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Es ist hin und wieder amüsant, der Verfilmung einer urbanen Legende beizuwohnen, denn den Kern jener Geschichte kennt man ja irgendwie immer. Interessanter erscheint aber, welche Hintergründe den Autoren dazu einfielen und auf welchen diffusen Spinnereien eine solche Legende zuweilen beruhen soll.
Hier hat man stark begonnen, doch ab einem bestimmten Punkt driftet man gnadenlos ins Absurde ab und die bis dato stimmige Atmosphäre bröckelt bis zum Finale fast minutenweise.

Dass man eine wirkungsvolle Geschichte über einige Zeit mit nur einer Person im Mittelpunkt spannend gestalten kann, zeigt vor allem der Einstieg. Mary fährt leicht betrunken von einer Party heim, wähnt im letzten Moment einem Hindernis auf der Straße ausgewichen zu sein, um später in der Nacht festzustellen, dass ein Halbtoter vor der Stoßstange ihres kleinen roten Jeeps liegt. Voller Panik schlägt Mary auf ihn ein und ein mysteriöses Ereignis folgt dem dem anderen…

Zunächst stehen einige Kettenreaktionen aufgrund des Verhaltens einer einzigen Person im Vordergrund. Leider handelt Mary (Eltern übers Wochenende auswärts, lediglich Großelterns Papageien in Pflege) vom ersten Augenblick an völlig irrational und brettert dem Schwerverletzten ein paar Mal eins über, um ihn noch in derselben Nacht im Wald zu begraben (das Loch wird nicht mit einer Schaufel gebuddelt, sondern einem dicken Ast).
Trotz dämlichen Verhaltens der Hauptfigur, was es schwer macht, in späterer Situation mit ihr mitzufiebern, bleibt die Stimmung zunächst ein wenig mysteriös und durchaus spannend, - schließlich könnte es sich immer noch um Wahrnehmungsstörungen, eine zweite Realitätsebene oder einem blöden Streich der Studenten des „Springbreaks“ handeln.

Doch dass der vermeintlich Begrabene wieder von den Toten aufersteht und seinerseits Jagd auf Mary macht, ist für den bis dato geschaffenen Aufbau der Geschichte nahezu unverzeihlich.
Inhaltlich muss hier gar nicht mehr verraten werden, Genre-Fans dürfte eh klar sein, dass während des Showdowns kein Klischee mehr ausgelassen wird.
Auch wenn es in Sachen Tempo und Action während des letzten Drittels solide vonstatten geht, - von der inhaltlichen Wendung her ist das eine derbe Enttäuschung und nichts anderes als das überraschungsarme Abspulen hinlänglich bekannter Muster.

Sonderlich blutig geht es dabei kaum zur Sache, - ein Netzstecker im Auge (ganz kurze Einstellung) ist dabei die derbste Szene. Auffälliger sind dabei Unzulänglichkeiten in Sachen Logik und Stringenz: Der Überfahrene war ein hoch angesehener Lehrer, warum tickt der denn plötzlich so aus? Und warum läuft unerwartet Blut aus dem Telefonhörer – um und auf eine übersinnliche Komponente abzulenken?
Man hat den Eindruck, dass hier aus dem soliden Potential für eine Episode „Masters Of Horror“ auf Biegen und Brechen – aber ohne groß nachzudenken – ein Langfilm geschaffen wurde.

Dabei kann eine weitgehend unbekannte Darstellerin wie Laura Breckenridge die Last des Ein-Personen-Stücks eine ganze Weile sehr gut tragen und auch inszenatorisch gibt es wenig zu beanstanden, Kamera, Schnitt, Score, alles solide.
Aber die Erzählung verliert sich, sie bricht mit dem Mysterium, welches sie fein säuberlich aufgebaut hat, um letztlich mit einem kleinen Dampfhammer seelenlose Muster üblicher Slasher abzuspulen, angereichert mit minimalsten Folter-Einlagen (zumindest aus rasanten Perspektiven gefilmt) und jenen Szenen, die man während so eines Showdowns erwartet.
Was soll man sagen?
„Don´t drink and drive“ oder „Don´t drive, while writing a script“?
5 von 10

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