute-Nacht-Geschichten-Opa, mal der knallharte Gangster, mal schunkelt, mal schunkelt uns Jesse V Johnson sanft in den Soap Schlaf, mal schießt er blutig Hände und Köpfe weg. Kann man als Stilmittel so machen, ich allerdings bin nach dem verheißungsvollen Beginn die nächsten 60 Minuten beinahe weggeschlafen. Eine Gangsterballade in diesem Stil mag zwar innovativ sein, für mich lagen die Pole aber doch deutlich zu weit auseinander.
5/10