Nach dem letztjährigen Naraka 19 die zweite Verfilmung basierend auf den Arbeiten von Cai Jun, eines mit rund 2 Millionen Yuan pro Jahr außerordentlich gut verdienenden jungen Autors, der sich neben online-unterstützten Veröffentlichungen unter Chinas Leserschaft vor allem auch mit so genannten "mooks" [dort geläufige Abkürzung für magazine-books] hervorgetan hat. Cai ist nebenbei auch Mitschreiber an dem gefragten "Nanye", einer auf Mystery und Thriller geeichten Publikation, die mit der "Mysterious Messages series" am Start gerade auch wegen einer leicht deutlicheren Gangart Probleme mit der überhand nehmenden Zensurkontrolle durch die landeseigenen Behörden mit entsprechend aufgedruckten Warnungen sowie Verkäufen unter dem Ladentisch reguliert wurde.
Die vorliegende Bearbeitung, bereits April 2007 in Angriff genommen, lässt aufgrund seiner prinzipiell altmodisch gehaltenen Behandlung die Marketing- und Wertschöpfungssystematik seines Verfassers fast noch einfacher erkennen als bei dem grundsätzlich mit modernen Methoden ausgestatteten Vorgänger; der viel stärker auf die mittlerweile konventionell gewordene technische Kommunikation ausgerichtet war und so auch die Künstlichwerdung der Realität und stetig aufs Neue die Aufmerksamkeiten reizende Wegwendungen heraufbeschwörte. The Deserted Inn ist im Vergleich dazu getreu des Titels geradezu unterbevölkert, von einem sanften Umschlag ins Nihilistische bedroht, in einen entlegenen Winkel der Gesellschaft weitab von feststellbaren Raum und Zeit gesetzt und der Vergessenheit übergeben worden, was sich scheinbar unweigerlich nicht nur auf die stille Produktionsgeschichte, sondern auch gleich auf die Verbreitung des Werkes niederschlug. Trotz der durchaus prominenten Schar von Finanziers hinter dem Projekt [u.a. Emperor Motion Pictures, Polybona Film Publishing Co., Ltd., Anhui Huaxing Media Investment Co. Ltd] ist dieses mit weitaus geringerem Gestus an die Öffentlichkeit entlassen und dort auch ohne sonderliche Akzentsetzung aufgenommen worden, die stille Abgeschiedenheit und das Gefühl einer längst zurück- oder geographisch fern liegenden und somit gottverlassenen Sphäre stellt in selbsttätiger Mitwirksamkeit noch mit den betörendsten Gedanken dar:
Der einstmals gefeierte Songwriter Meng Fei [ Kenny Kwan ] hat seit 2002 Nichts mehr zu Papier oder gar musikalischer Veröffentlichung gebracht, fühlt sich zugleich von seiner Freundin He Ying [ He Mei-Tian ] bedrängt und gegängelt und entflieht nach einem anonym per Internet zugegangenen Hinweis in die Berge zu einem verstiegenen Gasthaus. Dort wird er zwar auf zuvorkommende Weise von dem Inhaber Ouyang [ Xue Shan ] empfangen, sieht sich aber schnell merkwürdigen Erscheinungen ausgesetzt, die wiederum seine Inspiration anstacheln. Als kurzzeitig seine Freundin zu Besuch kommt, der örtliche Antiquitätenhändler Feng [ Law Kar - ying ] von einer ominösen Legende erzählt und Ouyangs Frau Xiao Zhi [ Zhang Meng ] sich als Truggespinst zu entpuppen scheint, gerät der egozentrische Meng Fei zunehmend in verwirrende Panik.
Die Geschichte weitgehend ritueller Handhabung lebt dabei weniger von seiner auf dem Mythischen pochenden Geschichte, sondern von der poetischen Rahmeneröffnung, einschließlich der rustikalen Traditionsbestände als alleiniges affektives Faszinosum, der ästhetischen Bildauswahl und der nachdenklichen Verbindung zum Nächsten, in der der hinausgezögerte Zeitpunkt in einer Begebenheit entscheidender ist als der aktuelle Schockmoment. Zwar wird auch hier gerade zu Beginn mit den elementaren Funktionen und Stilmitteln des Horrorfilmes hantiert, bewegen sich Gegenstände von allein oder fangen gar zu bluten an, tauchen unheimlich aussehende Gestalten sekundenkurz im Schatten, im Spiegel, in Albträumen auf, wird dies unkomplizierte Schockszenario eines garden-variety teen screamer aber weder in konkret bemerkenswerter Dreistigkeit vermittelt noch weitergehend bemüht. Vielmehr wählt man die weiche, die meditative Variante, dient die biedermeierlich konservative Symbolgestalt der Liebe in gleich mehreren Beziehungen auch noch unterschiedlicher Epochen als Schlüssel zur einer eher doch anpassungswilligen, aber deswegen nicht automatisch hingebungsvollen oder rührenden Leidensgeschichte mit dezenten Zierrat, die mit einer gewissen Gemütsruhe ebenso hausieren geht wie mit dem behaupteten Vorsatz von Seelenangst.
Durch den ästhetischen Anteil des Stoff veranlasst oder auch hervorgebracht sind entrückt einsame Begehrungskräfte eines in Stein und Kälte eingemeißelten Ortes kurz vor Wintereinbruch, ein Labyrinth aus leeren Felsgebäuden totemistischer Garnierung, die von einer allumfassenden Mauer umzäunt und links und rechts von dem schon magisch klingenden golden flower sea sowie green bamboo forest umgeben sind. Ein Entkommen aus der einsiedlerischen Aske in passionierter Heiligkeit ist theoretisch möglich, aber praktisch nicht gewollt, noch nicht einmal vom Regisseur. Die wenigen Personen, die sich dort überhaupt noch aufhalten, gehören zwecks ihrer Intention und Bestimmung wie er auch genau dort in die privat entäußerte Endzeit hin und suchen gerade da die Antworten auf die Fragen des Lebens. Der Mangel desselben schließt hier auch die Suche danach und die kulturell geprägte Sinneswahrnehmung darüber aus. Alle Figuren plagt ein unzuverlässiges Sein, sie sind gefangen im wiederkehrenden Kreislauf des Schicksals, aus der Gegenwart gefallen und in der Vergangenheit versunken.
Genauso selbst absorbiert verhält sich der Film, und leider ruht er sich auf auf nur diesem einen Merkmal der Hinterlassenschaft aus, stellt sich selber einen für den Augenblick besinnlichen Schrein abseits jeden Popularitätscharakters bereit, bleibt so aber stetig eine randständige Erscheinung ohne eigenverantwortlicher Mobilität oder nennenswerter Bedeutung. Gerade rückwirkend bleiben außer leeren Behauptungen nur noch die idealisierend beweihräuchernde Darstellung des naturnahen provinziellen Lebens zurück.