Review
von Petronius
Das waren sie also, die Buddenbrooks. Sicherlich ein sehr ambitioniertes Projekt des Mann-Kenners Breloer. Doch eben dieser Anspruch erweist sich als Hemmschuh des Films. Vermutlich lässt sich ein solcher Jahrhundertroman auch gar nicht "eins zu eins" auf die Leinwand übertragen. So ist es geradezu bezeichnend, dass sich die Akteure zum Auftakt in einem Gruppenbild im Spiegel wieder finden, um sich dort zurechtzumachen für die Rolle, die sie spielen werden in diesem überlangen Epos.
Die hochkarätige Besetzung blieb tatsächlich hinter den Erwartungen zurück: Armin Müller-Stahl wirkt müde, Iris Berben steif, August Diehl bleibt blass (dunkel erinnere ich mich noch an die erste Verfilmung des Stoffes mit einem fantastischen Hans Lothar in dieser Rolle) und Mark Waschke farblos - einziger Lichtblick: Jessica Schwarz als schier unverwüstliche Toni. Doch auch ihr gelingt es nicht, den Zuschauer wirklich mitzureißen - das liegt nicht zuletzt daran, dass Breloer es tunlichst vermeidet, die Geschichte aus der Perspektive einer der Figuren zu erzählen - die Schauspieler agieren vor historischer Kulisse - hier konnte er an den Originalschauplätzen aus dem vollen schöpfen - doch sie agieren mit Distanz auf einer Bühne. Dabei verkommen die Nebenfiguren aus der Lübecker Gesellschaft zu lächerlich überzogen wirkenden Karikaturen. Episode für Episode rückt der Niedergang der Familie unaufhaltsam näher und doch bleibt am Ende die Frage - na und?
Wen soll dieser Film ansprechen? Wer den Roman gelesen hat, wird sich eh längst ein eigenes Bild gemacht haben, seine Lieblingsfigur durch die Familiengeschichte verfolgt und so seine ganz eigene Sichtweise gebildet haben. Wer den Roman nicht kennt, der wird die Geschichte als zu gediegen und altmodisch langweilig erzählt empfinden - bemühtes Deutsches Kulturprogramm, das denn doch nicht alles bieten kann. Denn den historischen Hintergrund, dessen Kenntnis Mann bei seinen zeitgenössischen Lesern sicher noch voraussetzen konnte, kann man nicht mehr erwarten und so verhallen die nur stichwortartig eingeworfenen Brocken - wie z.B. die Episode um die Revolution von 1848 - vor dem Mainstreampublikum.
Und - trotz allem Bemühen um historische Genauigkeit - wie kann man es zulassen, dass die Familienchronik in modernstem Hochdeutsch verfasst ist - ein historisches Schriftbild täuscht über diesen Fauxpas kaum hinweg. Lübeck war immerhin tonangebend für den gesamten Niederdeutschen Sprachraum bis weit in das 16. Jahrhundert hinein - dagegen sind die deutlich aufgesetzt wirkenden Passagen in Plattdeutsch, die eindeutig nicht von Native-Speakern ausgeführt wurden beinahe noch erträglich - aber eben nur beinahe...