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  „... no escaping..."

1973 spielten Steve McQueen und Dustin Hoffman zwei verurteilte Strafgefangene, die auf der „Ile du diable" (deutsch: „Teufelsinsel") vor der Küste Französisch-Guayanas ein entbehrungsreiches, menschenunwürdiges Dasein fristeten ständig umtrieben von Fluchtgedanken. Mit Papillon wurde die Autobiografie von Henri Charrière verfilmt, der wegen Mordes auf diese Insel verbracht wurde. Allerdings spielte schon über 30 Jahre früher ein Film auf dieser von Frankreich zwischen 1852 und 1946 als Strafkolonie genutzten Teil einer Inselgruppe: Die Teufelsinsel.

Boris Karloff, die Horror-Ikone der 30er Jahre, welche es schon in Die Mumie 1932 zu Ruhm brachte, spielt die Hauptrolle in diesem frühen Gefängnisdrama, dass auch ethische Fragen nicht ausspart und zu Unrecht einem weitgehend eher unbekannten oder unbeachteten Beitrag zum Thema „Knastfilm" darstellt.

Karloff spielt den renommierten Gehirnchirurgen Dr. Charles Gaudet, welcher dem Häftling LeBrun (Stuart Holmes), einem Patient von ihm, auf seiner Flucht medizinische Hilfe gibt. Gaudet wird jedoch dabei ertappt und LeBrun stirbt trotz all seiner Bemühungen. Vor Gericht wird Gaudet wegen Hilfe eines entflohenen Strafgefangenen des Hochverrats für schuldig befunden und zu 10 Jahren Zwangsarbeit auf der „Teufelsinsel" verurteilt, obwohl er mit der Folgeleistung des abgelegten Hippokratischen Eids argumentierte. Auf der Teufelsinsel angekommen, scheint ein Ausbruch aus der Strafkolonie nicht möglich: die Insel ist umgeben vom Atlantik, in dem Raubfische lauern und auf der anderen Seite von einem Dschungel, in dem tausend Gefahren lauern. Gaudet zettelt einen Gefangenenaufstand an, bei dem die Tochter des mit harter Hand herrschenden Colonels Armand Lucien (James Stephenson) schwer verletzt wird. Lucien muss von der Tötung des aufmüpfigen Dr. Gaudet absehen, will er seine Tochter retten. Obwohl ihm durch die Rettung des Kindes das Leben geschenkt wurde, denkt Gaudet weiter an Flucht und schmiedet alsbald einen tollkühnen Plan...

Die Strafkolonie auf der „Teufelsinsel" wird dabei als ein menschenverachtendes Loch mit schlechten hygienischen und gesundheitlichen Bedingungen gezeichnet. Von einer medizinischen Versorgung wird weitestgehend abgesehen, abweichend-rebellisches Verhalten wird mit Einzelhaft oder Guillotinierung bestraft. Die Sympathien liegen klar bei Dr. Gaudet, der sich auch in seiner aussichtslosen Situation durch dem Nachgehen seiner Pflichten als Mediziner, in Notsituationen zu helfen, seine Prinzipien und Würde bewahrt. Dabei stellt der Film die ethisch brisante Frage, ob auch das Helfen vermeintlich „schlechter" Menschen zu gleichen Teilen Gegenstand des Hippokratischen Eids ist. Die reaktionäre französische Justiz negiert dies in einer durchaus bedenkenswerten Diskussion vor Gericht im ersten Viertel des  Films, als Gaudet verurteilt wird.

Ab der Verbringung von Gaudet auf die Strafkolonie zieht Die Teufelsinsel in Sachen Spannung stark an: Das Konfliktpotenzial zwischen dem Colonel und den Gefangenen (insbesondere Gaudet) entlädt sich und unter der von Disziplin und Unterdrückung geprägten Oberfläche rumort es. Man weiß um die Schwierigkeiten und Gefahren eines Ausbruchs ebenso wie um die tödlichen Sanktionen, die darauf stehen. Und der Zuschauer weiß um Gaudets Freiheitsdrang, dem Unrecht seiner Verurteilung.

Dass sich dann das gesamte System der Wachen und des Strafvollzugs an sich in Form seiner Akteure als korrupt und somit verlogen entpuppt, scheint etwas dick aufgetragen, passt sich aber in den kritisch-anprangernden Tenor des Films glaubwürdig ein und der französische Minister für die (Straf-)Kolonien persönlich sorgt neben Luciens Frau (Nedda Harrigan) dafür, dass Gaudet doch nicht auf der Guillotine landet und das Geheimnis korrupter Machenschaften (Bestechung auf allen Ebenen) nicht ein gut gehütetes bleibt.

William Clemens lieferte mit Die Teufelsinsel ein inszenatorisch wenig spektakuläres, aber gerade dadurch sehr subtiles und mitreißendes Werk ab, dass auch nicht davor zurückschreckt, den Zusammenhalt und die Solidarität der Gefangenen zu zeigen, was doch angesichts deren Straffälligkeit etwas verwundert. Eine beeindruckende Szene ist jene, als mehrere Gefangene den "Song of Hell" anstimmen: Es gibt kein Entrinnen. Aber trotz allen Pessimismus stirbt die Hoffnung zuletzt. (8/10)      

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