Review

Wenn man sich auf etwas bei Hollywood- , in diesem Fall Disney-Filmen verlassen kann, dann darauf, dass sie die diversen Mechanismen des Unterhaltungsfilms blind beherrschen. Die Charakterzeichnungen der Protagonisten verfügen über die notwendige Breite bzw. Gegensätzlichkeit, um eine möglichst große Zielgruppe anzusprechen, die Schwierigkeiten der Ausgangssituation (Waisen-Geschwisterpärchen bei unliebsamen Pflegeeltern) werden wenig realistisch und nicht zu dramatisch ausgestaltet und der positive Ausgang wird mit der gewohnt kurz vor Schluss vorgesehenen Ausweglosigkeit vorbereitet.

Auch wenn sich die Hauptdarsteller ,außer dem jüngeren Erfinderbruder Bruce (Jake T. Austin ) ,im jugendlichen Alter über 16 Jahren befinden, kann kein Zweifel darin bestehen, dass hier schon die jüngsten Zuschauer angesprochen werden sollen. Die wenigen Techtelmechtel zwischen Jungs und Mädchen bleiben im sauberen Bereich und gipfeln in einem vorsichtigen Kuss ganz zum Schluss. Im Mittelpunkt stehen schließlich die titelgebenden Hunde und da ist für jeden Hundeliebhaber etwas dabei.

Zuerst bemühen sich Andi (Emma Roberts) und ihr Bruder vor allem darum, ihren kleinen Hund vor den Pflegeltern zu verbergen. Lisa Kudrow und Kevin Dillon sind in "Das Hundehotel" die Bösewichter, die eine besonders idiotische Spezies abgeben. Äußerlich als hoffnungslos untalentierte Rockmusiker auftretend, die auf ihren nächsten Auftritt hoffen, behandeln sie ihre Pflegekinder wie Bürokaten. Man könnte darin auch das Vorurteil erkennen, dass solche Menschen keine liebevollen Eltern sein können, da sie nicht über das notwendige bürgerliche Umfeld verfügen, aber sämtliche Details sind so unglaubwürdig aneinander gefügt, dass man sich vor allem fragt, wieso die Kinder überhaupt an dieses Paar gegeben wurden.

An dieser Stelle tritt Bernie (Don Cheadle) auf den Plan, der dafür zuständig ist ,Waisenkinder bei Pflegeeltern unterzubringen. Es wird die gewohnte Mär erzählt, wie schwierig es ist, so alte (und nicht mehr leicht zu erziehende) Geschwisterkinder gemeinsam unterzubringen. Und wenn der liebe Bernie gleich von den vielen Eltern erzählt, von denen die Kinder wieder abgegeben wurden, dann vermittelt das zwei Dinge - Bernie gibt sich ganz viel Mühe und man muss nehmen, was man kriegen kann (also Lisa Kudrow und Kevin Dillon). Wer jetzt glaubt, bei Andi und Bruce handelt es sich etwa um anstrengende Kinder, irrt gewaltig. Wohlerzogener und intelligenter sind Kinder kaum vorstellbar, was auch den filmischen Vorgaben entspricht, da es sich hier schliesslich um die wichtigsten Identifikationsfiguren handelt. Es muss also von schwachsinnigen bis egoistischen Pflegeeltern geradezu wimmeln.

Auch wenn der gesamte Plot äußerst konstruiert wirkt - er funktioniert einfach. Das liegt zum Einen an der professionellen Machart, dann an den guten Darstellerleistungen und nicht zuletzt an den Hunden und den vielen skurrilen Erfindungen, mit denen diese bei Laune gehalten werden. Denn es ist nicht einfach für fünf Jugendliche eine große Anzahl von Hunden zu betreuen, ohne das die bösen Pflegeeltern und die nicht minder bösen städtischen Hundefänger etwas davon bemerken. Und wie erwartet geht es zwischendurch auch ordentlich schief...

Auffällig an der Machart des Films ist die starke Konzentration auf eine politisch-gesellschaftlich ausgewogene Gestaltung. Unter den Jugendlichen gibt es einen dicken Jungen und ein schwarzes Mädchen. Während die blöden Pflegeeltern weiß sind, gibt Don Cheadle mit Ehefrau das liebevolle, kultivierte Paar. Hätten sich nicht zum Schluss doch nur die beiden hübschen weißen Darsteller geküsst, sondern wäre auch der dicke Mark (Troy Gentile) von Heather (Kyla Pratt) erhört worden (was zumindest als Option für die Zukunft nicht ausgeschlossen wird), könnte man dem Film sogar dezenten Mut bescheinigen. Auch wenn man sich gern über diesen Hang zum "Political Correctness" lustig macht, so sollte man sich darüber im Klaren sein, dass die Wirkung auf Kinder prinzipiell positiv ist.

Und genau darum handelt es sich bei "Das Hundehotel" - um einen Film für Kinder, die an dem Film ihre Freude haben werden. Durchaus auch unterhaltend für Erwachsene, da der Film ein hohes Tempo an den Tag legt, fast altmodisch in seiner Gestaltung bleibt und auf sentimentale Momente größtenteils verzichtet. Nur Bernie darf einmal eine flammende Rede halten, aber diese gilt dann vor allem den Hunden (6/10).

Details
Ähnliche Filme