Dekadenz im Querformat
In dieser sehr britischen, sehr kultigen, sehr sprunghaften und sehr schwarzen Komödie gibt’s Anschläge und Umstürze in einem luxuriösen Londoner Restaurant der Schönen, Reichen und Verrückten - inklusive Kannibalismus, ausgefallenen Fetischs und Cocktails…
Wo die Oberschicht sich zum Zinnober trifft
„Eat the Rich“ hat einen sehr eigenen Humor, eine sehr eigene „Britishness“, eine sehr eigene Sprunghaftigkeit. Kultig und krude, konfus und kantig. Vignetten der Deppen. Manchmal ist das näher an den (TV-)Formaten von Comedygruppen a la Monty Python als an der klassischen Kinokomödie. Kein Wunder, ist „Eat the Rich“ doch von einer der berühmtesten Comedygruppen von der Insel in den 80ern („The Comic Strip“). Und ja, die Musik von Lemmy bzw. Motörhead spielt drei Ligen über dem Rest. Und trotzdem hatte ich auch mit „Eat the Rich“ als Komplettpaket eine Menge Freude. Die Vibes sind rotzig, jeder der Thatcher-Ära bekommt sein Fett weg, alles wirkt wunderbar pur, ungeschönt und politisch unkorrekt. Ohne jetzt direkt Seiten zu beziehen, obwohl man schon gefühlt eher der Labour-Partei bzw. dem Proletariat zugeneigt scheint. Trotzdem schießt „Eat the Rich“ gefühlt ein ganzes Stück von außerhalb des Systems, was gut ist. Rebellisch, punkig, rotzfrech. Mal Clusterfuck, mal Streugranate. Die Motörhead-Songs rocken einem das Toupet vom Kopf. Wenn man vorher nicht Fan von Lemmy war, dann ist man's danach. Und so einen „Kannibalenfilm“ hat man insgesamt definitiv noch nicht gesehen…
Die 120 Tage von London
Fazit: Reich, lecker, rockig, fragmentarisch, lustig. Schlechter Geschmack genau richtig gekocht. Ingoreious Bastards. „Eat the Rich“ ist eine vollwertige Mahlzeit in Sachen britisch-schwarzer Humor - und der Motörhead-Soundtrack knallt einem die Boxen raus!