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"Wir müssen so viele umlegen wie möglich. Und dann werden wir rennen."

Seit Racoon City durch eine Atombombe dem Erdboden gleich gemacht wurde sind sieben Jahre vergangen. Der verantwortliche Pharmakonzern Umbrella wurde aufgelöst, die Gefahr eines erneuten Ausbruchs des T-Virus scheint gebannt.
Als Claire Redfield auf dem Flughafen von Harvardville ankommt, läuft gerade eine Demonstartion gegen Senator Ron Davis, den viele für die Zurückhaltung von Informationen über den Vorfall in Racoon City verantwortlich machen. Nachdem plötzlich ein Flugzeug in das Gebäude des Flughafens einschlägt und sich die toten Passagiere erheben, liegt die Vermutung eines terroristischen Anschlags durch den T-Virus nahe. Die Umgebung des Flughafens wird durch das Militär abgeriegelt und Agent Leon S. Kennedy stürmt mit einem kleinen Team das Gebäude, um Überlebende zu retten und die Seuche erneut zu bekämpfen.

Nachdem die "Resident Evil"-Reihe in Kino und TV gut ankam, sich aber durch eine Amazone in Form von Milla Jovovich identifizierte und kaum etwas mit der Spielevorlage zu tun hatte, nahm sich nun Capcom selbst einer Vorlagen-getreueren Umsetzung an. Dabei ging die traditionsreiche Firma den selben Weg wie schon SquareEnix mit "Final Fantasy VII: Advent Children" zuvor, und kreierte den gesamten Film am Rechner. Entstanden ist dabei ein Horror-Actioner "strictly for Fans", den sich zwar auch Serienfremde ansehen können, die aber sicher weit weniger damit anfangen können.

In einer knappen Einführung wird der Werdegang der Ereignisse nach der Zerstörung von Racoon City in Form von Nachrichtenschnipseln in Erinnerung gerufen. Kenner des vierten Teils der Spieleserie sehen sofort eine Verbindung und entdecken nur wenig neue Details, die für den Film noch ausschlaggebend sein werden. Ohne viel weiteres Geplänkel kommt "Degeneration" dann auch schnell zur Sache und erinnert an die Abläufe der Spiele. Auf eine rasante Eröffnung in und um den Flughafen folgt ein etwas gemächlicherer Mittelteil, der versucht etwas Geschichte zu erzählen und Bezug zu den Figuren herzustellen. In einem obligatorischen Laborkomplex inclusive eines Tyrant endet dann die Handlung.
Somit bedient sich die Handlung des Films an den Spielen selbst, fängt den Geist dieser gut ein bietet aber in diesem Bereich nur wenig Neues. Fans lassen sich davon nicht abschrecken, sind sie doch viel zu sehr entzückt ihre einst selbst gesteuerten Helden, losgelöst ihrer Einwirkung, handeln zu sehen. Nebencharaktere fallen dabei zügig unter den Tisch, werden schnell verpulvert oder posieren nur dann im Bild, wenn es für die Handlung unumgänglich ist. Dadurch stellt sich zu diesen schlussendlich kein Bezug her. Und dass die Hauptcharaktere überleben, ist offensichtlich.

Im Gegensatz zu den ersten drei Spielen sowie "Code Veronica" verläuft der Film wesentlich actionreicher. Das düstere sowie futuristische Setting wurde beibehalten, durch den wesentlich temporeicheren Verlauf geht allerdings viel der gewohnten Grusel- und Horroratmosphäre verloren. Es sind wohl die "auf sich selbst gestellt sein" Situationen die hier einfach fehlen. Überwiegend agieren die Figuren in einer Gruppe oder ballern wild um sich.
Auch wirkt  "Resident Evil: Degeneration" im Vergleich sehr handzahm. Kopfschüsse und Einschusswunden sind zwar vorhanden, Capcom zieht sich durch schnelle Schnitte dieser Szenen aber gekonnt aus der Affäre und bietet auch sonst verhältnismäßig wenig Blut und keinerlei abgetrennte Körperteile.

Technisch befindet sich der Film nur auf mittlerem Niveau. Die fotorealistischen Hintergründe sind definitiv sehenswert und gerade in späteren Abschnitten finden sich akribisch ausgearbeitete Schauplätze und Effekte. Dagegen stehen die Figuren, die in ihren Bewegungen hölzern und durch nur wenig Mimik unangenehm auffallen. Hier hätte Capcom noch etwas mehr feilen müssen, denn durch diese Starre ist die künstliche Herkunft zu offensichtlich.
Etwas mehr Feintuning hätte auch der Synchronisation gut getan. Manch eine Stimme will nicht zur Figur passen, was besonders durch die Figur des Leon S. Kennedy deutlich wird. Von solch einer Person erwartet man eine tiefere Stimmlage, die er in englischer Fassung auch hat.  Ansonsten ist die Synchronisation aber gelungen.

"Resident Evil: Degeneration" verlässt sich zu sehr auf seine Wurzeln. Hier sieht man, dass ein Spiel nicht einfach 1:1 auf die Leinwand projeziert werden kann, um zu beeindrucken. Zu abgegriffen und innovationslos wirkt der Stoff im selbstlaufenden Modus. Zumindest ist der CGI-Film näher an den Spielen als die Realfilme. Fans des Franchise lassen sich durch die Reduktion der Gruselatmosphäre weniger stören und erfreuen sich stattdessen an der originalgetreuen Nacharbeitung ihrer Helden, punktgenauen Insidern und fulminanten Actionszenen.

7 / 10

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