2009 verstarb John Hughes, Guru des Teeniefilms der 80er, doch zufälligerweise erschien im gleichen Jahr eine Huldigung an seine Werke: „Adventureland“.
Denn der im Jahr 1987 angesiedelte Film atmet von Anfang an den Geist der Werke Hughes und fängt das Lebensgefühl der mittlerweile vergangenen Ära zielgerecht ein. Hauptfigur des mit autobiographischen Zügen angereicherten Films von „Superbad“-Regisseur Greg Mottola ist der junge James (Jesse Eisenberg), der gerade mit Schule fertig ist. Vor dem College ist noch ein Europatrip angesagt, doch dann wird der Vater arbeitslos und das Geld sitzt knapp. Das Leben trifft James gleich zu Beginn des Films mitten ins Gesicht und auf eine märchenhafte Überwindung der Probleme hofft man bei Mottolas bodenständigem Werk nicht.
Auch der Traum vom College weit weg ist angesichts der schlechten pekuniären Situation ist in Gefahr, also sucht James nach einem Nebenjob. Aufgrund mangelnder Erfahrung wird er bloß im Vergnügungspark Adventureland eingestellt, wo er für die Buden zuständig ist. Auf amüsante Weise legt „Adventureland“ hier die Regeln und Riten des titelgebenden Parks vor: Bei den Fahrgeschäften ist es cooler zu arbeiten als bei den Buden, mit Tricksereien sorgt man dafür, dass die Gäste nie zuviel gewinnen, vor allem keinen Hauptgewinn („No ones wins a giant ass panda!“).
Trotz einiger Eingewöhnungsschwierigkeiten gefällt es James immer besser dort, vor allem, als er sich in seine Kollegin Em (Kristen Stewart) verguckt. Die wiederum hat aber eine Affäre mit dem verheirateten Parktechniker Mike (Ryan Reynolds), von der James nichts weiß…
Greg Mottola fing im Apatow-Umfeld an und gewisse Konstanten gibt es auch in „Adventureland“ noch (z.B. die Verpflichtung von Apatow-Spezi Bill Hader als Parkbesitzer), doch stilistisch orientiert sich sein Film klar an den 80ern, vor allem an den Filmen John Hughes’. Dementsprechend wird der Zuschauer auch mit klasse Zeitgeistmucke versorgt, Highlights sind sicherlich der Einsatz von „Breaking the Law“ von Judas Priest und „Don’t Change“ von INXS. Ganz im Stil der 80er ist der Humor auch zurückgenommen, von einem kleinen Pinkelwitz mal abgesehen bleiben die Körperflüssigkeiten weitestgehend aus dem Spiel, von den modernen Derbheiten keine Spur. Ähnlich wie die Vorbilder versteht sich „Adventureland“ jedoch nicht als reine Komödie: Sicher, er ist witzig und hat einige tolle Gags zu bieten, vor allem bei den Auftritten Bobbys (Bill Hader), doch er ist gleichzeitig zu auch ernst, nostalgisch und gelegentlich sogar etwas wehmütig.
So sind auch die Liebeleien auf dem Boden geblieben: Em weiß nicht, was sie so genau will, kann schlecht hinter Mikes Fassade sehen. Der wiederum ist zu einem gewissen Grad gescheitert, muss sein Leben mit dem Abschleppen von Teenagern aufpeppen und wird auch nach seiner Bloßstellung zu Ende des Films so weitermachen. Gleichzeitig wird er aber auch zu James’ Ratgeber in Liebesdingen, ohne dass James von der Affäre weiß; er ist also keine stereotype Fieslingsfigur, sondern durchaus ein Charakter. Auch das schillernde Figureninventar des Vergnügungsparks mit seinen Nerds und Geeks ist zwar zugunsten des Komiks etwas überzeichnet, besteht jedoch nicht bloß aus Witzfiguren, sondern aus echten Charakteren.
So lädt „Adventureland“ den Zuschauer dazu ein rund 103 Minuten mit diesen Leuten abzuhängen und dabei den etwas naiven James als Identifikationsfigur zu nehmen. Und darin ist Mottolas Film dann auch so sympathisch, dass man dieser Einladung gerne folgt und dabei gerne darüber hinwegsieht, dass er weder etwas Neues erzählt noch wirklich große Finessen parat hält. Es ist einfach ein schöner Film über ein Lebensgefühl und eine Art von Kino, das es in der Form nicht mehr gibt, dem man das versöhnliche, aber nicht unrealistische oder kitschige Happy End gerne verzeiht, der nie herausragend, aber stets gelungen ist.
Jesse Eisenberg gibt auch einen brauchbaren Hauptdarsteller ab und entwickelt mehr Profil als in „Zombieland“ aus dem gleichen Jahr, eine wahrhaft positive Überraschung ist allerdings Kristen Stewart, die mit ihrer vielschichtigen Performance beweist, dass sie mehr kann als nur „Twilight“. Ryan Reynolds spielt den Verführer so, dass man ihm nicht allzu böse sein kann, Bill Hader ist einsame Spitze als Komödiant und auch die eher unbekannten, aber famos gecasteten Nebendarsteller brauchen sich nicht zu verstecken.
Ein wunderbarer 80er-Nostalgieflash, der zum Abhängen mit den Figuren einlädt, dabei allerdings auch keine großartige Geschichte zu erzählen hat. Angesichts des präzise eingefangenen Lebensgefühls, des charmanten Witzes und der tollen Darstellerleistungen verzeiht man dies aber gerne.