Was bei den Horror-"Stars" wie Lugosi oder eben Karloff immer wieder schnell unterschlagen wird, ist, daß trotz ihrer ikonenhaften Rolle sie meistens sehr auf ihre Erfolge und die entsprechenden Nachzieher festgelegt waren und meistens mit schlechter Drehbuchkost versorgt wurden, weil man ihre schauspielerischen Fähigkeiten nicht anders nutzen wollte. Während Lugosi ja wirklich mit seinem Akzent und seiner Theatralik haderte, hatte Karloff immerhin hie und da Gelegenheit zu größerer Bandbreite.
Einer dieser Filme war sicherlich "Die Teufelsinsel", in der er, abgesehen vom Titel, sich endlich mal von den Horrorelementen verabschieden konnte.
"Devil's Island" hat nicht eben für Freude gesorgt, besonders nicht bei unseren Nachbarn, den Franzosen, deren Verbannungs- und Bestrafungspolitik den meisten Filmfans ja ausgiebig aus Henri Carrieres "Papillon" bekannt ist, zu dem "Devil's Island" wie eine Blaupause wirkt.
Der 62minütige Film, den man heute kennt, ist vermutlich, wie so viele Filme aus den 30ern, als für Genrekost gern geschnippelt und nachgedreht wurde, nur ein Fragment und läßt nur noch in Umrissen erahnen, wie kritisch das Thema damals kurz vor Kriegsbeginn (oder kurz danach) aufgenommen wurde.
Die frontale Attacke gegen Verbannung, Zwangsarbeit und unmenschliche Behandlung auf tropischen Inseln in der Nähe der afrikanischen Küste, war sicher nichts, worauf die Franzosen später noch stolz sein sollten, wobei angesichts der Grauen des nahenden zweiten Weltkriegs und der internen Zerwürfnisse im Land mit Vichy-Regime und Kallaborationen gerade "Die Teufelsinsel" heute relativ zahm wirkt. Natürlich spielte da auch der Hays Code mit, der eine zu starke Darstellung von Grausamkeiten verbot - dennoch wollten sich die Franzosen vermutlich nicht von den Amis einen Spiegel vorhalten lassen.
Dabei wirkt der Film gar nicht mehr richtig wie eine bewußte Attacke - im Gegenteil, mehr wie ein forciertes Melodram, das letztendlich den Fokus auf ganz andere Themen legt als auf die menschenrechtlichen Dimensionen.
Natürlich ist die Zwangsarbeit menschenverachtend und die Umstände quälend, aber dafür bleibt in einem einstündigen Film über ein persönliches Schicksal leider wenig Zeit. Da ist es dann schon hollywoodtypischeer, daß der Lagerkommandant, ein schicker Stutzer und eiskalter Widerling, gleich auch noch Betrug und Unterschlagung samt Selbstbereicherung betreibt, die man am Schluß natürlich aufdecken kann. So vergißt man dann eventuell auch gleich die Verbrechen und Taten der Schwerverbrecher, die AUSSER dem unschuldig verurteilten Dr.Gaudet (Karloff) auf der Insel sind - angeprangert wird hier nur generell der menschenwürdige Strafvollzug.
Der Plot an sich ist schön vorausberechenbar, der humanistische Gehirnchirurg muß natürlich alsbald vom Holzhacken und Steineklopfen zum OP-Besteck greifen, um des Kommandanten Töchterlein zu retten und die Gattin ist allein aufgrund dieser Tat bereit, alles andere hintenan zu stellen. Nach allerlei Bemühungen um einen Fluchtversuch, der sowohl unfreiwillig komisch wie auch zu sehr gedrängt inszeniert ist, aber schön bedrückend alle möglichen Folgen abhakt, zieht man dann einen neuen Minister aus dem Hut, den man im Handumdrehen dazu bringt, alles aufzuheben, was man jahrelang so wunderschön sadistisch aufgebaut hat.
So wirkt das ganze Finale unfreiwillig albern aus heutiger Sicht und die Rettung Karloffs, der schon auf der Guilliotine liegt, bei weitem übertrieben, aber schlußendlich sollte es ja ein Unterhaltungsfilm sein und viel mehr ist es auch nicht geworden.
Die Stärken liegen eindeutig bei Karloffs hohläugiger Darstellung des geschundenen Vertreters des hypokratischen Eids, der seine ganze visuelle Präsenz in die Waagschale wirft und wunderbar positiv herüber kommt und somit als Idealbesetzung glänzt. Hätte man dem Plot ein paar Minuten mehr gegeben, wäre vermutlich ein noch besserer Film daraus geworden, so gerät das alles doch zu sehr in die Nähe banaler Klischees. Dennoch sehenswert, mehr als so manche B-Horror-Produktion aus derselben Zeit. (6,5/10)