Die Idee, einen Film über den historischen (naja) Vlad Dracul zu realisieren, finde ich eine durchaus geglückte. Nur sollte man sich vorher überlegen, wie man den Legendenpool interpretieren möchte. Soll Dracula der missverstandene Fürst, treue Ehemann und liebende Vater sein oder wollen wir ihn als aggressiven Stinkstiefel darstellen, der mit eiserner Faust regiert. Diese Frage haben sich die Macher dieses Films nicht gestellt, sondern kurbeln munter drauflos. Und der gute Vlad zappt zwischen den Auslegungen seines Charakters hin und her. Was klasse wäre, wenn der gecastete Schauspieler beide Auslegungen spielen könnte. Leider kann unser Mime weder liebevoll noch bedrohlich sein (sagt bitte nicht, dass sei gewollt). Was er kann, ist blaß sein.
Und von dem Mittelpunkt (Rolle und Besetzung des Vlad) zerfällt der gesamte Film. Da können gut besetzte Nebenrollen, ein gar nicht mal schlechtes Drehbuch, das recht gelungene Einstricken des Bruders und die ansprechenden Locations nichts mehr entgegenhalten. Fatal wirkt sich auch das Ende aus, dass den Bogen zu "unserem" Dracula spannen soll. Wenn alle mit einem Kirchenbann Belegten zu Untoten würden, hätte die Menschheit aufgrund der wenig zimperlichen Mitgliederpolitik sämtlicher Kirchen im Mittelalter aber ein handfestes Problem.
Es ist ein Jammer, das der Film so versägt worden ist. Es hätte ein spannender Lehrfilm über Legendenbildung und das Wirken der Kirche werden können. So ist es ein brauchbarer Film (in den Szenen ohne Vlad) mit Phasen erschreckenden Diletantismus (mit Vlad) geworden, der seinen Platz auf dem Wühltisch zu recht gefunden hat. Gerade mal noch 3 von 10 Punkten.