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  Wer kennt nicht die beiden Männerfilmer Hollywoods Robert Aldrich und Sam Peckingpah. Beide waren eine Seltenheit im äußerst angepassten Hollywood. Während Aldrich zumeist den zynischen Männerfilm zelebrierte und damit meistens noch den Geist der Zeit traf und eigentlich nur harte Männerfilme drehte, die qualitativ von der Norm abgehoben waren, war Peckingpah eigentlich der genialere von beiden, der zwar ebenso eine Männerwelt zelebrierte, sie aber gleichsam demontierte, immer war eine Art wehmütiger Abgesang auf den guten alten Mann im Mann in seinen Filmen präsent. Es waren gebrochene Figuren, die eigentlich zu schwach für das wahre Leben sind und daher als Outlaws oder auch nur am Rande der Gesellschaft ein Dasein fristen. Einerseits sind es wahre Männer, die wir vielleicht auf den ersten Blick beneiden mögen, andererseits Verlierer, weil es ihnen nicht gelingen will, sich in die moderene Gesellschaft einzugliedern.Ihr Seelenleben ist ein Kriegsschauplatz ohne Aussicht auf Erlösung. Das ist bei Peckingpah so und das ist mit Abstrichen bei Aldrich so gewesen.

Der ultimative Film zu diesem Thema von Peckingpah ist Steiner, das Eiserne Kreuz, in welchem James Coburn die Möglichkeit hat, seinen Frieden mit einer Frau zu finden, aber er kann nicht mehr.

Aldrich dreht einen ähnlich gelagerten Film in den 1950ern genannt Vor uns die Hölle, in welchem eine Gruppe von deutschen Bombenentschärfern im Nachkriegsdeutschland ihrer Arbeit nachgehen, hierbei geht es nur darum, wer als letztes überlebt von dieser Truppe, der bekommt das gesamte Sold. Ähnlich gelagert wie Hurt Locker, aber dennoch anders, da ein bisschen wie ein Krimi aufgezogen.

Hurt Locker ist ein Film, der im besten Sinne, dieser Tradition von Filmen folgt. Er hat dieselbe Qualität an gebrochenen Charakteren, und der Protagonist, so cool er wirkt, ist ein modernes Abziehbild des Steiner von Peckingpah. Umso erstaunlicher, da es sich hierbei ganz offenkundig um eine autobiographische Kriegsschauplatzgeschichte handelt. Gleichzeitig umso einleuchtender, da Menschen nun mal Menschen sind und dieselben Erfahrungen in jedem Krieg durchmachen.
Dafür dass Hurt Locker ohne wirklich bekannten Star auskommt, gebührt ihm eine unglaubliche Hochachtung, denn dadurch wird er authentischer und bedrohlicher.Dass er nicht eine billige Kopie eines Peckingpah oder Aldrich ist, ist ihm auch hoch anzurechnen, da Kathrin Bigelow ihre eigenen Dynamik und Bildästhetik benutzt. Und das ist auch gut so.

Wer den Besten huldigt und besteht, der gehört selbst zu den besten.

Und keine Frage: Kathrin Bigelow kennt die vorgenannten Filme: Einer der Hauptdarsteller heißt Eldridge, welches im englischen genauso ausgesprochen wird wie Aldrich, also definitiv als Hommage gemeint. Und Kathrin Bigelow ist ohne Umschweife der derzeit beste Männerfilmautorenfilmer Hollywoods, da fehlt die Geschwätzigkeit eines Quentin Tarantino, da fehlt die Coolness eines Shane Black oder da fehlt die selbstgefällige Optik eines Tony Scott. Letzterer hat mehr Hits and Misses zu verzeichnen als ein Besoffener auf dem Jahrmarkt an einer Schiessbude.Kathrin Bigelow dreht einen harten Film über harte Männer, die gleichzeitig jedoch alle verkümmert sind und eigentlich Loser.

Gehört Hurt Locker tatsächlich zu den besten Filmen 2009? Sehr gut ist er auf alle Fälle.Aber gleichzeitig, trotz der aktuellen Thematik, ein Anachronismus, da es eine Zeit gab, in der man solche Filme eher gesehen hat.

Also, ja, er ist ein sehr guter Film, aber sicher nicht einer der besten, weder ist das Drehbuch innovativ, sondern immer aktuell, noch ist die Figurenzeichnung wirklich neu, noch ist er ein Film für Jedermann.

Also: Nein! Hurt Locker ist der beste Männerfilm 2009, aber nicht ansatzweise einer der besten Filme 2009.

Als Männerfilm 10 Punkte, Gesamt vielleicht 8 Punkte.

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