Review

Aufgepaßt, liebe Kinder, es hat sich wieder ein richtiger Drecksfilm in die Videotheken geschlichen und fieserweise hat er sich auch noch als Horrorfilm getarnt.

Die Rede ist von "Dark Prince", der uns laut Covertext die wahre Geschichte von Dracula vermitteln möchte. Okay, das gebe ich noch zu, ein wenig hält er sich an die Originalüberlieferungen, aber gerade im letzten Drittel wird's gar hanebüchen. Aber das ist auch gar nicht das Schlimmste.

Diese furchterregend düstere Videopremiere, die auf dem Cover als Schlachteplatte glänzt, ist nämlich nicht mehr als ein biederer TV-Film, der in jeder Sekunde wie eine um etwas Gewalt ergänzte Terra-X-History-Sendung wirkt, die zufällig das 15.Jahrhundert behandelt.
Das technische Niveau liegt ungefähr auf dem von "Frankensteins Tante" und den Look dieses flotten Kinderdreiteilers hat man gleich mit übernommen.

Gefilmt offenbar vor Ort (bzw. in Bukarest) gönnt man sich diverse Aufnahmen in den malerischen Landschaften Rumäniens, die noch heute ein wenig von dem alten Flair atmen. So hat man denn für solche Schoten wie Thronsäle tatsächlich in Touristenburgen gefilmt, wo noch restauriertes Mobiliar rumsteht. Rasch noch einen Schauspieler in altertümlichen Kostüm draufgesetzt, fertig ist die Audienz beim König von Ungarn, der trotzdem aussieht, wie im heimischen Wohnzimmer gefilmt.

Wer auf Gewalt setzt, kann das schon mal vergessen. Hier wird gelabert, gesülzt und geredet, daß die Schwarte kracht und das auch noch ausnehmend durch den Hauptdarsteller Rudolf Martin (der die Rolle in einer Buffy-Folge gleich noch mal spielte), einen gar finsteren Kollegen, der es schafft, volle neunzig Minuten den gleichen geistesabwesenden Gesichtsausdruck beizubehalten, egal in welcher Stimmung er sich gerade befindet. Der sorgfältige Synchronsprecher, den man vermutlich aus einer ABM-Maßnahme heraus vermittelt hat, wollte dem wohl Sorge tragen und spricht den Text so, wie Martin aussieht: müde, eintönig, ohne Höhen und Tiefen. Der Knüller ist aber offenbar der Kugelschreiber, den er während des Jobs quer im Mund hatte, denn er scheint weder zu schlucken noch den Mund schließen zu können. Ein Hörerlebnis wie nach zwanzig Schlaftabletten oder fünf großen Joints.

Wenn denn wirklich mal was los ist, hacken drei bis sieben Leute (mehr Statisten waren nicht finanzierbar) aufeinander ein (ohne Rücksicht, aber auch ohne Blut). Einer der Statisten war offenbar gleichzeitig der Kameramann der Produktion, denn sobald hier jemand das Schwert zieht, wackelt und schwankt es wie Sau, daß einem nach drei Sekunden die Migräne durch die Ohren pfeift.

Ein Knüller auch die Restbesetzung. Roger Daltrey (als König) brauchte offenbar dringend Geld, anders kann die Leistung nicht erklärt werden. Jane March, das Fickemariechen aus "Color of Night" muß nach drei Jahren dringend mal wieder was essen und der Sultan sieht auch nicht gerade nach Osmane aus. Egal, den Vogel schießt sowieso good old "Robocop" alias Peter Weller ab, der als gr.-orth. Mönch hier die Rahmenhandlung und das Verhör bestreitet. Weller sieht aus wie eine Symbiose aus Ziegenbock und Captn Iglo und ist hier der Mann im Hintergrund. Ach, wäre er da nur geblieben.

Das Ende bekommt dann, wie überraschend, doch noch eine übernatürliche Wendung, die zum Rest weder passen will, noch jemanden interessiert, bevor die Schlußtitel uns über Wahrheiten aus Rumänien aufklärt, die auch nur ein amerikanisches Publikum glauben wird.

Wir haben es also nicht nur mit einem grottenschlechten Film, sondern auch noch mit dreistem Etikettenschwindel zu tun, der so ziemlich jeden vergrätzen dürfte, der seinen Geschmackssinn noch nicht vollends verloren hat. Und wer trotzdem zugreift, dem wünsche ich frohen Tiefschlaf. (1/10)

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